Australian Open Serena schreibt Tennis-Geschichte


Serena Williams hat erstmals die Australian Open gewonnen und hält nun alle vier Grand-Slam-Titel. Die 21-jährige Amerikanerin siegte am Samstag im Finale in Melbourne gegen ihre ein Jahr ältere Schwester Venus.

Serena Williams hat Tennis-Geschichte geschrieben und ist den elitären Zirkel des weißen Sports aufgerückt. Mit ihrem ersten Triumph bei den Australian Open vollendete die 21 Jahre alte Amerikanerin am Samstag in Melbourne den so genannten «Serena Slam» und holte über den Jahreswechsel hinweg alle vier Grand-Slam-Titel in Folge. «Das ist ein sehr spezieller Moment. Ich habe schon als Kind davon geträumt, die Beste zu sein», sagte die Weltranglisten-Erste nach dem schwer erkämpften 7:6 (7:4), 3:6, 6:4 über ihre Schwester Venus, die wie bei den French Open, in Wimbledon und bei den US Open im Endspiel als Geschlagene vom Platz ging.

Gleiches wie Serena Williams war bisher nur Steffi Graf (1993/94) und Martina Navratilova (1983/84) geglückt, die am Sonntag im Mixed-Finale steht. Den echten Grand Slam - den Gewinn der vier wichtigsten Turniere in einem Kalenderjahr - haben nur die Amerikanerin Maureen Connolly (1953), die Australierin Margaret Court (1970) und ebenfalls Steffi Graf (1988) geschafft. Die Ehefrau von Andre Agassi, der am Sonntag im Herren-Finale gegen Rainer Schüttler steht, wurde in jenem Jahr auch Olympiasiegerin und feierte als Einzige den «Golden Slam». Im Lauf ihrer Karriere gelang es außerdem den Amerikanerinnen Chris Evert, Billie Jean King, Shirley Fry und Doris Hart, jedes Grand-Slam-Turnier zumindest einmal zu gewinnen.

Tränen bei der Siegerehrung

«Ich kann nicht glauben, dass ich mit diesen Frauen verglichen werde. Das ist für mich sehr erstaunlich», gestand Serena Williams, die ihre Rede bei der Siegerehrung mit brüchiger Stimme abbrach und sich ein paar Tränen aus den Augen wischte. Ihre Schwester fand ihr übliches Lachen zwar schnell wieder, wirkte unmittelbar nach dem 2:22 Stunden langen Match aber sehr geknickt.

«Mein Spiel war nicht so aggressiv wie in den vergangenen Runden. Ich wäre so gern wie sie. Ich würde auch gern einmal alle vier Grand Slams gewinnen», sagte die Weltranglisten-Zweite, die es ihrer Schwester aber sehr schwer machte. Zwei Tage nach der Aufholjagd gegen die Belgierin Kim Clijsters, bei der Serena sogar zwei Matchbälle abgewehrt hatte, zeigte die Nummer eins letztlich bessere Nerven und wieder großen Kampfgeist.

«Venus hat sehr, sehr gut gespielt. Ich dachte nicht, dass ich das Match gewinnen würde. Als ihr letzter Ball draußen landete, war ich richtig geschockt», schilderte Serena Williams den Matchball, mit dem die Schwester ihre Negativserie fortsetzte. Statt der 22-Jährigen holte sich Serena den fünften Grand-Slam-Titel ihrer Karriere. Den ersten feierte sie bei den US Open 1999. Für Venus stehen aus den Jahren 2000 und 2001 jeweils die Erfolge aus Wimbledon und New York zu Buche. In Flushing Meadows gelang ihr vor 16 Monaten der letzte von fünf Siegen bei nunmehr jetzt sechs Niederlagen gegen Serena, die im Vorjahr in Melbourne verletzt gefehlt hatte.

Bisher hochklassigstes Schwester-Duell

Unter dem Dach der Rod-Laver-Arena, das wegen Außentemperaturen von mehr als 40 Grad geschlossen blieb, war das elfte Familien-Duell das bisher spannendste und trotz vieler Fehler das hochklassigste. Venus geriet oft in Gefahr, wenn der erste Aufschlag nicht kam, und sie verlor deswegen den Tiebreak des ersten Satzes. Im zweiten servierte die Olympiasiegerin besser, in der entscheidenden Phase stieg jedoch die Fehlerquote. Nach einem Doppelfehler und einer verschlagenen Vorhand von Venus war Serenas historischer Triumph perfekt. Das Preisgeld von umgerechnet 620 000 Euro geriet dabei zur Nebensache.

Robert Semmler DPA

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