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Betrugsvorwürfe gegen THW Kiel: Von einer Schlammschlacht zum Skandal

Der Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen, Jesper Nielsen, hat ausgiebig über weitere Details im mutmaßlichen Bestechungsskandal um den THW Kiel geplaudert. Der ganze Erfolg des Handball-Clubs sei nur auf Betrug aufgebaut. Grund für das Bekanntwerden der Vorwürfe sei Rache.

Der Gesellschafter des Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen, Jesper Nielsen, hat neue Details zu den Bestechungs-Vorwürfen um Rekordmeister THW Kiel genannt. "Der Hamburger Morgenpost" schilderte der 39-Jährige Gespräche mit dem Hauptbeschuldigten und zurückgetretenen THW-Manager Uwe Schwenker sowie dem ehemaligen THW-Trainer Noka Serdarusic. Beide hätten Nielsen gegenüber Bestechungen eingeräumt.

Schwenker habe sich mit Nielsen nach dem WM-Finale 2009 nachts an der Bar des Hotels Esplanade in Zagreb getroffen. Dort habe Schwenker die Bestechungen im Champions-League-Finale vor zwei Jahren zugegeben. Allerdings habe Schwenker behauptet, dass der damalige THW-Trainer Noka Serdarusic die Verantwortung dafür trage. Laut Nielsen sagte Schwenker: "Aber nicht ich habe das gemacht sondern Noka. Das ist alles über den Balkan gelaufen." Auch die Tatsache, dass Serdarusic neuer Trainer der Rhein-Neckar-Löwen werden sollte, wurde besprochen. Schwenker habe dazu geraten, den bereits abgeschlossenen Vertrag mit Serdarusic nicht aufzulösen. "Noka muss bei Euch Trainer bleiben. Ihr müsst ihm und seiner Frau Mirjana einen Maulkorb verpassen, sonst gibt es einen Riesenskandal in Deutschland."

Unter einem Vorwand traf sich Nielsen dann mit dem kroatischen Trainer und dessen Frau Mirjana in deren Haus. Dort zeigte ihm Serdarusic die Kontoüberweisungen und behauptete, nur auf die Anweisungen von Uwe Schwenker gehandelt zu haben. Das Geld soll dann von einem langjährigen Freund Serdarusic' an die polnischen Schiedsrichter weitergeleitet worden sein. Es handelt sich dabei um den kroatischen Geschäftsmann Nenad Volarevic. Nach diesem Gespräch ließen die Rhein-Neckar Löwen den hoch dotierten Vertrag mit Serdarusic platzen. Nielsen sagt weiter, dass Serdarusic die Absicht gehabt habe, nach seiner Entlassung in Kiel, Schwenker "aus Rache" mit belastenden Kontoauszügen zu erpressen.

Dass die Bestechungsvorwürfe überhaupt an die Öffentlichkeit gelangten, ist dem Zerwürfnis zwischen Schwenker und Serdarusic zu verdanken. Der Kroate hatte 15 Jahre als Trainer in Kiel gearbeitet. Schwenker und Serdarusic formten den THW zu einem der erfolgreichsten Handball-Clubs der Welt. Höhepunkt war der Triumph in der Champions League 2007 im Finale gegen Flensburg-Handewitt. 2008 kam es zum Zerwürfnis der beiden, der verbittert geführte Machtkampf endete mit der Entlassung des Trainers.

Als Konsequenz aus der Manipulationsaffäre fordert Nielsen harte Strafen für den Konkurrenten, dessen Ruf "auf 20 Jahre ruiniert" sei. So müsse der THW mit einer internationalen Sperre für drei Jahre und einem Punktabzug von 20 Zählern für die nächste Bundesliga-Saison bestraft werden.

Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Wochen in dem Fall, erst wegen des Verdachts der Untreue, seit kurzem sogar wegen Betrugsverdacht. Außerdem sehen sich Gesellschafter und Beirat Vorwürfen ausgesetzt, schon länger von Bestechungsvorwürfen gewusst zu haben. Sportlich wirkt sich die Krise dagegen noch nicht aus. Ein einziger Punkt fehlt dem Handball-Rekordmeister zum Gewinn der 15. deutschen Meisterschaft. Am Sonntag im Topspiel beim TBV Lemgo kann der erste Titelgewinn schon fünf Spiele vor Saisonende perfekt gemacht werden - im Mai soll dann im DHB-Pokal und in der Champions League die sportliche Krönung einer in allen Belangen außergewöhnlichen Saison erfolgen.

Tim Schulze mit Agenturen

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