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Australian Open: Nadal schaltet den Turbo ein

Englands großer Hoffnungsträger hat bei den Australian Open die Koffer gepackt: Andy Murray verlor im Achtelfinale gegen Fernando Verdasco. Rafael Nadal machte dafür mit seinem Gegner kurzen Prozess. Serena Williams ist ebenfalls eine Runde weiter, hatte aber viel Glück.

Am australischen Nationalfeiertag musste Andy Murray schon wieder die Koffer packen. Was war nicht alles geschrieben und gemutmaßt worden über den 21 Jahre alten britischen Hoffnungsträger, der endlich mit der ersten Grand-Slam-Trophäe seit mehr als 70 Jahren im Gepäck auf die Insel zurückkehren wollte. Doch am Montagabend um kurz nach Sieben entpuppte sich Fernando Verdasco im Achtelfinale der Australian Open als Spielverderber. Nach einer Achterbahnfahrt über fünf Sätze musste sich der Weltranglisten-Vierte dem elf Plätze tiefer notierten Spanier mit 6:2, 1:6, 6:1, 3:6, 4:6 geschlagen geben. "Das ist kein Desaster. Ich habe noch mehr Chancen, Grand-Slam-Turniere zu gewinnen", sagte Murray erstaunlich gefasst.

Rafael Nadal dagegen wollte die australischen Tennisfans nicht lange von der heimischen Grillparty abhalten. Weniger als zwei Stunden brauchte die Nummer eins der Welt am "Australia Day" auf dem Center Court, um Fernando Gonzalez aus Chile mit 6:3, 6:2, 6:4 aus dem Turnier zu befördern. Vor Bier und Barbecue bekamen die 15 000 Zuschauer in der Rod Laver Arena einen echten Leckerbissen Nadalscher Spielkunst zu sehen. Der Linkshänder hat als einziger Akteur bislang keinen Satz abgegeben. Nicht erst seit seinem überzeugenden Auftritt gegen Thomas Haas wird plötzlich der Name Nadal immer häufiger genannt, wenn der Australian-Open-Champion 2009 gesucht wird.

In der Damen-Konkurrenz erreichten die dreimalige Titelträgerin Serena Williams aus den USA und Olympiasiegerin Jelena Dementjewa aus Russland das Viertelfinale. Serena Williams profitierte nach verlorenem ersten Satz von der Aufgabe ihrer Gegnerin Victoria Asarenka aus Weißrussland und trifft nun auf die Russin Swetlana Kusnezowa. Jelena Dementjewa gewann gegen die Slowakin Dominika Cibulkova und spielt jetzt gegen Carla Suarez-Navarro aus Spanien.

Nadal bleibt bescheiden

"Ich habe bislang in allen Matches gut gespielt. Ich werde jetzt aber nicht sagen, dass ich ins Halbfinale oder Endspiel einziehe", sagte Nadal gewohnt bescheiden. Auf den 22 Jahre alten Mallorquiner wartet am Mittwoch der an Nummer sechs gesetzte Franzose Gilles Simon. Dessen Landsmann Gael Monfils musste beim Stand von 6:4, 2:6, 6:1 aus Sicht Simons wegen einer Verletzung am Handgelenk aufgeben.

Auch Murray klagte über Unwohlsein, wollte dies aber nicht als Entschuldigung gelten lassen für die Niederlage gegen Verdasco. Der Ex-Freund der serbischen Schönheit Ana Ivanovic trifft nun auf Jo- Wilfried Tsonga aus Frankreich. Der Vorjahresfinalist setzte sich gegen James Blake aus den USA mit 6:4, 6:4, 7:6 (7:4) durch.

Auf dieser Linie des Tableaus war vor Turnierbeginn eigentlich Murray vermutet worden. Der Schotte wurde in den Wettbüros als Top- Favorit knapp hinter Roger Federer eingestuft. Nach seinem beeindruckenden Endspurt 2008 mit dem Finale bei den US Open, den Turniersiegen in Madrid und St. Petersburg sowie dem Halbfinal-Einzug beim Masters Cup in Shanghai wurde Murray als heißester Kandidat der Tour gehandelt. "Er hat gute Chancen, die Australian Open zu gewinnen", hatte Nadal vor dem ersten Aufschlag in Melbourne gesagt.

Noch am Samstag schrieb die Zeitung "The Age" unter ein riesiges Murry-Bild: "Yes, he can. Amerika hat einen schwarzen Präsidenten, aber Großbritannien kann immer noch keinen Grand-Slam-Sieger finden. Es ist an Andy Murray, die Geschichte zu verändern." Vorerst bleibt Fred Perry der letzte britische Grand-Slam-Champion - im Jahr 1936.

Wolfgang Müller/DPA / DPA

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