HOCKEY-WM Deutsches Herren-Team schreibt Geschichte


Nach dem 2:1 im WM-Finale gegen Australien ist Deutschland zum ersten Mal Herren-Weltmeister. Die anschließende Sieges-Party dauerte bis in den Morgen.

Nach dem Schlusspfiff flogen die Schläger durch die Luft, Torwart Clemens Arnold und Siegtorschütze Oliver Domke wurden im Spielerknäuel fast erdrückt, und die zahlreichen deutschen Fans jubelten auf der Tribüne. Mit dem 2:1 (1:1) im WM- Finale über Australien schrieb die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) am Samstag Geschichte. 20 Jahre nach der 1:3-Niederlage in Bombay gegen Pakistan war die zweite Finalteilnahme von Erfolg gekrönt: Die Hockey-Nation Deutschland ist zum ersten Mal Herren-Weltmeister.

Sensationen alle 10 Jahre

»Das ist ein absoluter Traum«, jubelte Florian Kunz, Kapitän, Torschütze im Finale und Welthockeyspieler des Jahres nach dem Nerven aufreibenden Match in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur. 1972 Olympiasieger, 1982 im WM-Finale gescheitert, 1992 wieder Olympia-Gold und 2002 endlich Weltmeister: Im Zehn-Jahres-Rhythmus sorgten die deutschen Hockey-Asse für Schlagzeilen.

Letzte Partygäste

Ihre erste »Niederlage« kassierte die Mannschaft von Bundestrainer Bernhard Peters erst viele Stunden nach dem Schweiß treibenden Finale - beim »Nachspiel« in der Discothek »Nuova«. Dort wurden die Weltmeister aus Germany um 4.45 Uhr als letzte Gäste höflich, aber bestimmt hinauskomplimentiert. Dabei war die Truppe auch auf der feucht-fröhlichen Party immer noch in Top-Form. »Ich hätte endlos weiter spielen können, aber auch ewig weiter feiern können«», meinte Sascha Reinelt, der Stürmer aus Stuttgart.

Anstrengende Zeiten

Doch so sehr sie auch jubelten und feierten, die Strapazen der vergangenen Wochen sind nicht spurlos an der DHB-Crew vorbei gegangen. Neun Spiele in 14 Tagen mussten die Weltmeister bei tropischen Temperaturen und fast 90 Prozent Luftfeuchtigkeit bewältigen, um den Triumph perfekt zu machen. »Das war an der Grenze des Belastbaren«, befand Kunz. »Ich bin nach dem Stress der letzten drei Wochen total leer im Kopf und kann den Erfolg noch gar nicht realisieren«, betonte Bundestrainer Bernhard Peters, der stolz auf sein Team war: »Das war gigantisch, was die Jungs geleistet haben.«

Historischer Sieg

»Flocke« Kunz hatte ebenfalls Probleme, den Erfolg zu realisieren: »Ich werde den Pott heute noch mal in aller Ruhe streicheln, dann werde ich das Erreichte wohl erst begreifen.« Den historischen Sieg machten der Mönchengladbacher in der 35. Minute per direkt verwandelter kurzer Ecke und der Rüsselsheimer Domke (64.) perfekt. Damit komplettierten die DHB-Herren ihre imposante Trophäensammlung: Nach fünf Europameistertiteln (1970, 78, 91, 95 und 99), den zwei Olympiasiegen und acht Erfolgen bei der Champions Trophy (1986, 87, 88, 91, 92, 95, 97 und 2001) nun endlich der WM-Titel.

Im August geht's weiter

Die nächste Möglichkeit, den Siegeszug fortzusetzen, bietet sich noch in diesem Jahr. Vom 31. August bis zum 8. September findet in Köln die Champions Trophy statt. Dabei muss Peters ohne Christian Mayerhöfer planen, der direkt nach dem Triumph seinen Rücktritt bekannt gab. »Es ist sensationell, dass ich als Weltmeister aufhören kann. Ich habe einmal verlängert, das werde ich auf keinen Fall ein zweites Mal tun«, sagte der Rekord-Nationalspieler, der als einziger aktueller Nationalspieler schon 1992 Olympiasieger wurde.

Der Trainer brachte den Erfolg

Als Vater des Erfolgs gilt Trainer Peters. Seit er die Mannschaft nach dem enttäuschenden fünften Platz bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney von Paul Lissek übernommen hat, läuft es bei den DHB-Herren wie geschmiert: In 45 Länderspielen unter Peters gab es 41 Siege, ein Unentschieden und nur 3 Niederlagen. Kunz: »Ich hätte nie gedacht, das wir mit Bernhard Peters schon nach einem Jahr zu solch einem Triumph fähig wären. Ich dachte, wir würden länger dafür arbeiten müssen.«

Reinhard Neumann


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