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Eishockey: DEL-Bilanz zum Jahreswechsel

Wer hätte gedacht, dass Hamburg zum Jahreswechsel plötzlich zum Favoritenkreis zählt? Oder dass Nürnberg abgeschlagen am Tabellenende herumdümpelt? Wir ziehen eine erste Bilanz und wagen eine Prognose für das kommende Jahr.

Thomas Sabo Ice Tigers: Abgehakt

Der Vizemeister von 2007 fristet nach wie vor ein trauriges Dasein am Tabellenende. Zwar konnten die Ice Tigers dank eines relativ guten Dezembers (fünf Siege) den Rückstand zum Vorletzten Hannover auf fünf Punkte verringern, dennoch scheinen die Nürnberger selbst die Saison bereits abgehakt zu haben. Die Gedanken von Gesellschafter Thomas Sabo drehen sich schon voll und ganz um die nächste Spielzeit. Dann wolle man mit einer Spitzenmannschaft unter die Top Sechs, so Sabo. Das wird den Schmuckhersteller einiges kosten. Schon die 20 Prozent Zuschauer Rückgang in dieser Saison haben ein Loch in die finanzielle Planung geschlagen.

Bilanz: eine erschütternde Saison, immerhin mit zuletzt leichtem Aufwärtstrend.

Prognose: Nürnberg kommt nicht mehr in die Nähe der Pre-Playoffplätze.

Hannover Scorpions: Abgestürzt

Düstere Zeiten beim Überraschungsmeister von 2010. Zwei Jahre nach dem großen Triumph könnte es in der niedersächsischen Landeshauptstadt erstmals seit 2005 nicht für die Endrunde reichen. Das Team von Trainer Toni Krinner startet durchwachsen in die Saison und stürzt mittlerweile ins Bodenlose ab. Seit Anfang November konnten die Scorpions von nur drei (!) von sechzehn Partien gewinnen. Viel zu wenig, um auch nur von den Pre-Playoffs zu träumen. Große Hoffnung auf eine Kehrtwende gibt es nicht.

Bilanz: Auf den Holper-Start folgte der Absturz, der wenig Hoffnung für den Rest der Saison macht.

Prognose: Hannover kriegt die Kurve nicht mehr und streitet sich am Ende mit Nürnberg um die rote Laterne.

Augsburger Panther: Abgelegt

Das Jahr 2010 wird ein Ausnahmejahr für die Panther bleiben. Damals feierte Trainer Larry Mitchell mit seinem Titel die Vizemeisterschaft. Die Augsburger Anhänger machten sich Hoffnung, dass es unter Mitchell auch zukünftig regelmäßig Playoff-Eishockey in der Fuggerstadt geben würde. Doch nach dem letzten Platz im Vorjahr krebsen die Panther auch in dieser Saison wieder im Tabellenkeller herum und haben ihren Ruf als Überraschungsteam endgültig wieder abgelegt. Nüchtern betrachtet darf man bei dem Mini-Etat der Augsburger auch nicht mehr erwarten, immerhin ist der AEV noch in Schlagdistanz zu den Pre-Playoff-Plätzen.

Bilanz: Kämpferisch top, allein die Klasse für mehr fehlt – der Tabellenrang ist dem Etat entsprechend.

Prognose: Mit Ach und Krach könnte es noch für die Pre-Playoffs reichen. Dafür muss es aber optimal laufen. Ansonsten sind die Panther in der Endrunde erneut nur Zuschauer.

Iserlohn Roosters: Abgerutscht

Heißer Playoff-Anwärter oder gar Geheimfavorit auf den Titel? Die Roosters wurden im Sommer mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Und auch die Verantwortlichen schürten mit ihren Aussagen die Erwartungen. Doch die enorme Aufstockung des Etats um über eine Million Euro trägt bisher keine Früchte. Zwar ließ sich die Saison gut an, doch mit zunehmender Spielzeit rutschte der IEC immer weiter in altbekannte Tabellengefilde ab. Als Elfter trennen Iserlohn mittlerweile neun Punkte von der direkten Playoff-Qualifikation, Tendenz zunehmend. Im Dezember verlor Doug Masons Team sechs von acht Spielen.

Bilanz: Bei den Zielen der Iserlohner ist der bisherige Saisonverlauf enttäuschend.

Prognose: Die Pre-Playoff sollten es werden, mehr erscheint immer unwahrscheinlicher. Von der Position als Geheimfavorit müssen sich die Sauerländer verabschieden.

Krefeld Pinguine: Abgewartet

Rick Adduono hat das Talent aus dem Low-Budget-Team der Krefelder immer wieder das Optimum rauszuholen, auch wenn der vierte Platz der Vorsaison diesmal außer Reichweite ist. Der zehnte Tabellenrang gibt das Leistungsvermögen der Rheinländer ziemlich gut wieder. Wobei den KEV in dieser Saison immer wieder Verletzungssorgen plagten. Nirgendwo wurde die Rückkehr der Leistungsträger so sehnsüchtig abgewartet wie in Krefeld. Kapitän Herberts Vasiljevs ist gerade erst in die Mannschaft zurückgekehrt. Das wird dem Team helfen, sich zu stabilisieren.

