Jan Ullrich belastet "Muss ein Vampir gewesen sein"


Es wird eng für Jan Ullrich: Ein DNA-Vergleich hat ergeben, dass die im spanischen Dopingskandal gefundenen Blutbeutel "zweifelsfrei" dem Ex-Tour-Sieger zuzuordnen sind. Ullrichs Verteidiger spricht von "Manipulation". Doping-Aufklärer Werner Franke zeigt sich im Gespräch mit stern.de fassungslos.

Trotz der erdrückenden Indizien, die nach Bekanntgabe des DNA-Vergleichs zwischen den Blutbeuteln des spanischen Arztes Fuentes und Gewebeproben von Jan Ullrich auf dem Ex-Tour-Sieger lasten, sprechen Ullrichs Anwälte von Manipulation. Diese Theorie hält der angesehene Doping-Experte Prof. Dr. Werner Franke für völlig abwegig. Gegenüber stern.de sagte Franke: "Wollen die Anwälte eigentlich ganz Deutschland vergackeiern? Aber mir ist schon klar, was die für eine Verschwörungstheorie fahren. Es muss ein Vampir gewesen sein, der Jan Ullrich das Blut abgezapft hat. Dieser Vampir ist dann weiter nach Madrid geflogen, hat dort das Blut in die Beutelchen gefüllt und anschließend noch 'Jan' draufgeschrieben. Für wie doof hält man uns eigentlich?"

Zuvor hatte der ermittelnde Bonner Staatsanwalt Friedrich Apostel am Dienstag bekanntgegeben: "Wir haben neun Blutkonserven vorgefunden, die wir mit den DNA-Proben vergleichen konnten. Dabei haben wir die Identität von Ullrich feststellen können". Dies sei noch kein Beweis für Doping. Aber: "Es zeigt, dass Blutbeutel dort gelagert wurden", fügte Apostel hinzu.

Ullrichs Anwälte holen zum Gegenschlag aus

Sofort hatte Ullrichs Verteidiger Johann Schwenn darauf auf der Internetseite Ullrichs zum Gegenschlag ausgeholt: "Die Verteidigung wird sich das Gutachten des Bundeskriminalamtes genau ansehen. Nach den Unregelmäßigkeiten im spanischen Verfahren und bei der UCI ist es gut möglich, dass der angebliche Befund die Folge von Manipulation ist."

Als erste Reaktion rückte Ullrichs neuer Arbeitgeber, das österreichische Team Volksbank, von dem 33-Jährigen ab. Vorerst soll er nicht als Berater und Repräsentant für den Rennstall arbeiten. "Jan Ullrich hat seine Tätigkeit beim Team Volksbank bis dato nicht aufgenommen und wird dies auf Grund der aktuellen Entwicklung bis auf weiteres auch nicht tun. Sobald die Sache endgültig bereinigt ist, werden wir unsere nächsten Schritte bekannt geben", sagte Teammanager Thomas Kofler.

LKA-Beamte nach Spanien gereist

Die Blutbeutel waren von spanischen Ermittlern im Zuge der groß angelegten "Operación Puerto" (Operation Bergpass) im Mai 2006, fünf Wochen vor dem Start der Tour de France, bei Fuentes gefunden worden. Nach Informationen des WDR waren Beamte des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes in der vergangenen Woche nach Spanien gereist, um Proben der Blutbeutel abzuholen. Das LKA untersuchte das Blut aus neun verschiedenen Blutbeuteln des Bestandes und fand bei jeder Probe eine Übereinstimmung mit Ullrichs DNA. Dessen Anwälte hatten bis zuletzt versucht, die Herausgabe der Blutproben - und damit den nun erfolgten Abgleich - zu verhindern.

"Die Erkenntnisse der Bonner Staatsanwaltschaft bestätigen die schlimmsten Befürchtungen, aber auch die konsequente Linie des BDR im Kampf gegen Doping", sagte der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Rudolf Scharping. Ullrich, Tour-Sieger von 1997, hatte am 26. Februar seinen Rücktritt erklärt und dabei seine Kritiker scharf attackiert. Besonders Scharping wurde von dem gebürtigen Rostocker heftig angegriffen. Zu den Doping-Vorwürfen hatte sich Ullrich bislang nicht konkret geäußert, aber stets betont: "Ich habe in meiner Karriere nicht betrogen und niemanden geschädigt."

Ullrich drohen bis zu zehn Jahren Haft

Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen den Olympiasieger von 2000 wegen Betrugs zum Nachteil seines früheren Arbeitgebers T- Mobile. Klageführer ist nicht der angeblich Geschädigte, sondern eine Rechts-Professorin. Sein Arbeitgeber einigte sich mit Ullrich über noch ausstehende Bezüge nach der fristlosen Kündigung außergerichtlich. Dem einzigen deutschen Tour-Gewinner war wegen Doping-Verdachts am 21. Juli 2006, zwei Tage vor Beginn der Tour, die er nicht mehr fahren durfte, gekündigt worden. Die Indizien belasteten ihn schon damals schwer.

Zu möglichen Strafmaßen erläuterte der Düsseldorfer Staatsanwalt Jörg Schindler der Hörfunkagentur dpa/RUFA: "Ein Betrug kann mit einer Geldstrafe geahndet werden oder aber auch mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Im Grundtatbestand und im Fall des besonders schweren Betruges kann eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren in Betracht kommen." Die Ermittlungen sind laut Apostel noch nicht abgeschlossen. Es gäbe noch Rechtshilfeersuchen nach Belgien und an Behörden in der Schweiz, wo Ullrich wohnt und seine Radlizenz hatte.

Ullrich hatte 1995 seine Profilaufbahn bei Telekom begonnen. Zu seinen größten Erfolgen zählen neben dem Sieg bei der Tour 1997 unter anderem der Olympiasieg 2000 in Sydney und die beiden WM-Titel im Zeitfahren 1999 und 2001.

Christian Kamp und Andreas Zellmer/DPA/kbe DPA

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