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America's Cup: Schafe, Saufen und den Start versauen

Nur noch wenige Tage, bis das neuseeländische Emirates-Team gegen die Schweizer Alinghi im America´s Cup Finale antritt. Beide Teams bereiten sich in geheimen Sitzungen auf den großen Kampf vor. Geheime Sitzungen? Nicht für uns. Heute: die Neuseeländer.

Eine Satire von Roberto Lalli delle Malebranche

Unser Autor beschreibt auf satirische Weise in einem fiktiven Text, wie seiner Meinung nach eine Teamsitzung des Teams Neuseeland ablaufen könnte. Vor vier Jahren fand das America's Cup-Finale ebenfalls zwischen Alinghi und den Neuseeländern statt. Alinghi siegte klar mit 5:0.

12 Uhr mittags, die Basis von Emirates Team New Zealand im Yachthafen von Valencia. Teamchef Grant Dalton betritt den Raum, in welchem die neuseeländische Mannschaft gerade ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgeht: Darts. An der Wand hängen durchlöcherte Großaufnahmen von Ernesto Bertarelli, Russel Coutts und George W. Bush. Dalton trägt wie so oft das schwarze Gewand, das ihm Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum geschenkt hat und auf dem mit Goldfaden der Satz "Let´s bring it home to Dubai" aufgestickt ist. Sofort umringen ihn seine Mannschaftskameraden und harren erwartungsvoll seiner Worte. Und in der Tat setzt Grant Dalton an diesem Tag zu einer historischen Rede an.

"Dudes, ich will mich kurz fassen und euch nur eine einzige Frage stellen: Warum sind wir Neuseeländer hier in Valencia, was zur Hölle wollen wir hier?" "RACHE, DUDE!!!", rufen alle Segler wie aus einem Mund, "RACHEEEE!!!"

"Sehr richtig, RACHE! Das ist es, was wir wollen: Rache für das 0 zu 5 in Auckland vor vier Jahren, Rache dafür, dass wir damals das Wasser mit Kaffeetassen aus unserem Boot schippen mussten, Rache für den Mastbruch, Rache dafür, dass wir seit Jahren rote Socken tragen müssen, nur um Geld fürs Segeln aufzutreiben, Rache dafür, dass viele von uns ihre Schafe und Frauen zuhause lassen mussten und hier in Spanien jeden Abend ins Kopfkissen weinen. Wir sind hier, um die Schweizer fertig zu machen, in Grund und Boden zu segeln, der Lächerlichkeit preiszugeben, abzuservieren, einzustampfen, kalt zu machen, zu erledigen, oh ja, aber das alles natürlich absolut fair und auf neuseeländisch sympathische Art und Weise."

Bowman Stuart Bettany, genannt Stu, zögert, hebt dann aber doch den Finger. "Aber Dude, ist das nicht unfair, wenn wir die Schweizer fertig machen? Die können sich doch gar nicht wehren!" " Die können sich nicht wehren, Stu? Wie kommst du denn darauf?"

" Na, vor der Basis von Alinghi weht doch seit Monaten die Flagge vom Roten Kreuz. Die sind garantiert krank oder leiden an irgendeiner Seuche." Stratege Ray Davies kommt seinem Kollegen zu Hilfe:" Dude, das ist nicht die Fahne vom Roten Kreuz, das ist die Schweizer Flagge." "Ach, so, OK, sorry, dann können wir sie natürlich fertig machen."

" Na gut", fährt Dalton fort, "ich habe eine kleine Präsentation vorbereitet, um euch unsere Taktik fürs Finale zu erläutern." Das Licht geht aus und eine aufwendig gezeichnete Skizze erscheint auf der Projektionswand. "Also Männer, ich habe lange nachgedacht und bin zu folgendem Schluss gekommen: Wir gewinnen den Start, sind an der ersten Wende vorne, an der zweiten ebenfalls und an der dritten auch, und den Vorsprung halten wir dann bis ins Ziel. Das ist der Plan."

Dean Barker, der Steuermann, meldet sich zu Wort: "Das verstehe ich nicht ganz, das kommt mir ziemlich kompliziert vor, Grant." Dalton stutzt und blendet schließlich ein anderes Bild ein. "OK, Männer, das hier ist ein Segelboot." Navigator Kevin Hall ruft sofort dazwischen: "Nicht so schnell, Chef!"

In diesem Augenblick betritt David Slyfield den Raum, der von allen gefürchtete Fitnesstrainer. Er sieht sich um, und geht dann mit zornigem Blick auf den Trimmer James "Daggy" Dagg zu. "Hauch mich mal an, Dude!" "Ich .. ich", stottert Dagg. "Hauch mich an, Daggy, mach schon. Dagg tut es widerwillig. "Aha, aha, dachte ich es mir doch. Ich rieche keine Bierfahne, Dude!"

"Aber… ich kann das einfach nicht, David, zwei Biere schon zum Frühstück!" Slyfield runzelt die Stirn: "Ich habe dir doch schon tausend Mal erklärt, dass du die Diät genau einhalten musst, wenn du fit für's Finale sein willst. Und Estrella Damm ist nun mal unser Sponsor, oder nicht?" " Ja, ich weiß." "Also, dann trink das Zeug auch und sei froh, dass wir keinen Vertrag mit Baileys oder Batida haben." "Ok, Dude, ich werd's versuchen."" Braver Junge."

Da kommt Grant Dalton auch schon Zum Ende seiner Rede. "Ja, Männer, wir wollen Rache, und diese schweizer Gartenzwerge werden uns nicht am Gewinn des Cups hindern. Wer sind die Schweizer denn schon? Ein Witz soll euch das anschaulich machen: Zwei Schweizer unterhalten sich. Der eine: 'Weihnachten ischt schön!'. Der andere: 'Geschlechtsverkehr ischt auch schön!'. Darauf wieder der eine: 'Weihnachten ischt aber öfter!'" Grants Mannschaftskameraden jauchzen, rufen wild durcheinander und beginnen zu tanzen. "RACHE, RACHE, RACHEEE!!!", rufen sie immer wieder und klatschen dabei rhythmisch in die Hände. Nur Steuermann Dean Barker steht ziemlich ratlos vor der Skizze mit dem Plan für das Finale und kratzt sich am Kopf. "Den Start gewinnen? Das haben wir doch noch nie gemacht, damn it! Wozu soll das gut sein?"

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