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Eishockey DEL - Nürnberg bastelt an großer Zukunft


Die laufende Saison ist abgehakt, der Blick in Nürnberg geht längst nach vorne: Im kommenden Jahr wollen die Ice Tigers die Liga aufmischen. Macher Thomas Sabo bastelt an einer Mannschaft mit Meisterschaftsambitionen und plant ein Eishockeyspiel vor über 50.000 Zuschauern. Wir berichten über die Vorhaben der Franken.

Wieder verloren, doch so richtig interessiert das in Nürnberg mittlerweile niemanden mehr. Am Wochenende kassierten die Ice Tigers gegen Düsseldorf die 28. Niederlage im 41. Saisonspiel, aber das Stimmungsbarometer in der Franken-Metropole schlug kaum aus. Denn der Vorletzte der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hat die laufende Saison längst abgehakt.

Die Verantwortlichen legen ihr Augenmerk schon auf die kommende Saison. Boss Thomas Sabo, der Chef des gleichnamigen Schmuckherstellers und Geld- sowie Namensgeber des Clubs, hat ambitionierte Pläne. Die Vision: Das erste Freiluftspiel der DEL-Geschichte ausrichten. Antreten wollen die Ice Tigers dann mit einer Mannschaft, die um die Meisterschaft konkurrieren soll.

Mit neuen Mitteln nach oben

"Wir bauen ein Team auf, das in den Top Six mithalten kann", sagt Sabo, der durchblicken lässt, dass es gerne auch etwas mehr sein darf. Eine Saison wie diese soll es nicht noch einmal gegeben. "Das wird auf Dauer auch zu teuer", scherzt der Unternehmer. Über zehn Prozent Zuschauerrückgang musste der Club auf Grund der Talfahrt hinnehmen.

Dennoch konnten die Verantwortlichen den Schuldenabbau dank neuen Geldes von außerhalb weiter vorantreiben. "Eine komplette Entschuldung der GmbH zum Saisonende ist möglich", sagt Manager und Geschäftsführer Lorenz Funk jr. "In der DEL ist das sehr ungewöhnlich." Noch vor wenigen Jahren stand der Club vor dem finanziellen Aus.

Aber wer so ambitionierte Pläne hat, braucht eben vor allem eines: Geld. Und so soll der Etat merklich steigen, finanziert durch neue Sponsorengelder und einen weiteren Zuschuss von Sabo. "Das Budget für die Mannschaft wird angehoben", verrät Funk. Bisher rangieren die Ice Tigers mit einem Gesamtetat von knapp unter fünf Millionen Euro im Mittelfeld der Geldrangliste. Kürzlich präsentierten die Ice Tigers einen neuen Premiumsponsor (P u. P Gruppe Bayern), weitere Geldgeber sollen folgen.

Auf Beutezug in Düsseldorf

Mit den neuen Mitteln geht Funk, der ehemals als Profi die Schlittschuhe schnürte und über 500-mal in der DEL auflief, auf Beutezug. In der Liga wildern die Nürnberger bei Konkurrent Düsseldorf, dessen Zukunft auf Grund von finanziellen Problemen nach wie vor nicht geklärt ist. Mit Nationaltorjäger Patrick Reimer und Talent Marco Nowak sind bereits zwei Neuzugänge aus dem Rheinland bestätigt, weitere könnten folgen.

Evan Kaufmann, der kürzlich im Nationalteam debütierte, und sein Sturmkollege Connor James werden eng mit den Ice Tigers in Verbindung gebracht. Das Duo soll angeblich schon unterschrieben haben. "Wir hoffen, dass sie kommende Saison für uns spielen", kommentiert Funk und verriet: "beide werden Düsseldorf definitiv verlassen."

So richtig lässt sich Funk noch nicht in die Karten schauen. In vertrauten Kreisen soll er aber bereits durchblicken lassen haben, dass auch ein oder zwei Neuzugänge aus dem Ausland bereits in Franken unterzeichnet haben. Erst kürzlich war der Manager auf großer Scouting-Tour in Nordamerika und Schweden.

