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15. Etappe: Ullrich kämpft - Armstrong siegt

Endlich gute Beine: Jan Ullrich attackierte Lance Armstrong während der ersten Alpenetappe nach Villard de Lans, wurde aber doch eingeholt. Der amerikanische Überfahrer fährt nach seinem zweiten Etappensieg wieder in Gelb.

Jan Ullrich hat sich als großer Kämpfer bei der Tour de France zurückgemeldet, dabei aber Lance Armstrong auf seinem Weg zum sechsten Sieg nicht aus dem Rhythmus gebracht. Der US-Amerikaner holte sich am Dienstag auf der 15. Etappe über 180,5 Kilometern von Valreas nach Villard-de-Lans das Gelbe Trikot des Spitzenreiters vom Franzosen Thomas Voeckler und machte seinen zweiten Etappensieg bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt perfekt.

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"Jan ist wieder da"

Ullrich, der mit drei Sekunden Rückstand hinter dem Tagessieger als Dritter ins Ziel kam, konnte im Gesamtklassement Georg Totschnig (Österreich) hinter sich lassen und liegt jetzt auf Rang fünf, 6:54 Minuten hinter Armstrong. "Jan hat gezeigt, dass er wieder da ist", sagte sein Betreuer Rudy Pevenage. "Wir wollten Lance ein bisschen ärgern - wenn die Rechnung aufgegangen wäre, wäre ich der Größte gewesen. So bin ich halt nur der Drittgrößte. Ich habe bewiesen, dass ich vorne mitfahren kann, bin aber ein bisschen traurig, dass es mit dem Etappensieg nicht geklappt hat", sagte Ullrich.

Armstrong zeigt sich wieder hurmorlos

Armstrong, der im Finale keinen Spaß verstand und um den Tagessieg und 20 Sekunden Zeitgutschrift sprintete, führt das Gesamtklassement fünf Tage vor dem Tour-Ende in Paris jetzt mit 1:25 Minuten vor dem Zweitplatzierten von Villard-de-Lans, Ivan Basso (Italien), an.

Klöden: "Super-Rennen gefahren"

Einmal mehr unterstrich Ullrichs Team-Kollege Andreas Klöden seine Superform: Er kam als Vierter hinter Ullrich ins Ziel und festigte seine Top-Platzierung im Gesamtklassement auf Rang drei mit einem Rückstand von 3:22 Minuten auf den Seriensieger aus Texas. "Heute haben wir gezeigt, dass wir keine Konkurrenten sind. Wir sind ein Super-Rennen gefahren", sagte Klöden über sich und seinen Team- Kapitän.

Armstrong: "Keine Panik"

Die vier Erstplatzierten der Etappe hatten sich auf den letzten 400 Metern von der Ausreißergruppe abgesetzt. "Wir wussten, Jan kann ruhig wegfahren. Wir hatten keine Panik im Team. Das war heute sehr schnell und aggressiv", sagte Armstrong, der sich die Spitzenposition zum ersten Mal beim Mannschaftszeitfahren vor zwei Wochen geholt und sofort wieder verloren hatte.

Ullrichs Attacke 60 Kilometer vor dem Ziel

60 Kilometer vor dem Ziel war Ullrich zum ersten Mal richtig munter geworden. Am Anstieg auf den Col de l’Echarsson hatte der Olympiasieger, der in den Pyrenäen zwei Mal böse eingebrochen war, sein Herz in beide Hände genommen und attackiert. Armstrong reagierte sofort, spannte sich hinter seine Team-Kollegen Floyd Landis (USA) sowie José Azevedo (Portugal) und nahm die Verfolgung auf. Trotzdem hatte Ullrich teilweise über eine Minute zwischen sich und die Armstrong-Gruppe gebracht, in der auch Basso und Klöden fuhren.

CSC und US Postal gemeinsam gegen Ullrich

Ein bisschen wirkte die Situation, als wolle der fünfmalige Toursieger aus Texas den T-Mobile-Kapitän an der langen Leine führen. Ullrich bekam noch kurz Unterstützung durch Laurent Brochard (Frankreich) und Santos Gonzalez (Spanien), nachdem er die beiden überholt hatte. Aber auch das Trio musste 30 Kilometer vor dem Ziel - vor den zwei letzten der insgesamt sieben Anstiege der ersten Alpen-Etappe passen: Armstrong hatte aufgeschlossen.

Dazu trug auch der aufopfernd für seinen Kapitän Basso kämpfende Jens Voigt (Berlin/Team CSC) bei, der für den Zusammenschluss sorgte. "Ich komme mir fast wie ein Vaterlandsverräter vor", meinte Voigt. Die letzten Kilometer und die letzten beiden Bergprüfungen nahmen Ullrich und Armstrong in einer etwa zehnköpfigen Fahrergruppe gemeinsam in Angriff.

Alle Kandidaten für das Podium in Paris fuhren vorne, nur der in den Pyrenäen so stark auftrumpfende Team-Gerolstein-Profi Totschnig und Voeckler nicht. Der junge Franzose Voeckler verlor sein Trikot nach zehn Tagen in Gelb. Er büßte am Dienstag viel Boden ein und fiel auf den achten Rang mit 9:28 Minuten Rückstand zurück.

Andreas Zellmer und Heinz Büse, DPA / DPA

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