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Eisschnelllauf: "Ich wollte eine Goldmedaille"

Am Ende hatte Claudia Pechstein die Nase vorne: Beim 3000 Meter-Duell im Eisschnelllauf konnte sie ihre Rivalin Anni Friesinger besiegen und holte Gold.

Erst ballte sie die Siegerfaust, dann gab es ein Küsschen in die TV-Kameras: Claudia Pechstein hat in einem packenden Duell ihre Rivalin Anni Friesinger auf der Zielgerade bezwungen und am Samstag in Seoul zum zweiten Mal nach 2000 den WM-Titel über 3000 m gewonnen. Mit ihrem ersten Sieg im direkten Vergleich gegen die Inzeller Titelverteidigerin erkämpfte die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin aus Berlin ihre Vormachtstellung auf dieser Distanz zurück, die sie im Vorjahr bei der WM in ihrer Heimatstadt an Friesinger verloren hatte. Die 3000 m bleiben damit die "deutsche Strecke": Es war bei der achten Einzelstrecken-Weltmeisterschaft der achte Doppel-Erfolg der deutschen Damen.

"Ich widme das Gold meinem Trainer"

"Ich wollte eine Goldmedaille, die habe ich jetzt im Sack. Alles was jetzt noch kommt, werden wir am Sonntag bei den 5000 m sehen", meinte die 32-jährige Weltcupsiegerin nach einem taktisch klugen Rennen. "Ich widme das Gold meinem Trainer", fügte sie mit Grüßen an ihren gerade an der Hüfte operierten Coach Joachim Franke hinzu. Bei ihrem insgesamt sechsten WM-Sieg wurde die erfolgreichste Winter- Olympionikin Deutschlands vom Erfurter Stephan Gneupel betreut, der nur Worte des Lobes für seinen "Ersatz-Schützling" fand: "Sie hat die Taktik glänzend umgesetzt und ihren Vorteil in der letzten Kurve prima ausgespielt. Aber die Grundlagen hat Claudia schon vor zwei Wochen in Heerenveen gelegt, als sie auf beiden Distanzen Selbstbewusstsein tankte."

Ergebnisse, 3000 Meter Damen

1. Claudia Pechstein (Berlin)

4:13,46 Min

2. Anni Friesinger (Inzell)

4:13,85

2. Gretha Smit (Niederlande)

4:13,85

4. Clara Hughes (Kanada)

4:13,98

5. Gunda Niemann-Stirnemann (Erfurt)

4:15,50

6. Kristina Groves (Kanada)

4:17,09

In 4:13,46 Minuten hatte die Hauptstädterin die Bestzeit von Gretha Smit vor allem dank der Schlussattacke noch unterboten, Anni Friesinger kam zeitgleich mit der Niederländerin in 4:13,85 auf den Silberrang und feierte Platz zwei wie einen Sieg: "Dieses Silber glänzt für mich fast wie Gold, weil ich vor zwei Wochen noch vier Sekunden Rückstand hatte. Jetzt waren es nur noch vier Zehntel. Es war ein ganz heißer Fight, das tut der Seele gut", meinte die Inzellerin, die tags zuvor über 1500 m das 25. Gold für deutsche Eis- Ladies bei Einzelstrecken-WM erkämpft hatte.

WM der Peinlichkeiten

Während sich die Serie von Peinlichkeiten bei der WM auch am Samstag fortsetzte und ein Eisproblem zu einer halbstündigen Unterbrechung führte, sorgten diesmal auf den Rängen wenigstens drei Dutzend Niederländer und einige Lehrer einer deutschen Schule in Seoul für ein wenig Atmosphäre. "Ich fühle mich nicht wie bei einer WM", gab Weltmeisterin Pechstein unumwunden zu und beklagte das schlechte Eis: "Zehn Sekunden langsamer als in Heerenveen, das sagt doch alles über diesen Acker."

Über 500 m konnte Monique Garbrecht-Enfeldt ihren Titel nicht verteidigen. "Das Fundament fehlte, da ist das Haus zusammengekracht", meinte die Berlinerin enttäuscht nach Rang sieben. Ein Knie-Verletzung hatte sie zu Saisonbeginn zu einer dreimonatigen Zwangspause verurteilt, die fehlenden Grundlagen machten sich in der Stunde der Entscheidung bemerkbar. "Nach jeder schlechten Saison kommt auch wieder eine gute", sagte sie. Fast wäre Jenny Wolf eingesprungen und hätte ihre erste WM-Medaille erkämpft. Doch nach Platz zwei im ersten Lauf (39,11) fehlte der Berlinerin die Kraft, noch einmal nachzulegen. Nach 39,24 wurde sie mit 3/100 Sekunden Rückstand auf Platz drei Vierte. Überlegen erkämpfte Weltcupsiegerin Manli Wang mit zwei Mal Bestzeit in 38,65 und 38,23 den zweiten WM- Titel für China.

Debakel für Holland

In der einzigen Herren-Konkurrenz des Tages fand das Debakel der Niederländer seine Fortsetzung: Der Amerikaner Shani Davis düpierte die Oranje-Favoriten mit seinem 1500-m-Sieg in 1:48,64 Minuten und avancierte zum ersten farbigen Weltmeister der über 100-jährigen Eisschnelllauf-Historie. Für Weltcupsieger Mark Tuitert und Sprint- Weltmeister Erben Wennemars blieben nur die Ränge zwei und drei. Jan Friesinger (Inzell) wurde in 1:51,62 Zehnter.

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