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Zehnkampf: Roman Sebrle ist "König der Athleten"

Im Schatten von spektakulären Dopingfällen hat Roman Sebrle beim olympischen Wettstreit der "Könige der Athleten" geglänzt. Der tschechische Weltrekordler triumphierte im Zehnkampf mit 8893 Punkten und holte damit seinen ersten ganz großen Titel.

Die russische Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa wertete ihren Sieg mit dem Weltrekord von 4,91 m zusätzlich auf. Für einen überraschenden Lichtblick im leidgeplagten deutschen Team haben am Dienstag in Athen die deutschen Sprinter gesorgt: Tobias Unger (Kornwestheim/Ludwigsburg) und Sebastian Ernst (Gelsenkirchen) rasten in Athen ins Halbfinale über 200 m. Für den zweiten spektakulären Dopingfall binnen zwei Tagen sorgte der Diskussieger Robert Fazekas.

Doping-Skandale

Dem Ungarn ist wegen der Verweigerung einer Doping-Kontrolle nach seinem Triumph die Goldmedaille aberkannt worden. Wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) mitteilte, wurde er von den Spielen ausgeschlossen. Der ursprünglich zweitplatzierte Litauer Virgilius Alekna erhielt noch am Dienstag bei der Siegerehrung Gold überreicht. Auf den Silber-Rang rückte Zoltan Kovago aus Ungarn. Aleksandr Tammert aus Estland erhielt Bronze. Erst am Montag war der Kugelstoßerin Irina Korschanenko (Russland) wegen Dopings der Olympiasieg wieder genommen worden.

DLV-Trainer tritt zurück

Die Doping-Fälle haben erste personelle Konsequenzen im deutschen Team nach sich gezogen. Jürgen Krempin, Trainer von 400-m- Europameister Ingo Schultz, hat das Angebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) abgelehnt, Teamtrainer der 400-m- Läufer zu bleiben. "Ich habe Probleme damit, Sportler zu trainieren, die am Ende keine Chance haben, weil die Kraft der Konkurrenten aus der Apotheke kommt", sagte Krempin. Aus Verärgerung über den Verband kündigte er zudem seine Zusammenarbeit auf: "Heimtrainer, die nichts zur Mannschaftsleistung beitragen, sind beim DLV nicht erwünscht."

Für sportliche Schlagzeilen sorgte wieder einmal Zehnkämpfer Sebrle. Der Europameister lag am Ende vor dem Amerikaner Bryan Clay (8820 Punkte) und dem Kasachen Dimitri Karpow (8725). Der Regensburger Florian Schönbeck wurde mit 8077 Zählern Zwölfter. Weltmeister Tom Pappas (USA) verletzte sich und musste aufgeben.

El Guerrouj triumphiert über 1500 m

Der marokkanische Mittelstrecken-König Hicham El Guerrouj überwand ein Trauma und holte im dritten Anlauf sein erstes Olympia-Gold. Der Weltrekordler und viermalige Weltmeister setzte sich über 1500 m in einem packenden Endspurt gegen den Kenianer Bernard Lagat durch und siegte in der Weltjahresbestzeit von 3:34,18 Minuten. Ezekiel Kemboi setzte dafür die Tradition der erfolgreichen Kenianer über 3000 m Hindernis fort. Der Vize-Weltmeister gewann in 8:05,81 Minuten Gold vor seinen Landsleuten Brimin Kipruto (8:06,11) und Paul Kipsiele Koech (8:06,64). Seit 1984 sind die Ostafrikaner bei allen Spielen auf den ersten Platz gelaufen.

Über die 100 m Hürden bei den Frauen war die Amerikanerin Joanna Hayes am schnellsten unterwegs. Sie lief in 12,37 Sekunden so flink wie keine andere Konkurrentin in diesem Jahr. Favoritin Perdita Felicien aus Kanada hatte einen Sturz ausgelöst und kam nicht ins Ziel. Nachfolgerin von Australiens Volksheldin Cathy Freeman wurde Tonique Williams Darling (Bahamas), die die 400 m in 49,41 herunterspulte.

Ein nervenaufreibendes Duell lieferten sich im Stabhochsprung die beiden Russinnen Jelena Isinbajewa und Swetlana Feofanowa. Isinbajewa flog zuerst auf 4,85 m hinaus und schraubte dann ihren eigenen Weltrekord um einen Zentimeter auf 4,91 m. Sie schlug damit ihre ungeliebte Rivalin: Weltmeisterin Feofanowa kam nur auf 4,75. Silke Spiegelburg (Lengerich) erhielt als beste Deutsche auf Platz 13. mit 4,20 m eine kostenlose Lehrstunde.

Die 200-m-Sprinter haben der von Verletzungen und Ausfällen gebeutelten deutschen Mannschaft am fünften Wettkampftag als Tempomacher gedient. Ernst verbesserte sich im Zwischenlauf auf 20,36 Sekunden, Unger stellte in 20,30 gar eine deutsche Jahresbestzeit auf und verfehlte nur knapp den 19 Jahre alten deutschen Rekord von Frank Emmelmann (20,23). «Super! Das ist grandios», schwärmte Unger. «Morgen fällt der deutsche Rekord durch Tobias Unger», prophezeite der 19-jährige Ernst. Hingegen schied Till Helmke (Friedberg) aus.

Der Wattenscheider Mike Fenner erreichte über 110 m Hürden den Zwischenlauf und stellte im Vorlauf in 13,53 Sekunden eine deutsche Jahresbestzeit auf. Dagegen ist Disziplinkollege Jerome Crews aus Mannheim in dürftigen 13,83 Sekunden ausgeschieden und auch Weitspringer Nils Winter (Leverkusen) enttäuschte im Vorkampf mit schwachen 7,51 m.

Martin Kloth und Peter Juny, DPA / DPA

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