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French Open: Kohlschreiber macht das Debakel perfekt

Tiefpunkt für das deutsche Tennis: Bei den French Open sind sind auch Michael Zverev und Philipp Kohlschreiber in der ersten Runde gescheitert. Einzig Sabine Lisicki sorgte mit ihrem Sieg für einen Lichtblick.

Auch der letzte Trumpf des deutschen Herren-Tennis hat nicht gestochen. Hoffnungsträger Philipp Kohlschreiber ging in der ersten Runde der French Open mit 3:6, 4:6, 3:6 gegen den Schweizer Stanislas Wawrinka unter und machte am Dienstag das Fiasko beim wichtigsten Sandplatz-Turnier der Welt perfekt.

"Ich habe irgendwie die Seuche"

"Vielleicht ist der Druck zu groß gewesen. Ich habe momentan irgendwie die Seuche", sagte der 24 Jahre alte Augsburger, der als siebter deutscher Tennisspieler ausschied und damit auch die Norm für die Olympischen Spiele verpasste. Wenige Minuten zuvor war Mischa Zverev mit 1:6, 4:6, 2:6 an dem Chilenen Paul Capdeville gescheitert.

Für eine große Überraschung sorgte am Abend Sabine Lisicki, die sich nach dreistündiger Regenunterbrechung in ihr Match gegen Jelena Wesnina zurückkämpfte und die in der Weltrangliste 38 Plätze besser eingestufte Russin noch mit 3:6, 6:4, 6:0 besiegte. Damit besserte die 18 Jahre alte French-Open-Debütantin die deutsche Bilanz bei den Damen ein wenig auf, nachdem zuvor Martina Müller, Sandra Klösel und Angelique Kerber bei dem Sandplatz-Turnier gescheitert waren.

Mit dreistündiger Verspätung wurden gegen 14 Uhr die ersten Spieler auf die Plätze geschickt, darunter Kohlschreiber, Lisicki und Zverev. Nur knapp anderthalb Stunden später war es dann aber zunächst wieder vorbei und die grünen Plastikplanen wurden erneut über die Courts gezogen. Als alles schon mit einer kompletten Verschiebung auf Mittwoch rechnete, wurden die Spieler wieder auf die Plätze zu geschickt - doch Kohlschreiber konnte die Pleite nicht mehr abwenden.

Mit einem 0:2-Satzrückstand war der Davis-Cup-Profi in die fast dreistündige Regenpause geflüchtet, an seiner schwachen Leistung gegen die Nummer zehn der Welt änderte sich aber auch danach nichts mehr. "Ich hatte heute keine Chance und war einfach zu ungefährlich", sagte Kohlschreiber. Die Chance zur Aufpolierung der Bilanz hatten noch Benjamin Becker (gegen Michail Juschni) und Daniel Brands (gegen Dmitri Tursunow) - standen gegen die Russen aber vor schweren Hürden.

Überraschung durch Lisicki

Deren Kollegen Rainer Schüttler, Michael Berrer & Co. haben die französische Hauptstadt längst verlassen. Nicolas Kiefer, Thomas Haas und Florian Mayer waren erst gar nicht zum zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres gereist. Bei den Damen sah es nicht viel besser aus - bis Lisicki kurz nach 19 Uhr der große Coup gelang. Martina Müller, die eigentlich als beste deutsche Sandplatz-Spielerin gilt, Sandra Klösel und Angelique Kerber waren in Runde eins gescheitert.

"Das Abschneiden hat sich ans Wetter angepasst", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner - bevor sie von ihrer Fed-Cup-Spielerin Lisicki überrascht wurde. Vor allem Müller, im April 2007 noch die Nummer 33 der Welt und mit Abstand beste deutsche Spielerin, enttäuschte beim 0:6, 4:6 gegen die Italienerin Karin Knapp. "Wenn man so in der Weltrangliste durchgereicht wird, ist das auch irgendwann eine Frage des Selbstvertrauens", meinte Rittner.

Wie verwandelt aus der Regenpause

Am Zaun des kleinen Nebenplatzes Nummer neun verfolgte die Fed- Cup-Teamchefin Lisickis Spiel. Die 18-Jährige, die bei den Australian Open Anfang des Jahres mit dem Erreichen der dritten Runde für Furore gesorgt hatte, stand bei ihrem French-Open-Debüt zunächst bis zur Regenpause völlig neben sich. "Sie ist hypernervös", meinte Rittner, bevor Sabine Lisicki erlöst wurde, ihre Tasche schulterte und flüchtete. Im Gegensatz zu Kohlschreiber kam die blonde Modell-Athletin mit dem Pferdeschwanz wie verwandelt aus der Zwangspause und gestattete ihrer Gegnerin kein einziges Spiel mehr.

DPA / DPA

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