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Basketball-EM: Dirk & Dirk küssen deutsche Basketballer wach

Superstar Dirk Nowitzki und Bundestrainer Dirk Bauermann sind die beiden Protagonisten, die mit dem 76:62- Viertelfinalsieg über Slowenien die "Cinderella-Geschichte" der deutschen Basketballer bei der EM fortschrieben.

Mit dem Erfolg über den bis dahin unbesiegten EM-Geheimfavoriten qualifizierte sich eine Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) nicht nur zum dritten Mal nach dem Münchner EM-Triumph von 1993 und 2001 in der Türkei (4. Platz) für ein EM-Halbfinale, sondern löste zugleich das Ticket zur Weltmeisterschaft 2006 in Japan. Noch ein positiver Nebeneffekt: Deutschlands Korbjäger sind auch bereits für die nächste EM 2007 in Spanien qualifiziert, wo die Fahrkarten zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking vergeben werden.

Baermann stellt seine internationale Reputation unter Beweis

Die beiden "Märchenprinzen" Dirk und Dirk küssten die nach den großen Erfolgen mit Bauermanns Vorgänger Henrik Dettmann - EM-Vierter 2001 und WM-Dritter 2002 - mit dem frühen Scheitern bei der EM 2003 in Schweden in den Dornröschenschlaf gefallenen Korbjäger in Belgrad wieder wach. Nowitzkis Qualitäten sind seit Jahren weltweit bekannt. Die Korb-Kompetenz von Bundestrainer Bauermann beschränkte sich dagegen bislang nur auf nationale Meriten.

Sieben Mal in Serie wurde der in Oberhausen geborene und in Krefeld wohnende 47-Jährige in den 90er Jahren deutscher Meister mit den "Riesen vom Rhein" aus Leverkusen. In diesem Jahr holte er den Titel mit GHP Bamberg. Schon jetzt hat der ehrgeizige Bauermann, der seine Freude über Siege nie so recht zeigen kann ("Man sieht es mir nicht an, aber ich freue mich wirklich riesig"), auch seine internationale Reputation unter Beweis gestellt.

Bauermann weiß allerdings auch, dass ein Trainer mit dem Geschenk eines Ausnahme-Athleten wie Nowitzki (22 Punkte gegen Slowenien) kaum etwas falsch machen kann. In Belgrad ist Bauermann mehr und mehr aus dem Schatten der alle überstrahlenden Lichtgestalt Nowitzki getreten. Er weiß jedoch auch, dass niemand allein ein Spiel gewinnen kann. Bis zur Halbfinal-Partie gegen Spanien am Samstagabend hatte der Taktiker Bauermann den Spagat zwischen den überragenden Individualkünsten des NBA-Stars von den Dallas Mavericks und dessen auf EM-Niveau immer stärker werdenden Mitspielern gut hingekriegt.

Sonderlob für Greene

"Die Mannschaft ist im Lauf des Turniers immer mehr zusammen gewachsen. Wir sind nicht nur Nowitzkis", meinte Bauermann. Gegen Slowenien wuchsen vor allem die beiden nur 1,80 m großen Spielmacher Pascal Roller (15 Punkte) von den Deutsche Bank Skyliners Frankfurt und der künftig für Besiktas Istanbul spielende Ex-Berliner Mithat Demirel (15) über sich hinaus. Bauermanns Sonderlob verdiente sich auch der künftig in Berlin spielende Demond Greene, der als vierter zweistellig punktender Akteur (10) die Homogenität des immer besser funktionierenden Teams dokumentierte.

Patrick Femerlings 10 Rebounds rundeten das gute Gesamtbild ab, das auch den Respekt internationaler Beobachter hervorrief. "Die Deutschen können Europameister werden, weil sie auch außer Nowitzki ein gutes Team haben", sagte der einst für den Bundesligisten Ludwigsburg auf Korbjagd gegangene russische Olympiasieger Sergej Tarakanow. Ein gutes Gefühl hat auch Co-Trainer Christian Welp. "Ich spüre, dass wir etwas wie 1993 schaffen können", sagte der ehemalige Nationalmannschafts-Center, der mit den letzten drei Punkten zum 71:70-EM-Finalsieg gegen Russland für den größten Erfolg des deutschen Basketballs gesorgt hatte.

Reinhard Schwarz/DPA

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