Australian Open Nadal triumphiert, Federer weint


In einem hochklassigen Finale gegen Roger Federer hat Rafael Nadal zum ersten Mal die Australian Open gewonnen. Nach der Niederlage vergoss Federer sogar Tränen. Der Schweizer verpasste es, den Grand-Slam-Rekord von Pete Sampras einzustellen.

Als der enttäuschte Roger Federer bei seiner Dankesrede in Tränen ausbrach, nahm ihn der neue Australian Open- Champion Rafael Nadal tröstend in den Arm. In einem hochklassigen und fesselnden Grand-Slam-Endspiel hatte sich der Weltranglisten-Erste aus Spanien am Sonntag in Melbourne nach vier Stunden und 23 Minuten mit 7:5, 3:6, 7:6 (7:3), 3:6, 6:2 gegen seinen Dauerrivalen aus der Schweiz durchgesetzt und den ersten Australian-Open-Triumph seiner Karriere gefeiert. Für Federer platzte dagegen kurz nach Mitternacht Ortszeit der Traum vom 14. Grand-Slam-Titel und der historischen Bestmarke von Altmeister Pete Sampras. Auch im dritten Grand-Slam- Finale nacheinander gelang es ihm nicht, Nadal niederzuringen.

"Ihr seid unglaublich", sagte der 27 Jahre alte Federer. Dann stockte seine Stimme in der rappelvollen Rod Laver Arena. "Das bringt mich um", stammelte er, brachte kein Wort mehr heraus und konnte die Tränen nicht zurückhalten. Nachdem der neue Champion Nadal auf das kleine Podest geklettert war, versuchte es Federer erneut. "Ich möchte ja heute nicht das letzte Wort haben. Das hast Du verdient, Junge. Du hast ein unglaubliches Match gespielt", sagte er.

Nadal sank auf den Boden

Nach dem dritten Matchball war der 22 Jahre alte Linkshänder aus Mallorca um Viertel nach Zwölf völlig erschöpft auf den blauen Boden gesunken. "Es ist ein Traum für mich, diese Trophäe aus den Händen von Rod Laver zu erhalten", sagte Nadal mit dem Norman Brookes Challenge Cup in den Händen. "Roger, tut mir leid für heute. Ich weiß, wie du dich fühlst. Aber du bist immer noch einer der Besten der Tennis-Geschichte." Als erster Spanier gewann der French-Open-, Wimbledon- und Olympiasieger auf dem Hartplatz in Melbourne und sicherte sich einen Siegerscheck von umgerechnet einer Million Euro.

Während Federer seinen vierten Australian-Open-Titel nach 2004, 2006 und 2007 verpasste, machte Serena Williams in der Damen- Konkurrenz den vierten Sieg nach 2003, 2005 und 2007 perfekt. Die 27 Jahre alte Amerikanerin deklassierte im Endspiel am Samstag die Russin Dinara Safina mit 6:0, 6:3, gewann den zehnten Grand-Slam- Titel ihrer Laufbahn und nahm einen Siegerscheck in Höhe von umgerechnet rund einer Million Euro in Empfang. Zudem ziert ihr Name von diesem Montag an die oberste Position der Weltrangliste.

Im Gegensatz zum langweiligen Damen-Finale erlebten die 15.000 Zuschauer einen Tag später wieder eine grandiose Nadal-Federer-Show. Zum 19. Mal duellierten sich die Ausnahmekönner und demonstrierten bei ihrem siebten Aufeinandertreffen in einem Grand Slam-Finale, warum sie zurecht die Nummern eins und zwei der Welt sind.

Federer begann miserabel

So miserabel die Akustik bei Gabriella Cilmis "Nothing sweet about me" in der präfinalen Unterhaltungs-Einlage war, so schlecht startete Federer um 19.51 Uhr in sein 18. Grand-Slam-Endspiel. Gleich im ersten Spiel kassierte er ein Break und machte ungewohnt viele einfache Fehler mit seiner Rückhand. Nach 22 Minuten stand es 2:2, da war im Damen-Finale bereits der gesamte erste Satz vorbei.

Federer und Nadal schenkten sich nichts. Ein spektakulärer Ballwechsel jagte den anderen. Beide machten Punkte aus scheinbar aussichtslosen Situationen. "Maestro gegen Gladiator" hatte die "Herald Sun" vorab getitelt. Und "Gladiator" Nadal mobilisierte mit seinem giftgrünen Stirnband all seine Kräfte, nachdem er zwei Tage zuvor im Halbfinale gegen seinen Kumpel Fernando Verdasco noch das längste Match der Australian-Open-Geschichte bestritten und fünf Stunden und 14 Minuten auf dem Platz verbracht hatte.

Im dritten Satz musste er sich erstmals behandeln lassen. Doch keiner der beiden Protagonisten dieses großartigen Schauspiels wollte Schwächen zeigen. Erst eine Viertelstunde nach Mitternacht nutzte Nadal seinen dritten Matchball und holte den sechsten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier nach vier Triumphen bei den French Open und dem Vorjahreserfolg in Wimbledon. Zudem war es der 13. Sieg im 19. Duell mit Federer.

Vier Titel mehr hat Serena Williams auf ihrem Grand-Slam-Konto. Nach ihrem zehnten verneigte sie sich vor ihren Idolen Steffi Graf und Martina Navratilova. "Ich habe Steffi Graf verehrt und Martina Navratilova war mein Vorbild. Wenn die Leute anfangen, mich in einem Atemzug mit ihnen zu nennen, ist das einfach nur wahnsinnig cool."

DPA DPA

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