Bilanz: Mehr durften die KEV-Fans kaum erwarten, eine Saison, die dem Leistungspotenzial der Mannschaft entspricht.

Prognose: Die Pre-Playoffs sind realistisch, mehr ist in der Hauptrunde nicht drin. Von da an sind Adduonos Fähigkeiten gefragt.

EHC München: Abgeschwächt

Der Aufsteiger des vergangenen Jahres schaffte damals auf Anhieb den Sprung in die Pre-Playoffs. Mit Rang neun sind die Münchener auf einem ähnlichen Kurs wie in der Vorsaison. Doch der Trend zeigt seit Wochen abwärts, die Bilanz in den Monaten November und Dezember ist mit sechs Siegen aus fünfzehn Spielen mehr als durchwachsen. Ohne die spielentscheidenden Aktionen von Leader Eric Schneider stünde das Team von Trainer Pat Cortina womöglich schon weiter unten. Hoffnung geben die Auftritte zum Jahresende. Mit drei Siegen aus den letzten vier Spielen scheint der EHC den Abwärtstrend langsam zu stoppen. Dennoch: Die Erwartungen sind spürbar abgeschwächt.

Bilanz: Der Start war zufriedenstellend, seitdem stottert der Motor. Insgesamt durchwachsen.

Prognose: Die Konkurrenz ist größer geworden, der EHC verpasst den Einzug in die Pre-Playoffs.

DEG Metro Stars: Abgelehnt

Die Spielzeit der Düsseldorfer sah lange Zeit aus wie eine Kopie der Vorsaison. Erst miserabel gestartet, dann dank langer Siegesserie wieder ganz vorne dabei. Doch statt sich wie im letzten Jahr oben zu etablieren, folgte heuer der erneute Absturz. Sieben der vergangenen neun Spiele gingen verloren. Dazu die Ängste um die Zukunft des Vereins, nachdem die Metro ein weiteres finanzielles Engagement abgelehnt hat. Ob der Club im nächsten Jahr noch in der DEL spielt, ist weiter ungewiss. Womöglich überträgt sich diese Unruhe auch auf die Spieler, von denen bereits einige mit anderen Klubs verhandeln. Die Klasse für mehr als Platz Acht hat das Team zweifelsohne, das hat die fulminante Siegesserie im Oktober und November gezeigt.

Bilanz: Zwischen Hoffen und Bangen und Hoch und Tief. Die DEG blieb bisher hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Prognose: Die DEG springt noch einmal nach oben und qualifiziert sich direkt für die Playoffs.

Kölner Haie: Abgewehrt

Uwe Krupp kommt mit seiner neuen Rolle als Chefcoach eines DEL-Vereins gut zurecht und darf mit dem Saisonverlauf der Kölner sicherlich zufrieden sein. Mit Rang sieben hat der ehemalige Nationaltrainer die Möglichkeiten des Haie-Kaders gut ausgeschöpft. Seit Saisonbeginn befindet sich der KEC konstant im Bereich der Pre-Playoffplätze und schielt mittlerweile auch auf den sechsten Platz, der nur noch drei Punkte weit entfernt ist. Im Angriff fehlt den Haien nach wie vor die Durchschlagskraft. Nur die drei Tabellenletzten erzielten weniger Tore als die Kölner (72).

Bilanz: Mehr Licht als Schatten, der Absturz ins Bodenlose ist abgewehrt.

Prognose: Die Pre-Playoffs dürften auf keinen Fall in Gefahr sein, dafür spielen die Haie zu konstant. Für mehr reicht es aber wohl auch nicht, dafür müsste schon vieles zusammenkommen.

Straubing Tigers: Abgesetzt

Die Stimmung am Straubinger Pulverturm war lange Zeit bescheiden, spielten die Tigers in den ersten Wochen der Saison doch wieder nur im Tabellenkeller mit. Dabei wollen die Straubinger Verantwortlichen 2012 endlich die erste Playoff-Teilnahme der sechsjährigen DEL-Geschichte feiern. Die Chancen darauf haben sich im Saisonverlauf in der Tat immer weiter verbessert. Mit neun Punkten haben sich die sechsplatzierten Tigers nun schon vom elften Rang abgesetzt - ein ordentliches Polster. Die Ausbeute im Dezember war mit fünf Siegen in acht Spielen zufriedenstellend und würde ausreichen, um einen einstelligen Tabellenplatz auf alle Fälle zu verteidigen.

Bilanz: Die guten Resultate zum Jahresende lassen die Gesamtbilanz positiv ausfallen.

Prognose: Zwar geht es für Straubing wieder eins, zwei Plätze abwärts, die Pre-Playoffs werden diesmal aber erreicht.

Grizzly Adams Wolfsburg: Abgeschliffen

Die Grizzly Adams vertreten zurzeit die deutschen Fahnen beim Spengler-Cup in Davos, nachdem im Vorjahr kein Team aus Deutschland dabei war. Bange sein muss einem dabei nicht, die Wolfsburger spielen erneut eine hervorragende Saison. Der Vorrundenprimus und Vizemeister des Vorjahres überzeugt erneut mit schnellem und geradlinigem Spiel, angeführt von Nationalspieler Kai Hospelt, dem Top-Scorer der Liga. Die Wolfsburger haben den Abgang von Torjäger Ken Magowan gut kompensiert, auch wenn sich die ganz großen Ambitionen etwas abgeschliffen haben.

