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Handball Füchse-Manager Bob Hanning im Interview


Schon aus dem HSV hat Bob Hanning einen sehr erfolgreichen Verein geformt, nun ist er als Manager bei bei den Füchsen Berlin aktiv. Im Interview mit sportal.de erklärt der 43-Jährige, warum die Jugend wichtiger ist als die Champions League, wie der Transfer von Iker Romero zustande kam und in welchem Märchen er sich gerade befindet.

Seit 2005 ist Bob Hanning als Manager bei den Füchsen Berlin angestellt und ist Teil eines Teams, das sich stetig entwickelt hat. Nun spielt der Club aus der Hauptstadt erstmals in der Champions League und der Manager erklärt im Interview mit sportal.de, wie es mit den Füchsen weitergeht.

Sie haben 2005 das Angebot bekommen, in Berlin einen Handballverein aufzubauen. Zuvor haben sie dem HSV Handball praktisch das Leben eingehaucht. Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen beiden Werdegängen?

Bob Hanning: Das kann man so nicht miteinander vergleichen. Beim HSV war es ja so, dass wir einen insolventen Club übernommen haben, der aber schon ein Spielerpotenzial hatte und in der ersten Liga war. In Hamburg steckte auch eine gewisse Wirtschaftskraft hinter dem Verein. Im Grunde hat man einer Mannschaft, die total verunsichert war, nur neues Leben eingehaucht. Das Thema Berlin war schon anders. Es waren immerhin keine Schulden da bzw. wenige, da es keinen Etat gab, sportlich ging es aber eher in die Richtung Regionalliga. Das hat sich unglaublich positiv entwickelt und ist organisch gewachsen. In Hamburg war viel Geld im Spiel und es war alles auf einmal da. Es sind also zwei völlig verschiedene Aufgaben, die man so eigentlich auch nicht vergleichen kann.

In Berlin gibt es bereits die Hertha, dazu ALBA Berlin und die Eisbären. Wie konnten Sie das Publikum davon überzeugen, sich nun auch Handball anzusehen?

Bob Hanning: Es liegt natürlich an der Sportart und daran, dass wir hier die stärkste Liga der Welt haben – da will ich mich als Person nicht größer machen, als ich bin. Hier kann man die Weltstars Woche für Woche sehen – da muss man nicht viel erklären. Da liegt natürlich ein großer Vorteil.

Seit 2005/06 das Projekt Bundesliga startete hat sich viel getan. Über die Plätze zwölf und zehn wurde der Verein langsam entwickelt – viele Spieler kamen und gingen. Wie würden Sie die Zeit seit dem A ufstieg bis jetzt beschreiben?

Bob Hanning: Wie ein Märchen. Wir stehen momentan ganz oben und gefühlt gehören wir da nicht hin. Wenn man sich den Etat ansieht, stehen wir mehr im unteren Mittelfeld. Auf der anderen Seite sind gar nicht so viele Spieler gekommen und gegangen. Das hat sich in Grenze gehalten. Da sind wir auch organisch gewachsen. Bis zum letzten Jahr hatten wir mit Konrad Wilczynski, Markus Richwien, Mark Bult und Petr Štochl auch viele Spieler in unseren Reihen, die von Beginn an dabei waren. Das ist auch ein wenig das Geheimnis, dass die Leute sich hier an die Gesichter gewöhnen können und dass wir auf Kontinuität sowie Ruhe setzen - und eben nicht auf das Geld und den kurzfristigen Erfolg. Ich habe immer gesagt, dass für uns die Nachhaltigkeit sehr wichtig ist und auch weiterhin junge Leute aus dem Nachwuchsbereich in unserer Mannschaft spielen. Falls uns das die Teilnahme an der Champions League kosten sollte, dann ist das halt so. Es wird trotzdem so passieren, ohne Wenn und Aber.

Sie haben es schon angesprochen, die HBL ist die stärkste Liga der Welt. Die Manager müssen den Spagat schaffen, eine Brücke zwischen Superstars und Jugend zu bauen. Gerade aus der Nationalmannschaft kam immer der Vorwurf, die Jugend zu vernachlässigen. Wie verstehen Sie dieses Problem und wie gehen Sie damit um?

Bob Hanning: Erstmal wissen wir, dass die Nationalmannschaft das Aushängeschild einer jeden Sportart ist. Das war auch der Grund, warum wir Dagur Sigurdsson, wenn man sich für ihn als Bundestrainer entschieden hätte, zum Wohle der Allgemeinheit hätten gehen lassen. Nun sind wir aber natürlich froh, dass er geblieben ist. Man muss eben im Ganzen denken und sollte nicht nach dem Motto handeln, sich in erster Linie selber zu helfen. Denn das ist ein Trugschluss. Die Liga braucht eine gute Nationalmannschaft und wir wollen auch dazu beitragen. Natürlich nur dann, wenn die Spieler zu einem erschwinglichen Rahmen zu haben sind und sie bei uns spielen wollen.

Wie sieht es denn mit dem Nachwuchs bei den Füchsen aus?

Bob Hanning: Wir haben eigene Leute wie Johannes Sellin, der gerade mit den Junioren Europameister geworden ist. Und ihm haben wir die Chance gegeben, weiter bei uns zu spielen und wir werden diesen Weg weiter konsequent gehen. Gerhard Delling hat mich mal in einer Runde angesprochen und meinte, dass es ja schade sei, so knapp an Europa gescheitert zu sein. Ich habe ihm dann gesagt, wenn ich das Geld genommen hätte, was wir in die Jugend gesteckt haben und dafür einen Star geholt hätte, dann währen wir wahrscheinlich schon in Europa gewesen. Aber eine Nachhaltigkeit hätte ich nicht hinbekommen. Und das ist und bleibt für uns das zentrale Thema. Ich mache ja auch die A-Jugend hier und wir sind zweimal hintereinander Deutscher Meister geworden und haben mittlerweile zehn Spieler, die in den Nationalmannschaften des DBB spielen. Darauf sind wir genau so stolz, wie auf die Teilnahme an der Champions League.

