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Kritik an Russlands Homosexuellen-Gesetz: Ein Gewinner zeigt's den Schwulenhassern

Er ist der Held von Moskau: Nick Symmonds widmete seine Silbermedaille seinen schwulen und lesbischen Freunden. Als erster Athlet der WM übt er damit offen Kritik an Gesetzen gegen Homosexuelle.

Von Jens Maier

Bravo." "Großartig." "Respekt." Auf seinem Twitter-Profil überschlagen sich die Gratulanten. Sie beglückwünschen Nick Symmonds nicht nur zu seiner Silbermedaille im 800-Meter-Lauf. Nein, viel mehr. Sie feiern ihn als Helden. Denn der Amerikaner hat gewagt, was sich bislang kein anderer Athlet in Moskau getraut hat. Er kritisierte offen die homosexuellenfeindliche Haltung Russlands.

Symmonds widmete seine Silbermedaille seinen schwulen und lesbischen Freunden. "Egal ob du schwul, hetero, schwarz oder weiß bist: Wir alle verdienen dieselben Rechte", sagte der 29-Jährige der russischen Nachrichtenagentur "R-Sport". "Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, für gleiche Rechte einzutreten, werde ich das tun, egal, ob ich dafür ins Gefängnis gehe", diktierte er dem russischen Reporter ins Mikrofon.

Mutige Provokation

Der Amerikaner ist der erste Athlet, der das Gesetz gegen "Homosexuellen-Propaganda" in Russland offen kritisiert. Am 30. Juni hatte Präsident Putin ein Gesetz unterzeichnet, das positive Meinungsäußerungen über Homosexuelle in der Öffentlichkeit de facto verbietet. Selbst Händchenhalten kann für Schwule und Lesben im Gefängnis enden.

"Ich respektiere dieses Land", sagte Symmonds über Russland. "Aber ich bin mit seinen Regeln nicht einverstanden." Seine Provokation hatte der Mittelstreckenläufer, der sich in den USA für die Kampagne "No H8" (No Hate, Kein Hass) stark macht, bereits vor dem Rennen angekündigt. Mit seiner öffentlichen Äußerung gegen die menschenverachtenden Homosexuellengesetze könnte Symmonds die Ausweisung oder sogar Gefängnis drohen.

In seinem Blog schrieb er: "Ich werde weiter für die Rechte von Lesben und Schwulen kämpfen. Mit Worten und meinen Füßen." Und für alle, die Symmonds nun einen Heiratsantrag machen wollen: Er ist heterosexuell, wird in den USA sogar der "Brad Pitt der Bahn" genannt. Ein Herzensbrecher eben. Aber ein guter.

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