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Karriereende: Sampras kamen beim Abschied die Tränen

Boris Becker, John McEnroe, Andre Agassi: Alle waren sie nach New York gekommen, um den erfolgreichsten Tennisspieler der letzten Jahre, Pete Sampras, mit einer großer Show und vielen großen Worten würdevoll zu verabschieden.

Die Ovationen der Fans ließen Pete Sampras schwächer werden als alle Gegner auf dem Tennisplatz. Der 32-Jährige konnte seine Tränen nicht zurückhalten, als er am Montagabend im Arthur-Ashe-Stadium von New York mit einer typisch-amerikanischen Zeremonie mit viel Show und großen Worten verabschiedet wurde. "Das überwältigt mich alles so", stammelte Sampras, der vor einem Jahr an gleicher Stelle mit dem gewonnen Finale gegen Andre Agassi sein letztes Match bestritten hatte.

Lange überlebter Abschied

Die Entscheidung zum Rücktritt reifte danach lange, bekannt gegeben hatte er sie Ende voriger Woche. Die Organisatoren der US Open ließen sogar Boris Becker einfliegen, der dem siebenmaligen Wimbledon-Champion in launigen Worten vorwarf, er habe ihm sein Haus gestohlen. Um kurz nach halb zehn verließ Sampras mit Söhnchen Christian Charles im Arm die Stätte seines 14. und letzten Grand-Slam-Triumphes. In diesem Moment neigte sich die erfolgreichste Karriere der Tennis-Geschichte endgültig ihrem Ende zu.

"Ich bin zufrieden"

Begonnen hatte sie 1990 ebenfalls in New York - mit dem ersten Grand-Slam-Titel im Finale gegen Agassi. Verändert habe er sich seitdem kaum, urteilte Sampras: "Ich habe mich an niemand verkauft, da bin ich ziemlich stolz drauf." Ovationen hin, Tränen her: Die Entscheidung zum Rücktritt steht felsenfest, so wie Sampras einst am Netz. "In meinem Herzen weiß ich, dass es Zeit ist. Ich habe mir nichts mehr zu beweisen. Meine größte Herausforderung war, hier noch einmal zu gewinnen. Das war, als hätte ich einen hohen Berg bestiegen. Ich bin zufrieden und habe meinen Frieden mit mir gemacht", sagte Sampras.

Keine Abschiedstour

Nach drei Tagen Vorbereitung auf Wimbledon in diesem Jahr habe ihm das Training keinen Spaß mehr gemacht, erzählte er. Da sei ihm bewusst geworden, dass der Zeitpunkt des Rücktritts nah war. Eine Abschiedstournee, wie sie derzeit Michael Chang bestreitet, sei seine Sache nicht. "Ich spiele nicht, um auf Wiedersehen zu sagen, sondern um zu gewinnen", sagte Sampras. "

"Beste aus meiner Generation"

"Er hat es verdient, das Spiel auf seine Weise zu beenden und mit erhobenem Haupt zu gehen", erklärte Agassi, der am Dienstag seine 18. US Open in Angriff nahm. Die Botschaft des 33-Jährigen an seinen Dauerrivalen, dem er vor zwei Jahren im Viertelfinale von Flushing Meadows das wohl beste der mehr als 30 Duelle geliefert hatte, wurde auf der Videowand eingespielt: "Pete ist der Beste, gegen den ich jemals gespielt habe. Das war ein Privileg für mich." Ähnlich äußerte sich auch der stürmisch umjubelte Becker: "Er war der Beste aus meiner Generation. Es ist schade, dass er aufhört. Ich hoffe, dass er dem Tennis erhalten bleibt."

"Es war ein Vergnügen, gegen Dich zu verlieren"

Doch das scheint nicht sicher. Sampras, der es ablehnte, sich selbst als den Besten zu bezeichnen, weiß noch nicht, was er mit seiner Zeit anfangen will: "Mein Sohn kann jetzt krabbeln, da bin ich gefordert. Ich sehe ihn aufwachsen zu sehen und will ihm ein gutes Vorbild sein. Ich spiele oft Golf, das macht viel Spaß. Das Amt des Daviscup-Kapitäns ist in den USA zu politisch, ein Job als Fernsehkommentator reizt mich nicht, da muss man kritisch sein", sagte er in Richtung von John McEnroe. Dieser hatte Sampras auf seine Art verabschiedet: «Danke, dass Du alle Rekorde gebrochen hast, die mir gehörten. Danke, dass Du mir in den Hintern getreten hast, wenn wir gegeneinander gespielt haben. Es war ein Vergnügen, gegen Dich zu verlieren.»

DPA

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