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Leseprobe: Schönes Krankes Leben

Ihr wundersames Gefühl fürs Wasser macht Franziska van Almsick zum Lieblingskind der wiedervereinten Nation. Aber der Zwang zu siegen treibt sie in den Hungerwahn. Auszüge aus ihrer Autobiografie "Aufgetaucht" Franziska und ihre Lieblingspuppe

Mauerland

Schon als Kind lief ich immer vorneweg. Ich war die Anführerin und vor allem die Anstifterin. Unsere Schule stand genau an der Berliner Mauer, und die Fensterscheiben in Richtung Westen waren mit weißer Farbe gestrichen. Der Schulhof war nach einer Seite durch eine hohe Mauer begrenzt. Ich war gerade acht Jahre alt, wir spielten Fußball auf dem Schulhof, und der Ball flog über die Mauer. Bevor wir uns ärgern konnten, weil der Ball weg war, wurde er über die Mauer wieder zurückgeschossen.

Ich war verwundert und natürlich neugierig, wo der Ball herkam, wusste ich doch nicht, was sich auf der anderen Seite befand. Also versuchte ich es noch einmal und schoss den Ball mit voller Wucht erneut über die Mauer. Und wieder kam er zurück. Alle anderen auf dem Schulhof hielten den Atem an, die älteren Schüler mögen wohl gewusst haben, warum. Kurz darauf wurde ich zum Direktor zitiert, bekam eine Verwarnung und einen Tadel. Warum ich bestraft wurde, habe ich als Achtjährige nicht verstanden. Heute weiß ich, dass ich mit einem Grenzsoldaten Fußball gespielt habe.

An die Zeit des Mauerfalls kann ich mich nur noch vereinzelt erinnern. Ich war elf Jahre alt und wusste überhaupt nicht, was da passierte und welche Bedeutung die Ereignisse hatten.

Für mich als Leistungssportlerin kam die Wende genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich will mir gar nicht bis ins Kleinste vorstellen, was mit mir passiert wäre, wenn ich leistungssteigernde Mittel bekommen hätte. Nach all den Dopingskandalen, die aufgedeckt worden sind, denke ich oft, mich hätte es auch erwischt. Wahrscheinlich würde ich jetzt nicht mehr schwimmen, doch ich wäre wohl gedopt gewesen. Aber ich möchte gar nicht so weit spinnen, denn sonst läuft mir ein Schauer über den Rücken. Ich kann wirklich froh sein, dass die Mauer gefallen ist, zwei Jahre später wäre es für eine saubere Karriere zu spät gewesen.

Beim Thema Doping bin ich der Meinung, dass man sich mit öffentlichen Verdächtigungen zurückhalten sollte. Solange jemand nicht überführt ist, ist er unschuldig und sollte nicht in den Dreck gezogen werden. Wenn allerdings jemand überführt wird, wenn sich jemand wirklich einen unfairen Vorteil verschaffen wollte, dann sollte er mit lebenslangem Startverbot dafür bestraft werden. In meinen Augen sind die Strafen für Dopingsünder noch immer zu lächerlich. Was sind zwei oder vier Jahre im Vergleich zu dem Betrug, der verübt wurde? Wenn man jedoch weiß, dass ein lebenslanges Startverbot auf dem Spiel steht, dann denkt man sicher genauer darüber nach, was man eigentlich tut.

Mein Element

Wasser ist mein Element. Ich arbeite damit, ich lebe davon. Es ist eine besondere Beziehung, die mich mit dem Wasser verbindet. Wasser ist Sympathie und Antipathie zugleich. Liebe und Hass.

Im Wasser konnte ich mich schon immer ausleben. Es Zug um Zug an meinen Ohren vorbeirauschen zu hören ist noch heute sehr befreiend für mich. Beim Schwimmen habe ich Vokabeln und Gedichte oder auch für Klassenarbeiten gelernt, die damals in der Schule auf mich warteten. Ich sang Lieder und glitt in meinem Schwimmrhythmus dahin. Wenn ich wütend war, konnte ich mich auspowern, alles aus mir herausholen, mich einfach nur abreagieren. Und wenn ich allein sein wollte, brauchte ich nur einzutauchen und mich von den Wellen treiben zu lassen. Es war und ist bis heute meine eigene Welt, in der ich einfach nur bin. Hier habe ich mich immer sicher gefühlt, und es bot manchmal die einzige Möglichkeit, mich der äußeren Welt zu entziehen.

Ich setze meine Badekappe und meine Schwimmbrille auf, damit die Haare nicht stören und ich alles ganz klar sehe. Nur so ist es perfekt. Dann tauche ich ein in mein Element, in die Stille, in das Gefühl. Ich schwimme mit dem Wasser, niemals dagegen. Ich nutze den Fluss und die Wasserverdrängung. Ich kann mich abdrücken vom Wasser, und ich kann es anfassen. Ohne dieses Gefühl geht gar nichts. Ich kämpfe nicht mit dem Wasser, und wenn doch, schwimme ich nicht schnell. Dann kommt es mir so vor, als würde ich ertrinken, sei völlig gefühllos und arbeite vergeblich. Das fühlt sich an, als ob mich das Wasser verschlingen würde.

Oft wird darüber diskutiert, warum Schwimmer sich rasieren, speziell vor Wettkämpfen. Dann ist die Rede von glatter Haut, von weniger Wasserwiderstand. Ich dagegen rasiere mich, um die Haut aufzurauhen und das Wasser noch besser spüren zu können. An Wettkampftagen rasiere ich mich trocken mit einem Nassrasierer, sodass ich die oberste Hautschicht förmlich abtrage. Das ist das I-Tüpfelchen zu einem unglaublichen Wassergefühl.

