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Einzelzeitfahren in Besancon: Klöden zieht an Basso vorbei

"Kannibale" Armstrong hatte wieder Hunger und gewann souverän das Einzelzeitfahren in Besancon. Andreas Klöden fuhr Ivan Basso davon und ist nun Zweiter in der Gesamtwertung. Jan Ullrich wird die Tour wohl als Vierter beenden.

Andreas Klöden fuhr auf den zweiten Platz im Gesamtklassement vor, Jan Ullrich reichte auch ein zweiter Platz im Zeitfahren hinter Lance Armstrong aber nicht mehr zum Sprung aufs Podium: Der 55 km lange Kampf gegen die Uhr am vorletzten Tag der Tour de France in Besancon brachte noch eine Veränderung an der Spitze des Gesamtklassements.

Armstrong vor Unsterblichkeit

Der uneingeschränkte und manchmal selbstherrliche Tour-Patron Armstrong holte sich am Samstag in 1:06,49 Stunden seinen sechsten diesjährigen Etappensieg, den Erfolg im Team-Zeitfahren mitgerechnet. Ihn trennen jetzt nur noch 163 km vom sicheren sechsten Gesamtsieg in Serie, womit er in der Tour- Historie einen bisher noch nicht besetzten Sonderplatz einnimmt. Der Rekord dürfte zumindest Jahrzehnte überstehen.

Packendes Duell Klöden gegen Basso

Ullrich half alles Strampeln nichts. Der Toursieger von 1997 (61 Sekunden zurück) wird die 91. Frankreich-Rundfahrt ohne Etappensieg auf dem vierten Platz beenden. Sein Teamkollege Klöden hatte dagegen noch Kraft für einen großen Paukenschlag. Der 29-jährige überholte als Tagesdritter (1:27 Minuten zurück) den vor ihm liegenden Italiener Ivan Basso und rückte vor dem Finale am Sonntag in Paris auf den zweiten Platz mit jetzt 6:38 Minuten Rückstand auf Armstrong vor. Basso erfüllte mit 1:09,39 Stunden am Samstag nicht ganz die in ihn gesteckten Erwartungen und unterlag Klöden in einem packenden Match.

Armstrong fährt wieder allen davon

Die noch 147 im Rennen befindlichen Fahrer (von 188 am 3. Juli in Lüttich gestarteten) hatten einen schwierigen Parcours mit leichten Steigungen zu bewältigen. Die ersten Starter mussten wegen Dauerregens zurückhaltender fahren. Am späten Nachmittag, als die Favoriten an der Reihe waren, schien wieder die Sonne. Armstrong hatte das Rennen schon nach der ersten Zeitnahme nach 18 km entscheiden. Der Texaner führte nach dem ersten Drittel bereits mit 43 Sekunden vor dem zweifachen Zeitfahr-Weltmeister Ullrich und 47 vor Klöden. Basso hatte die gleiche Zeit wie der deutsche Meister. Nach 35 km hatte Klöden die Hälfte seines Rückstandes auf Basso aufgeholt.

Heftige Kritik von Godefroot an Ullrich

T-Mobile-Manager Walter Godefroot hat Ullrich und dessen persönlichen Betreuer in französischen Zeitungen indes heftig kritisiert. "Talent allein reicht nicht", sagte Godefroot dem "Figaro". Zu Ullrichs persönlichem Berater Rudy Pevenage hätte Godefroot weder "professionell noch persönlich" Vertrauen. Der "L’Equipe" sagte der 61-jährige Belgier, der Ullrich im Vorjahr in sein Team zurückholte: "Der Professionalismus Erik Zabels und das Talent Ullrichs ergäbe zusammen einen Eddy Merckx". Ullrich fehle der nötige "Killerinstinkt", die nötige Einstellung, im Gegensatz zu Armstrong die "mönchische Hingabe" für die Tour.

Die Tour-Bilanz für die anspruchsvolle T-Mobile-Mannschaft fiel mit Rang zwei für Klöden und den mehr als Trostpreis empfundenen Sieg in der Mannschaftswertung mager aus.

Andreas Zellmer und Heinz Büse, dpa / DPA

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