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Bewerber Salzburg: 'Der Klang des Wintersports'

Salzburg setzt auf grenzübergreifende Sportstätten, Mozart und den Charme Österreichs. Da viele IOC-Mitglieder jedoch lieber die Sommerspiele 2012 in Europa haben möchten, hat Salzburg aus taktischer Sicht schlechte Karten.

Salzburg setzt bei seiner Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2010 auf den kleinen Grenzverkehr. Mit der Kunsteisbahn am Königssee erhofft sich Österreichs Kandidat einen Vorteil gegenüber den Konkurrenten aus Pyeonchang (Südkorea) und Vancouver (Kanada), die bislang noch keine fertige Bob- und Rodelbahn präsentieren können. Bei der Vergabe durch die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am 2. Juli in Prag soll aber nicht nur die Kunsteisrinne im benachbarten Bayern den Ausschlag für die dritten Winterspiele in Österreich nach Innsbruck 1964 und 1976 geben.

Mit Mozart und Maier bedient sich Salzburg der berühmtesten Söhne von Stadt und Region als Werbeträger. Geradezu unausweichlich wurde um Wolfgang Amadeus Mozart das Bewerbungskonzept gestrickt. Der Slogan 'The Sound of Winter Sports' soll die Synthese aus Musik und Wintersport symbolisieren. Auch die im März angereiste IOC- Evaluierungskommission bescheinigte eine "starke Verbindung von Sport und Kultur" und schwärmte von möglichen Eröffnungs- und Schlussfeiern mit "sehr attraktivem Blick auf die Festung Hohensalzburg".

Hermann Maier und Ralf Schumacher werben auch

Österreichs Ski-Held Hermann Maier fungiert als Botschafter der Kandidatur. In dessen Heimatort Flachau sollen die alpinen Damen Slalom und Riesenslalom fahren. Der Doppel-Olympiasieger von 1998 führt eine lange Liste internationaler Sportstars an, die sich für Salzburg aussprechen. Neben Skispringer Adam Malysz (Polen) oder Riesenslalom-Weltmeister Bode Miller (USA) wirbt auch Formel-1-Pilot Ralf Schumacher für seine Wahlheimat.

Auch Georg Hackl ist von Salzburgs 8,21 Millionen Euro teuren Bewerbung überzeugt und gehört wie die Ski-Legenden Annemarie Moser- Pröll und Toni Sailer zur Salzburg-Delegation in Prag. "Die Bahn am Königssee ist eine der besten der Welt. Für unsere Region wären die Spiele ganz wichtig", sagte der dreimalige Rodel-Olympiasieger. Auf seiner Hausbahn am Königssee wird Hackl - dann 44-Jährig - jedoch kaum mehr antreten.

Zuletzt zeigte sich Hackl verwundert über Spekulationen, wonach Salzburg wegen Leipzigs Bewerbung für Olympia 2012 nicht mit deutschen Stimmen rechnen könne. Die vielen europäischen Bewerber für die übernächsten Sommerspiele könnten tatsächlich aus taktischen Gründen den Ausschlag für das ohnehin favorisierte Vancouver geben.

Streif und Bischofshofen als Zugpferde

Die Evaluierungskommission erstellte keine Rangliste, ließ aber durch die Wortwahl eine Präferenz für die Kanadier erkennen. Salzburg erzielte mit einem Budget von rund 900 Millionen Euro in der technischen Bewertung jedoch auch gute Noten und kann gerade auf seine namhaften Sportstätten bauen. Die alpine Abfahrt auf der 'Streif' von Kitzbühel oder das Skispringen im Vierschanzentournee-Ort Bischofshofen gelten als große Zugpferde.

Die Anzahl der Wettkampfstätten wurde kurzfristig von 15 auf 12 reduziert und somit ein Rat der Kommission befolgt. Die meisten Anlagen sind schon heute olympia-tauglich. Zudem überzeugten die IOC- Prüfer die hohen Umweltstandards. Kritisch wurde allerdings die eventuell nicht ausreichende Zahl an großen Hotels vermerkt.

KURZPORTRÄT

Einwohner:

180 000

Finanzierung:

Etat 901 Millionen Dollar (760 Millionen Euro). Zusätzliche Investitionen: 2,25 Milliarden Euro für Infrastruktur (1,73 Milliarden Euro für Unterkünfte, 320 Millionen Euro für Straßen und Eisenbahnen sowie 113,3 Millionen Euro für Sportstätten)

Schauplätze/Austragungsstätte:

Salzburg und Umgebung (Hallein, Rif, Schönau am Königssee/Deutschland), Region Amade (Bischofshofen, Radstadt/Altenmarkt, Flachau, Altenmarkt/Zauchensee), Kitzbühel. Elf Austragungsstätte, von denen fünf noch erbaut werden müssen (Eishockey-Halle in Salzburg, Eiskunstlauf/Short-Track-Halle in Hallein, Eisschnelllauf-Halle in Hallein/Rif, Normalschanze Bischofshofen sowie Stadion für Eröffnungs-/Schlussfeier und Zeremonien über der Salzach in Salzburg)

Olympisches Dorf:

In Salzburg-Nähe (Wals-Siezenheim), Sub-Dörfer in Kitzbühel und Radstadt/Altenmarkt

Olympia:

Winterspiele in Innsbruck (1964, 1976)

Chancen:

Vom IOC hinter Vancouver als Nummer zwei bewertet, hervorgehoben wird eine Reihe von "Weltklasse-Sportstätten". Stärke durch Verbindung Sport-Kultur. Beeinträchtigung durch sportpolitische Faktoren. Spiele 2006 finden bereits in Europa (Turin) statt; eine Reihe europäischer IOC-Mitglieder wird nicht Salzburg wählen, um die Austragung der Sommerspiele 2012 in Europa zu sichern.

Arne Richter / DPA

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