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LEICHTATHLETIK-EM: Schultz holt Gold über 400 m

Medaillenregen für Deutschland: Schultz ist der erste 400-m-Europameister seit 1982. Die Athleten Friedek, Nerius, Breuer und Meißner holten Silber.

Ingo Schultz hat das angekündigte Gold über 400 m gewonnen und damit bei den Europameisterschaften in München den mit weiteren vier Silbermedillen erfolgreichsten Tag für die deutschen Leichtathleten gekrönt. Als erster deutscher Europameister über die Stadionrunde seit 1982 (Hartmut Weber) rannte der Dortmunder am Donnerstag nach 45,14 Sekunden ins Ziel. Von den 48.500 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion wurde er ebenso frenetisch angefeuert, wie Heike Meißner über 400 m Hürden und Grit Breuer über 400 m bei ihren Silberläufen. »Auf der Zielgeraden, wenn man richtig breit ist, und das dann hört, dann geht noch was«, lobte Schultz wie alle Aktiven die Atmosphäre auf den Rängen.

Dreispringer und Speerwerferin

Zum Abschluss des dritten Wettkampftages holten auch Dreispringer Charles Friedek und Speerwerferin Steffi Nerius Silber. Der ehemalige Weltmeister feierte mit der deutschen Jahresbestleistung von 17,33 m seine Rückkehr in die Weltspitze. Nur der Schwede Christian Olsson war mit 17,53 m besser, Weltrekordler Jonathan Edwards (Großbritannien) wurde mit 17,32 m Dritter. Steffi Nerius gelang der große Wurf mit 64,09 m. Europameisterin wurde die Griechin Mirela Manjani mit 67,47 m, Platz drei ging an Mikaela Ingberg (Finnland) mit 63,50 m. Den Titel im Hochsprung sicherte sich der Russe Jaroslaw Rybakow mit 2,31 m vor den beiden Schweden Stefan Holm (2,29) und Staffan Strand (2,27).

Breuer widmete Medaille Publikum

Im erst dritten Rennen der Saison gelang Titelverteidigerin Grit Breuer aus Magdeburg über 400 m in der deutschen Jahresbestzeit von 50,70 Sekunden der überraschende Vorstoß auf Platz zwei. »Durch das Publikum habe ich die Silbermedaille gewonnen. Das war einfach geil. Das Publikum kann ein Stück von meiner Medaille abbekommen«, dankte die zweifache Europameisterin den Zuschauern. Schneller als sie war nur die Russin Olesja Zygina in 50,45 Sekunden. Platz drei ging an die Britin Lee McConnell (51,02). Heike Meißner aus Chemnitz gewann unerwartet Silber über 400 m Hürden in 55,89 Sekunden.

Sebrle ist Punkte-König

Neuer »König der Leichtathleten« ist Roman Sebrle aus Tschechien. Mit der Einstellung seiner Weltjahresbestleistung von 8.800 Punkten gewann der Weltrekordler seinen ersten Titel bei einer internationalen Meisterschaft. Zweiter wurde Titelverteidiger Olympiasieger Erki Nool aus Estland (8.438) vor dem Russen Lew Lobodin (8.390). Der Kieler Mike Maczey belegte mit 8.158 Punkten einen hervorragenden 6. Platz. Nach einem Totalausfall im Stabhochsprung reichte es für Sebastian Knabe (Halle/Saale) mit 7.036 Zählern nur zum 16. Rang.

Konfusion bei endauswertung

Für Konfusion sorgte das Fotofinish zwischen dem Franzosen Mehdi Baala und dem spanischen Titelverteidiger Reyes Estevez über 1.500 m. Erst nach rund zehnminütiger Auswertung des Zielfilms wurde der Franzose in 3:45,25 Minuten dank eines Wimpernschlag-Vorsprungs von 2/1000 Sekunden auf Platz eins gesetzt. Platz drei belegte der Portugiese Rui Costa in 3:45,43 Minuten. Zuvor ging Robert Korzeniowski endgültig in die Geschichte ein. Der dreifache Olympiasieger aus Polen verteidigte über 50 km seinen Titel in der Weltbestzeit von 3:36:39 Stunden und verbesserte die alte Bestmarke von Waleri Spitzin (Russland) gleich um 47 Sekunden. Alexej Wojewodin (Russland/3:40:16) wurde Zweiter vor Jesus Angel Garcia (Spanien/3:44:33).

Erst Siegeskuss abgeholt

Nach dem Zieldurchlauf fiel Vize-Weltmeister Ingo Schultz erst seiner Freundin Antje Buschschulte, Schwimm-Europameisterin mit der Lagenstaffel, in die Arme und holte sich seinen Siegerkuss ab. Erst dann trabte der 27-jährige Oberleutnant genüsslich auf die Ehrenrunde. »Das Publikum hat mich so getragen, als die Beine schwer wurden«, lobte er die Zuschauer. Sie hatten ihn vor dem Spanier David Canal (45,24) und dem Briten Daniel Caines (45,28) förmlich ins Ziel geschrien. Aus den Händen des deutschen Verbandspräsidenten Clemens Prokop bekam Schultz um 21.20 Uhr die Goldmedaille umgehängt.

Heike Meißner konnte ihr Glück kaum fassen. »Ich bin überglücklich. Insgeheim wollte ich eine Medaille. Nun bin ich froh«, sagte die Lehrerin nach Platz zwei hinter Titelverteidigerin Ionela Tirlea (Rumänien/54,95) und vor Anna Olichwierchuk (Polen/56,18). Den Titel über 800 m gewann die Slowenin Jolanda Ceplak in 1:57,65 Minuten vor Mayte Martinez (Spanien/1:58,86) und der Britin Kelly Holmes (1:59,83). Claudia Gesell (Leverkusen) wurde Fünfte in 2:00,51 Minuten, die Magdeburgerin Ivonne Teichmann Siebte in 2:00,87 Minuten.

Martin Kloth und Peter Juny

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