LEICHTATHLETIK Doping? No comment


Michael Johnson ist der prominenteste Nicht-Teilnehmer der Leichtathletik-WM. Dennoch versuchte der Amerikaner, die Welttitelkämpfe als PR-Bühne zu nutzen. Dabei kam es allerdings zu einem Eklat.

Michael Johnson ist der prominenteste Nicht-Teilnehmer der Leichtathletik-WM. Dennoch versuchte der Amerikaner, die Welttitelkämpfe als PR-Bühne zu nutzen. Allerdings in nicht sehr geglückter Form. Als der neunfache Weltmeister am Donnerstag in Edmonton vom Sportartikel-Giganten Nike zusammen mit Weltmeister Nils Schumann und den US-Sprintstars Marion Jones und Maurice Green bei einer Pressekonferenz präsentiert wurde, kam es zu einem Eklat. Nike-Mann John Caprioti und Johnson selbst ließen keine Fragen zum Thema Doping zu. Daraufhin verließ ein Teil der etwa 100 Medienvertreter das Veranstalterzelt.

Johnson ist nur einer von vielen Stars, die in die Jagd nach den dicken Dollar-Schecks in Edmonton nicht eingreifen wollen oder können. Athleten wie Stabhochspringer Sergej Bubka (Ukraine), dem als bisher einzigen Athleten sechs WM-Siege in Folge gelang, haben ihre Laufbahn nach den Olympischen Spielen in Sydney beendet. Andere müssen wegen Doping-Sperren aussetzen, legen wie Australiens Olympia- Heldin Cathy Freeman eine Pause ein, scheiterten in der Qualifikation oder sind verletzt.

Über beide 400-m-Distanzen werden neue Titelträger gesucht. Der 33-jährige Johnson, der in bei der letzten WM in Sevilla mit fantastischen 43,18 Sekunden Weltrekord lief und insgesamt 180 000 Dollar Preisgeld kassierte, hat sich nach seinem

fünften Olympia-Gold in Sydney für das Karrieende entschieden. Er meidet die WM und sammelt Beifall und Prämien auf einer weltweiten Abschiedsfete. Damit verzichtet der erfolgreichste WM-Teilnehmer auf seinen zehnten Titel, mit neun ersten Plätzen hat er einen beispiellosen Siegeszug hingelegt.

Ruhepause für Freeman

Olympiasiegerin Cathy Freeman (Australien) legt eine langfristig angekündigte Ruhepause ein und verzichtet damit auf den Hattrick. Die Jahresbeste und Olympia-Dritte Catherine Merry (Großbritannien) ist verletzt. Die exzentrische Marie-Jose Perec (Frankreich), Doppel- Olympiasiegerin von Atlanta über 200 und 400 m, ist nach ihrer überstürzten Flucht aus Sydney noch vor Wettkampfbeginn nicht mehr in Erscheinung getreten. Damit steigen die Hoffnungen von Europameisterin Grit Breuer (Magdeburg).

Von den Titelverteidigern aus Sevilla fehlen wegen Verletzung Charles Friedek (Leverkusen/Dreisprung), Salah Hissou (Marokko/5000 m), Maxim Tarassow (Stabhochsprung), Swetlana Masterkowa (1500 m), Gennadi Skurigin (50 km Gehen) und Olympiasiegerin Irina Priwalowa (alle Russland/400 m Hürden) nach einer Knieoperation. Auf der 800-m- Strecke von Olympiasieger Nils Schumann (Berlin) mussten wegen Verletzung Weltrekordler und Titelverteidiger Wilson Kipketer

(Dänemark) sowie Djabir Saidi-Guerni (Algerien) passen, die in Sydney die Plätze zwei und drei belegen konnten. Das aufstrebende Talent Juri Borsakowski (Russland) verzichtete zu Gunsten der finanziell lukrativen Meeting-Starts auf die Teilnahme.

Dopingsperren setzen Titelverteidiger außer Gefecht

Zwei Titelverteidiger von Sevilla sind wegen einer zweijährigen Dopingsperre außer Gefecht: Kugelstoßer C.J. Hunter (USA), der in Scheidung von Supersprinterin Marion Jones lebt, und die rumänische Hammerwerferin Mihaela Melinte wurden vor Sydney erwischt, wo sie auch schon ausgesperrt waren. Melinte befand sich zur Qualifikation schon im Innenraum, ehe sie von einem »Begleitschutz« aus dem Stadion geführt wurde.

Für ein besonderes Kapitel sorgte der Kenia-Verband. Er strich 1500-Olympiasieger Noah Ngeny und Tegla Loroupe, Inhaberin der Marathon-Weltbestzeit, aus disziplinarischen Gründen aus der Mannschaft. Beide tingelten noch in Europa und blieben einem Trainingslager zu Hause fern. Wilson Boit Kipketer, Weltmeister von 1997 und Olympia-Zweiter über 3000 m Hindernis, sowie 3000-m- Weltrekordler Daniel Komen blieben bei den Trials auf der Strecke. Der Nigerianerin Glory Alozie, in Sevilla und Sydney jeweils Zweite über 100 m Hürden, wurde zum Verhängnis, dass sie die spanische Staatsbürgerschaft angenommen hat und damit ein Jahr für internationale Meisterschaften gesperrt ist.


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