BOXEN Endstation Nervenheilanstalt


Graciano Rocchigiani am Tiefpunkt: Die Talfahrt führte ihn aus dem offenen Straf-Vollzug in Heiligensee vorübergehend in die Bonhoeffer-Nervenheilanstalt.

Ausgeboxt: Graciano Rocchigiani hat offensichtlich den vorläufigen Tiefpunkt seines Lebens erreicht. Die Talfahrt führte ihn aus dem offenen Straf-Vollzug in Heiligensee vorübergehend in die Bonhoeffer-Nervenheilanstalt, im Berliner Volksmund auch »Bonnys Ranch« genannt. Der geschlossene Vollzug in Tegel soll jetzt vorerst »Rockys« Endstation sein.

Als »gefährlich« eingestuft

Der 38-Jährige mit juristisch relevanter Vergangenheit sitzt seit 29. Januar wegen zahlreicher Verkehrs-Delikte. Eine Psychologin stufte Rocchigiani als »gefährlich« ein. Verbale Attacken gegen Mitgefangene bei einer Box-Übertragung im Fernsehen haben das Fass scheinbar zum Überlaufen gebracht. Die Handschellen klickten, der Boxer wurde in die Psychiatrie überwiesen.

Viele Rückschläge verkraftet

Sportlich und privat hatte Rechtsausleger Rocchigiani, alles andere als stromlinienförmig und leicht vermarktbar wie beispielsweise Henry Maske, viele Rückschläge zu verkraften. An vielen war er selbst schuld: Er prügelte sich mit Polizisten, lebt von seiner »großen Liebe« und Ehefrau Christine getrennt, hat eine uneheliche Tochter und wurde von Punktrichtern, Funktionären und Veranstaltern immer wieder hinters Licht geführt.

Fragwürdige Niederlagen

Die Schlaglichter seiner fragwürdigen Niederlagen waren die verlorenen WM-Kämpfe gegen Dariusz Michalczewski am 10. August 1996, Henry Maske (27. Mai 1995) und den Engländer Chris Eubank (5. Februar 1994). Sein letzter gewonnener WM-Titel gegen den Amerikaner Michael Nunn wurde ihm vor vier Jahren nach dem regulären Sieg am Grünen Tisch wieder abgenommen.

Millionen verprasst

Die Machenschaften nahmen den Sohn eines sardischen Eisenbiegers und einer Schöneberger Hausfrau, seit 1983 im Geschäft, erheblich mit. Auch die Millionen, die er zu Zeiten des Maske-Booms noch mitkassierte, konnten ihn nicht trösten oder besänftigen. Ohnehin sind sie inzwischen wohl verprasst.


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