Bilanz: Trainer Pavel Gross darf trotz zwischenzeitlicher Unmutsbekundungen zufrieden sein mit dem Saisonverlauf.

Prognose: Wolfsburg ist stark genug, um sich direkt für die Playoffs zu qualifizieren. Das Erreichen des Finales wird indes schwer zu wiederholen sein.

Hamburg Freezers : Abgeschüttelt

Die Hamburger haben ihr Loser-Image abgeschüttelt und sind eines der Überraschungsteams der DEL. Doch zuletzt lief es nicht mehr so rund bei der Mannschaft von Benoit Laporte. Sechs Niederlagen aus neun Spielen im Dezember bedeuten: schwächster Freezers-Monat der Saison. Die nominellen Leistungsträger wie Schubert, Aubin und Collins sind oft abgetaucht, das konnte auch die Vorzeigereihe Wolf, Festerling, Flaake nicht immer wettmachen. Laporte muss seinen Stars wieder Leben einhauchen, sonst könnte der Abwärtstrend am Ende sogar das Verpassen der direkten Playoff-Qualifikation bedeuten.

Bilanz: Trotz der schwachen Resultate zuletzt fällt das Gesamtfazit bisher überaus erfreulich aus.

Prognose: Die Freezers sind zurzeit schwer einzuschätzen. Dank der guten Ausgangsposition sollte die direkte Playoff-Qualifikation aber erreicht werden.

ERC Ingolstadt: Abgeklärt

Nach dem Viertelfinal-Aus im März soll es für die Ingolstädter Panther diesmal mehr werden. Schon oft war der ERC mit großer Hoffnung und vielen Vorschusslorbeeren in eine Saison gestartet, um dann am Ende den hohen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Diese Spielzeit scheint das anders zu sein. Nur zwei Punkte trennen die Ingolstädter von der Tabellenführung. Nach einem Einbruch sieht es bisher nicht aus, die erfahrene und abgeklärte Truppe von Rich Chernomaz hat bisher allen Unkenrufen wegen ihres Alters getrotzt. Als Geheimfavorit auf den Titel dürfen die Panther mittlerweile sicherlich gehandelt werden.

Bilanz: Stark, sogar überraschend stark. Eine fast perfekte Saison bisher für den ERC.

Prognose: Es gibt wenig Anzeichen, dass sich an der guten Tabellensituation etwas ändern sollte. Die Erfahrung könnte auch in den Playoffs zum Pluspunkt werden.

Eisbären Berlin: Abgewichst

Fünf Meistertitel in sieben Jahren und auch in dieser Saison wieder ganz oben dabei. Die Konstanz der Eisbären ist bemerkenswert. Nach verhaltenem Saisonstart sind die Berliner von Trainer Don Jackson in der Spitzengruppe angekommen und kurz davor, den Mannheimern die Tabellenführung zu entreißen. Die Eisbären sind mit acht Siegen aus den letzten neun Partien das Team der Stunde in der DEL. Kein anderes Team spielt so „abgewichst“ wie Felski und Co. Den Eishockey-Fans bleibt zu wünschen, dass die anderen Top-Teams wie Mannheim und Ingolstadt dem Hauptstadt-Klub weiterhin Paroli bieten können. Sonst droht der nächste Berliner Titel. Für die Eisbären ein lohnendes Ziel, denn damit wären sie alleiniger Rekordmeister.

Bilanz: Enorm stark zuletzt, insgesamt erwartungsgemäß wieder sehr gut.

Prognose: Keine Frage, die Eisbären landen in der Hauptrunde ganz oben und werden auch danach nur schwer zu stoppen sein.

Adler Mannheim: Abgehoben

Endlich eine Mannschaft mit Charakterstärke, wie sich die Mannheimer Fans sich das seit Jahren wünschen. Die Adler haben sich als Spitzenteam etabliert und scheinen zum nächsten Titelanflug abgehoben zu haben. Als erstes Team konnte der MERC die 100-Tore-Marke knacken. Noch sind die Fans in Rhein-Neckar aber skeptisch, der Zuschauerschnitt bleibt weiterhin unter dem der schwachen Vorsaison (Aus im Viertelfinale) zurück. Mittlerweile bestehen aber kaum mehr Zweifel, dass die Adler über die Saison hinweg zu den Spitzenmannschaften gehören werden. Mit Niko Dimitrakos hat sich der Klub zudem noch einmal verstärkt. Der erste Meistertitel seit 2007 ist realistisch.

Bilanz: Eine sehr starke Saison, die selbst die optimistischsten Prognosen übertrifft.

Prognose: Die Adler bleiben in der Hauptrunde weit oben. Ob die Mannschaft letzten Endes genug Klasse für ein Duell mit den Eisbären hat, ist noch schwer einzuschätzen.

Daniel Pietzker

sportal.de / sportal

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