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Armstrong vs. LeMond: Kleinkrieg der Tour-Giganten

Lance Armstrong und Greg LeMond setzen ihren Kleinkrieg auf der großen Bühne der Tour de France unvermindert fort. Nach den schweren Anschuldigungen LeMonds am Wochenende ging der siebenmalige Tour-Sieger zum Gegenangriff über.

Der siebenmalige Tour-Sieger Lance Armstrong hat auf die schweren Anschuldigungen von Greg LeMond reagiert und seinen Landsmann indirekt des Dopings beschuldigt. "Wir werden bei den Behörden die Möglichkeit haben, die Wahrheit zu sagen. Und Greg hat auch die Chance, die Wahrheit über 1989 zu sagen", erklärte der 38-Jährige, der sich bei der aktuuellen Tor de France sportlich innerhalb einer Woche vom Sieganwärter zum Radtouristiker gewandelt hat.

Damit spielte Armstrong auf den zweiten der drei Tour-Siege LeMonds an, als dieser beim abschließenden Zeitfahren in Paris dem Franzosen Laurent Fignon 58 Sekunden abgeknöpft und mit nur acht Sekunden Vorsprung die Rundfahrt gewonnen hatte. Bislang galt immer der Einsatz eines Triathlon-Lenkers als Schlüssel zum Erfolg von LeMond, Armstrong hat freilich andere Hintergründe im Sinn.

"Fast wie bei der Mafia"

Die beiden Amerikaner sind seit 2001 verfeindet. Erst am Wochenende hatte LeMond in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" schwere Anschuldigungen gegen den Texaner erhoben. Armstrong habe versucht, "Leute zu bestechen, die aussagen, dass ich Epo genommen hätte". Auch habe der RadioShack-Kapitän mindestens 500.000 Euro an den Radsport-Weltverband gezahlt, offenbar um positive Dopingproben zu vertuschen.

Zuletzt hatte UCI-Präsident Pat McQuaid zwei Spenden in Höhe von 125.000 Dollar einräumen müssen. "Allein der Fakt, dass es journalistischer Recherchen bedurfte, damit sie wenigstens die 125.000 einräumen mussten, spricht doch für sich. Wenn das keine Korruption ist, was sonst? Schweigen, zahlen - es ist fast wie bei der Mafia", sagte LeMond.

Armstrong bleibt gelassen

Anschuldigungen, die Armstrong nicht unkommentiert stehen lassen wollte. "LeMond widmet sein Leben, mich anzugreifen. Er ist von dieser Idee besessen. Ich wünsche ihm viel Glück, aber ich habe keine Bedenken", ergänzte Armstrong: "Es gab zehn Jahre lang Untersuchungen aller Art. Ich hatte nie etwas zu verstecken."

Zuvor hatte bereits Floyd Landis bei seinem Geständnis Mitte Mai schwere Doping-Anschuldigungen gegen Armstrong und weitere Mitglieder seiner früheren Mannschaft, dem US-Postal-Team, erhoben. Systematisches Doping sei an der Tagesordnung gewesen, für die Beschaffung der verbotenen Präparate seien sogar Rennräder veräußert worden. "Landis und ich haben sehr unterschiedliche Versionen. Aber seine verändert sich ständig", sprach Armstrong erneut die mangelnde Glaubwürdigkeit seines früheren Teamkollegen an.

Armstrong hat in diesen Tagen wieder mehr Zeit, sich den unangenehmen Dingen des Lebens zu widmen, denn sportlich übt er bei der Tour nur noch die Rolle eines besseren Hobbyradlers aus. Auch auf der ersten Pyrenäen-Etappe nach Ax-3-Domaines hatte er wieder über 15 Minuten verloren. "Es ist eine neue Erfahrung für mich, beispielsweise den Pailheres ohne Druck hochzufahren, den Leuten zuzuschauen und zuzuhören. Ich genieße ein wenig die Zeit", sagte Armstrong.

Hohn und Spott der Fans

Es sind aber nicht nur Nettigkeiten, die ihm zuteil werden. So muss er auch den Spott einiger Fans über sich ergehen lassen. Auf der Straße zum Ziel der zwölften Etappe in Mende hatten Zuschauer beispielsweise "Trek-Rennrad zu verkaufen, ruf' Lance an" auf die Straße geschrieben. Aufgeben werde er aber nicht. "Ich höre in Paris auf", betonte Armstrong, der seine letzte Tour und sein letztes Rennen in Europa bestreitet. Ein Etappensieg wäre schön, so der Texaner. "Ich will aber nicht hören, dass einer sagt: 'Hey, lasst dem alten Mann doch einen Etappensieg.' Ich habe 25 Etappensiege geholt. Ich will keine Geschenke", betonte Armstrong.

Stefan Tabeling und Thomas Bachmann, SID / SID

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