Es war ja auch nicht so, dass Sie zwingend bei Iker Romero angefragt hatten, um die Füchse mit einem Kaliber seiner Sorte zu verstärken. Wie genau lief der Transfer vom ersten Kontakt an ab?

Bob Hanning: Mich hat der Berater angerufen und gesagt, dass Iker Romero bei uns spielen will. Dann habe ich ihm gesagt, er soll mir mal seine Nummer geben, denn ich wollte das mal testen. Ich habe ihn dann zurückgerufen und die Sache wurde bestätigt. Dann habe ich erklärt, dass wir nicht Ciudad Real, Barcelona, Hamburg, Kiel oder Rhein-Neckar Löwen heißen, sondern dass wir ein kleiner Verein sind und ob er wirklich Interesse habe. Als dem so war, bin ich nach Schweden zur WM geflogen und habe mich mit ihm getroffen. Ich war von ihm als Person total begeistert und man merkte, dass er unbedingt zu uns wollte.

Was waren genau seine Gründe?

Bob Hanning: Natürlich habe ich gefragt, warum er nach Berlin wollte. Er hatte mit vielen ehemaligen Spielern von uns gesprochen und die hatten sich dann sehr positiv über uns geäußert. Wir wollen ja auch, dass jeder Spieler, der uns verlässt, eine Art Botschafter für uns ist. Natürlich muss man sich immer irgendwann von Spielern trennen, aber als Freunde. Seit ich hier bin, gab es auch noch keine Trainerentlassung und auch keinen Skandal. Das Thema war ihm auch sehr wichtig und Berlin ist natürlich auch eine schöne Stadt, in der man gut leben kann. Zudem ist die Halle immer voll, die Stimmung ist gut und es ist auch Qualität vorhanden. Das waren die ausschlaggebenden Punkte. Natürlich haben wir auch über Geld gesprochen und ihm erklärt, was er hier verdienen kann. Er hat dann ein wenig geschmunzelt, aber gesagt, dass er es machen will. Ich habe ihm dann den Rahmen gesagt, in dem er verdienen kann und ihn gefragt, ob er die höhere oder die niedrigere Summe haben will. Er hat dann schon die höhere gewollt. Wir waren dann einverstanden und uns war wichtig, dass Iker schon alles gewonnen hat und weiß, wie es geht.

Es war zu lesen, dass er so seine Probleme mit dem deutschen Essen hatte. Sind die inzwischen ausgeräumt?

Bob Hanning: Das musste er dann schnell revidieren und kommt sehr gut damit klar.

Nachdem Sie großen Anteil am Aufstieg der Hanseaten hatten, haben Sie nun auch den Hauptstadtclub in die Champions League geführt. Beschreiben sie uns doch mal vor dem Debüt gegen Medvedi Chekhov, was in Ihnen vorgeht.

Bob Hanning: Wir haben eine große Zufriedenheit und sind stolz, was die Mannschaft und der Trainer geleistet haben. Den sportlichen Erfolg will ich mir auch nicht anstecken und da muss man sagen, dass wir mit Dagur Sigurdsson und dem Trainerteam einen Glücksgriff gemacht haben. Alle bringen sich sehr ein. Für mich selbst war aber erst einmal das Spiel in Göppigen wichtig, weil mich das Thema Champions League nur am Rande interessiert. Denn es ist das Sahnehäubchen, die Zugabe. Das Kerngeschäft bleibt die Bundesliga. Aber stolz ist man trotzdem, wobei es keine wirtschaftliche Relevanz hat, denn man kann keine Unsummen verdienen. Es ist einfach schön, dennoch bleibt die Bundesliga wichtig.

Neben den Russen bekommen Sie es noch mit MKB Veszprem, KS Kielce, Bjerr. Silkeborg und Atletico Madrid zu tun. Wie schätzen Sie die Gruppe und die Gegner ein?

Bob Hanning: Es musste so kommen, wie es immer kommt - dass wir die schwerste Gruppe haben. Der Vorteil ist allerdings, dass mit Ausnahme von Madrid jede Mannschaft jeden Gegner schlagen kann. Wir wollen aber selbstbewusst zwei Mannschaften hinter uns lassen und ins Achtelfinale kommen. Ich bin auch dagegen zu sagen, dass wir lernen wollen. Diese Sprüche spare ich mir. Denn wir wollen gewinnen.

Was für Unterschiede gibt es denn zwischen der Bundesliga und der Champions League. Worauf muss das Team bei seiner Premiere achten?

Bob Hanning: Da ich noch nie in der Champions Lague gespielt habe, vermag ich es auch nur von Weitem zu sagen. Ich glaube, die CL verzeiht noch viel weniger Fehler als die Bundesliga. Wenn wir uns wie gegen Wetzlar einen Ausrutscher erlauben, dann wäre das Spiel definitiv verloren.

Zum Abschluss: Werden die Fans nun in jedem Jahr Champions League sehen und kann sich der Club dauerhaft unter den vier Top-Teams etablieren oder wird es ein weiterer Prozess sein, der auch mit Rückschlägen zu kämpfen haben wird.

Bob Hanning: Wir haben eine herausragende Zielvorstellung und wollen in den nächsten sechs Jahren fünf Mal europäisch spielen und uns mit den eigenen Leuten unter den Top-Sechs etablieren. Rückschläge gehören auch dazu und ich freue mich drauf.

Das Interview führte Gunnar Beuth

sportal.de sportal

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