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Handball-WM: Ungewissheit dämpft Erfolgsaussicht

Europameister und Silber bei Olympia in Athen: Die letzten Jahre waren für die deutsche Handball-Nationalmannschaft von Erfolgen geprägt. Ob das neuformierte Team bei der WM in Tunuesien daran anknüpfen kann, ist ungewiss.

Die Ungewissheit ist groß, die Erfolgsaussicht trotz vier Siegen in sechs Testspielen gedämpft: Nach dem Ende der "Goldenen Generation" tritt das Perspektiv-Team von Bundestrainer Heiner Brand bei der Handball-Weltmeisterschaft in Tunesien ein schweres Erbe an. Zwei Jahre vor der WM im eigenen Land ist schon das Auftaktspiel der Vorrundengruppe D in Sousse gegen Ägypten für "Brands Bubis" ein Gradmesser. "Es bietet sich grundsätzlich nicht an, über Platzierungen zu spekulieren. Wir wollen jedes einzelne Spiel gewinnen. Das ist unser Ziel", erklärte der Bundestrainer, der traditionell von Spiel zu Spiel denkt: "Das ist die einzige Chance, Erfolg zu haben."

Mit Selbstvertrauen im Gepäck

Die deutsche Mannschaft trat die Reise nach Tunesien mit der Gewissheit einer gelungenen Generalprobe an. In Berlin gewann sie mühevoll mit 29:27 gegen Tschechien. "Die Jungen wurden auf den Boden der Tatsachen zurück geholt", sagte Brand angesichts des hohen 36:26-Sieges gegen denselben Gegner.

Fünf Monate nach dem Gewinn von Olympia-Silber beginnt für die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) eine neue Ära und für Brand der zweite Neuanfang nach seinem Amtsantritt 1997. Immerhin kann sich der Bundestrainer noch auf fünf Akteure aus der Olympia-Mannschaft und sieben aus dem Europameister-Team stützen. Der Großteil seiner 16-köpfigen Auswahl aber ist neu, jung, unerfahren, aber auch unberechenbar und erfolgshungrig. "Ich bin noch nicht so lange mit der Mannschaft zusammen. Da kann ich nicht wissen, was in Tunesien auf uns zukommt. Da spielt ein ganz neues Team, wo sich einige Spieler bis zum 3. Januar gar nicht kannten", sagte Brand.

Schwere Brocken in der Vorrunde

Schon die Vorrunde ist für die im Schnitt 25 Jahre alte Mannschaft eine Herausforderung. Nach den vom ehemaligen Bundesliga-Trainer Jörn-Uwe Lommel betreuten Ägyptern folgen Brasilien am 24. Januar, Außenseiter Katar am 26. Januar, Norwegen am 27. Januar sowie zum Abschluss Gruppenfavorit Serbien und Montenegro am 29. Januar. "Wir denken zuerst an Ägypten, dann an Brasilien. Eins nach dem anderen. Irgendwelche Spekulationen sind unangebracht", wehrte Brand Prognosen über das Erreichen der Hauptrunde ab.

Bei einem Weiterkommen warten als nächste Gegner mit großer Wahrscheinlichkeit Olympiasieger und Weltmeister Kroatien, der dreimalige Europameister Schweden und Spanien auf die deutsche Mannschaft. "Ich traue ihr zu, die Vorrunde zu überstehen. Aber dann kommen die Knaller. Ob wir dazu schon stark genug sind? Ich würde mich freuen, wenn man nahtlos an die Erfolge der vergangenen Jahre anknüpft. Das sollte man aber nicht erwarten", sagte Stefan Kretzschmar.

Jugendlicher Ehrgeiz als Erfolgsrezept

Der Magdeburger Linksaußen war nach den Olympischen Spielen ebenso wie Christian Schwarzer und Volker Zerbe (beide Lemgo) sowie Klaus- Dieter Petersen (Kiel) aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Zudem fehlen in Tunesien aus der "Goldenen Generation" die Lemgoer Daniel Stephan und Markus Baur, der Kieler Torhüter Henning Fritz und der Wallauer Jan-Olaf Immel allesamt wegen Verletzungen oder Operationen. Keeper Christian Ramota (Lemgo) wurde nach Rücksprache von Brand nicht nominiert.

Somit stehen andere Spieler mehr als zuvor in der Verantwortung. "Führungsspieler müssen sich herausbilden. Klar ist, dass die Älteren stärker gefordert sind. Das sind nun einmal Frank von Behren, Steffen Weber und Florian Kehrmann. Die wissen, wo es lang geht", sagte Brand und nahm damit seine Routiniers in die Pflicht.

Potentieller Führungsspieler

Noch nicht in eine Führungsrolle drängen wollte der Bundestrainer seinen 27-jährigen Neuling Oleg Velyky, der vor seinen fünf Länderspielen für Deutschland bereits 59 Mal für sein Mutterland Ukraine auf dem Parkett gestanden hatte. Der Essener Rückraumspieler, der kürzlich mit der Bekanntgabe seiner Hautkrebserkrankung für Aufregung gesorgt hatte, soll vornehmlich seine Stärken auf der linken Seite ausspielen. "Auf Dauer kann er sicher auch Rückraum Mitte spielen", erklärte Brand.

Martin Kloth/DPA / DPA

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