Top-Scorer bleibt, Trainer soll kommen

Ein weiterer Coup gelang Funk im eigenen Lager. Mit der Vertragsverlängerung von Top-Scorer Yan Stastny (29 Punkte in 30 Spielen), der mehrere hoch dotierte Angebote aus dem Ausland ausschlug, steht einen weiterer Eckpfeiler des neuen Teams fest. "Er wird einer unserer Schlüsselspieler sein“, kommentiert Funk. Neben Stastny bleiben bisher nur Jame Pollock, Eric Chouinard, Vitalij Aab und Ryan Bayda, sowie die Nachwuchshoffnungen Yasin Ehliz, Andreas Jenike und Tim Schüle.

"Alle anderen haben noch die Chance, sich für einen Vertrag zu empfehlen", sagt Sabo, wenngleich das wohl auf die wenigsten wirklich zutreffen dürfte. Selbst Torhüter Patrick Ehelechner, der oft zu den besseren gehörte, könnte den Nürnbergern den Rücken kehren. Denn der Verein lässt sich in dieser Personalie viel Zeit.

Manager Funk, der in Nürnberg wegen seiner verfehlten Personalpolitik im vergangenen Sommer nicht unumstritten ist, möchte diese Schlüsselposition mit dem neuen Trainer absprechen. Noch steht Peter Draistail hinter der Bande in der Verantwortung, sein Abgang ist jedoch ausgemachte Sache.

Der Favorit auf seine Nachfolge kommt dem Vernehmen nach auch aus Düsseldorf. Jeff Tomlinson reiste bereits zu Gesprächen nach Nürnberg. Unterschrieben sei nichts, so Funk. Tomlinsons Kommentar: "Ich bin nicht Nürnbergs einzige Option", und deutet damit an, dass die Ice Tigers noch weitere Kandidaten in der Hinterhand haben.

Freiluftspektakel geplant

Wer auch immer den Chefposten einnehmen wird, er könnte in der kommenden Saison einer DEL-Premiere beiwohnen. Denn Visionär Sabo plant ein Freiluftspiel im Frankenstadion, in dem sonst die Fußballer der "Clubberer" kicken. "Wir haben konkrete Pläne", sagt Sabo, der das Spektakel, das Anfang Januar 2013 steigen soll, geradezu herbeisehnt. Vorbild ist die NHL, in der seit Jahren regelmäßig die "Winter Classics" stattfinden.

Aber auch in Deutschland gibt es Erfahrungen: Bei der WM 2010 spielte die Nationalmannschaft vor fast 80.000 Zuschauern in der Arena auf Schalke. In Nürnberg würden weit über 50.000 ins Stadion passen, Sabo schreckt das nicht ab. "Wer mich kennt, der weiß, dass es nur ein Ziel gibt“, und das heißt: ausverkauft. Zu den Heimspielen der Nürnberger verirren sich sonst kaum mehr als 4.000 Zuschauer.

Noch sind viele Fragen ungeklärt, die Stadt äußert sich bisher zurückhaltend, wenngleich sie generell ihre Unterstützung signalisiert. Rückendeckung bekommt Sabo aber sonst von allen Seiten. "So ein Event steht schon lange auf unserer Wunschliste", sagt Liga-Chef Gernot Tripcke.

Auch aus Mannheim, das womöglich als Gast dabei sein wird, gibt es Lob: "Das ist eine Super Sache. Alles was unser Sport in die Öffentlichkeit bringt, hat es verdient, unterstützt zu werden", sagt Adler-Clubchef Daniel Hopp, der bereit ähnliche Pläne hatte, diese jedoch verwarf, weil der Bundesliga-Spielbetrieb im Sinsheimer Stadion, Heimat von 1899 Hoffenheim, gefährdet gewesen wäre.

Wer den Visionär Thomas Sabo kennt, der weiß, dass er sein Vorhaben ernst meint und es mit Herzblut verfolgen wird. Seine leidenschaftliche Art hat Neuzugang Patrick Reimer begeistert: "Er steht voll zu dem Verein und hat ein gutes Konzept." Das hat auch seinen zukünftigen Kollegen Yan Stastny überzeugt: "Hier geht alles in die absolut richtige Richtung."

Daniel Pietzker

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