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Leichtathletik-WM: Gesa Felicitas Krause: Deutschlands cleverste Läuferin

So wohl überlegt wie sie ihre Erfolge erläuft, startete sie einst in ihre Karriere. Gesa Felicitas Krause ist eine der wenigen deutschen Läuferinnen von Weltklasse. Mit Bronze in Doha hat sie das erneut bewiesen. Ihr nächstes Ziel: eine Medaille bei Olympia.

Gesa Felicitas Krause feiert ihre Bronzemedaille bei der WM 2019 in Doha

Eine der wenigen deutschen Weltklasseläuferinnen: Gesa Felicitas Krause bejubelt ihre Bronze-Medaille über 3000 Meter Hindernis bei der Leichtathletik-WM in Doha.

AFP

Der Stolz über ihre Leistung war Gesa Felicitas Krause nach ihrem Bronze-Lauf bei der Leichtathletik-WM in Doha am späten Montagabend deutlich anzumerken. Über 3000 Meter Hindernis holte sie die erste deutsche Medaille und das zudem in deutscher Rekordzeit (9:03,30 Minuten) über die Strecke. Zusätzlich geadelt worden war die 27-Jährige zuvor schon von der Vereinigung europäischer Athleten: "Gesa Felicitas Krause ist die erste Athletin, die fünf Welt-Finalläufe über 3000 Meter Hindernis erreicht hat", retweetete die Frankfurterin einen anerkennenden Post der Organisation. Dass die bloße Final-Teilnahme der ehrgeizigen jungen Frau aber nicht reicht, zeigte sie dann im Rennen - und zwar in der für sie typischen(taktisch-) klugen Art und Weise.

Sehen Sie hier den kompletten Lauf von Gesa Felicitas Krause zu WM-Bronze in Doha:

Diese Reflektiertheit zeigte Krause schon ganz zu Beginn ihrer Karriere. Zwölf Jahre ist es jetzt her, dass ihr aktueller Trainer Wolfgang Heinig die talentierte Läuferin vom TV Dillenburg nach Frankfurt lotste. Doch überlegt und reflektiert wie sie ist, griff Gesa Krause nicht sofort zu, gab sich die Zeit bis sie reif für den Schritt war und wagte den Wechsel in den Profisport erst mit 16 Jahren und nach Abschluss der 10. Klasse. Genau die richtige Entscheidung, wie sich längst gezeigt hat.

Seither gehört das Leben der gebürtigen Hessin dem Sport. Ihren Mädchentraum, einmal bei Olympia zu starten, hat sie sich bereits 2016 in Rio erfüllt – mit einem ausgezeichneten sechsten Platz im Endlauf über 3000 Meter Hindernis. Die Liste ihrer Erfolge ist lang: Zwei Mal WM-Bronze, zwei Titel und eine Bronzemedaille bei Europameisterschaften, Doppelgold bei Jugend-Europameisterschaften. Dazu Deutsche Rekorde und Anfang September der Weltrekord über die nicht-olympischen 2000 Meter. Die Olympischen Spiele in Tokio soll das nächste Highlight werden. Doch Gesa Felicitas Krause, mit dieser Bilanz eine der wenigen deutschen Weltklasseläuferinnen, will ihre Karriere auch danach fortsetzen – und zwar auf ihrer Paradestrecke.

Gesa Felicitas Krause: "Zwei Wochen nicht laufen"

"Auf jeden Fall!", sagte die 27-Jährige nach ihrem Erfolg auf die Frage, ob sie ihrer Disziplin auch bis zu den Sommerspielen 2024 in Paris treu bleibe. Der von Trainer Wolfgang Heinig ins Gespräch gebrachte Wechsel auf die Marathonstrecke scheint also kein Thema. Ohnehin freut sich Krause jetzt erstmal auf eine Auszeit. "Ich werde in den Urlaub fahren mit meinem Freund und freue mich einfach auf das, was andere Leute Leben nennen", erklärte die Ausdauerspezialistin, die für "Silvesterlauf Trier" startet. "Zwei Wochen nicht laufen, den Füßen und Gelenken mal eine Pause gönnen." 

Krause hat mit dem Erfolg im klimatisierten Khalifa-Stadion in Katars Hauptstadt ihren Erfolg von der WM 2015 in Peking bestätigt. Dabei lief sie den ersten Kilometer unter drei Minuten. "Das haben wir noch nie gemacht", erläuterte ihr Coach. Sehr schnell für Krause, die ihre Stärken eigentlich im Schlussspurt hat, wie sie in Doha wieder einmal eindrucksvoll bewies. Weltrekordlerin Beatrice Chepkoech lief dennoch ein einsames Rennen an der Spitze und siegte am Ende in 8:57,84 Minuten vor der Amerikanerin Emma Coburn (9:02,35). Krause lief klug hinter einer Sechsergruppe und überholte am Ende eine Konkurrentin nach der anderen. 

Bei Olympia trotz deutschem Rekord nur Fünfte?

Die Zeit bis Tokio wird mit vielen Höhentrainingslagern in den USA, Kenia, Südafrika und nächsten Sommer zwei Monate in der Schweiz gespickt sein. Der gesamte Weg bis Olympia ist also schon genau durchgeplant. "Natürlich gibt das heute Selbstvertrauen. Ich denke, das Niveau hat sich in den letzten Jahren stark verbessert und das wird auch nicht schlechter werden. Die altbekannten Gesichter werden auch im nächsten Jahr wieder da sein", sagte die zweifache Europameisterin zu ihren Olympia-Aussichten. Es gebe aber keine Garantie für eine Medaille. "Ich kann nächstes Jahr auch mit deutschem Rekord Vierte sein oder Fünfte." 

Krause hatte am letzten Wassergraben endgültig Kurs auf eine Medaille genommen, nachdem sie vor zwei Jahren bei der WM in London unverschuldet gestürzt war und nur Neunte wurde. "Mein Trainer hat mir oft ans Herz gelegt, dass hinten raus die Rennen entschieden werden. Ich bin einfach gerade mega glücklich", sagte sie strahlend. Gesa Felicitas Krause hat aber ebenso gelernt, sollte es wieder einmal so unglücklich laufen wie in London, "das dann auch so anzunehmen".

dho / gesa-krause.de / Ulrike John / DPA

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