Im Lauf der Jahre ist Wasser für mich auch ein ernstes Element geworden. Darin mache ich meinen Job, und immer, wenn ich mit Wasser in Berührung komme, verlange ich auch etwas von mir. Ich will jede Minute im Wasser nutzen, um sportlich voranzukommen. Daher meide ich auch das Wasser in meiner Freizeit. Wasser zum Spaß? Für mich undenkbar!

Die meisten müssen schmunzeln, wenn sie hören, dass ich nicht im Meer bade, dass ich Angst vor Fischen habe. Aber es stimmt tatsächlich. Im Meer sehe ich nicht, was unter mir ist, fühle mich wehrlos. Fisch anfassen? Riechen? Essen? Nein danke! Ich kann nicht mal behaupten, aus Freundschaft zu meinen Artgenossen auf ihren Verzehr zu verzichten. Sie sehen selbst auf dem Teller noch ekelhaft aus.

Trotzdem habe ich 1994 meinen Tauchschein auf den Malediven gemacht. Wenn ich mit Neoprenanzug, Taucherbrille und Handschuhen zum Tauchen unterwegs bin, fühle ich mich sicher und schaue diesen komischen Kreaturen gern nach. Ich genieße die Stille und die Schwerelosigkeit und tauche wieder eine Zeit lang ein in mein Element.

Die 200 Meter Freistil und ich

Bis heute weiß ich nicht, wie meine Liebe zu dieser Distanz entstanden ist. Es ist nicht irgendeine Strecke, auf der ich halbwegs begabt wäre, es ist meine Strecke, die Königsdisziplin, und ich hänge an ihr mit ganzem Herzen. Die 200 Meter Freistil verlangen ein perfektes Zusammenspiel von Sprintfähigkeit und Ausdauerqualitäten. Zu Beginn muss ich schnell sein, und für die letzten Meter muss die Kraft dennoch reichen. Knapp zwei Minuten brauche ich für meine Strecke. In der gleichen Zeit läuft eine gute Leichtathletin die 800 Meter. Demnach gehören wir 200-Meter-Schwimmer zu den Mittelstrecklern. Diese magischen zwei Minuten, die manchmal wie im Flug vergehen und manchmal ewig dauern, haben immer wieder eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt. Als Kind habe ich alltägliche Dinge damit verbunden, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Wenn der Abwasch zu erledigen war, habe ich versucht, ihn in zwei Minuten zu schaffen. Bei der Fahrradtour mit der Familie bin ich ohne Ankündigung zwei Minuten wie der Teufel gerast. Oder ich beobachtete zwei Minuten lang einfach nur den Sekundenzeiger auf meiner Armbanduhr.

Wenn ich in der Vergangenheit darüber nachdachte, wie viel an diesen zwei Minuten hängt, hat sich in mir oft Verzweiflung breit gemacht. Da quält man sich tagaus, tagein, und das alles nur für lächerliche zwei Minuten! Anders als bei vielen Sportlern bestreiten wir Schwimmer nur einen wirklich wichtigen Wettkampf im Jahr, eine Europameisterschaft oder eine Weltmeisterschaft oder eben Olympische Spiele - und dann entscheiden eben zwei Minuten über Sieg oder Niederlage. Entweder gibt es die Belohnung für ein Jahr Training oder die schwere Enttäuschung und das Gefühl, die letzten Monate umsonst gearbeitet zu haben.

Und als wäre die eigene Enttäuschung nicht genug, kommt im schlimmsten Fall die öffentliche Häme dazu. Für eine lange Zeit hatte ich das Gefühl, mein Leben würde von diesen zwei Minuten abhängen, als würden allein sie mich zu einem besseren oder schlechteren Menschen machen. Ich identifizierte mich fast ausschließlich über diese zwei Minuten.

Seit dem Beginn meiner internationalen Karriere im Jahr 1992 gab es kein einziges Rennen über 200 Meter Freistil, das mir nichts bedeutet hätte. Jedes einzelne habe ich gelebt und geliebt.

Hungerturm

Spätestens nach den Olympischen Spielen 1996 konnte ich es nicht mehr verdrängen: Ich hatte ein Problem. Wann genau es angefangen hat, kann ich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Doch nach Atlanta war es greifbar. Ich hatte Silber gewonnen, aber in den Augen der Öffentlichkeit Gold verloren. Ich war maßlos enttäuscht von mir, war ich doch weit unter meiner Bestzeit geblieben. Statt Gratulationen für meine Silbermedaille, wie seinerzeit in Barcelona, bekam ich Mitgefühl, weil es nicht zu Gold gereicht hatte. So blieb mir kaum eine Chance, mich über das zu freuen, was ich geleistet hatte.

Woran hatte es gelegen, was hatte ich falsch gemacht?

Seit meiner frühen Jugend habe ich immer nach einem strengen Plan gelebt, hatte einen Trainer, der die Trainingspläne aufstellte, einen Manager, der die Terminpläne machte, und einen Stundenplan für die Schule. Nur beim Essen konnte niemand für mich entscheiden, das lag ganz allein in meiner Hand. Als junges Mädchen hatte ich gesehen, wie die älteren Schwimmerinnen öffentlich auf die Waage gehen mussten und als dick und unförmig bezeichnet wurden, wenn sie zwei Kilo zu viel hatten. Mir sollte das nicht passieren, ich wollte schlank und dadurch unangreifbar sein.

Das alles führte dazu, dass ich immer tiefer in eine Essstörung rutschte. Ich fühlte mich allein und hatte Schwierigkeiten, darüber zu reden. Worüber hätte ich mich beklagen sollen? Meine Welt schien heil zu sein, ich war jung, erfolgreich, schön und hatte ausgesorgt. Ich schämte mich dafür, so verletzt zu sein und solche Schwierigkeiten zu haben, ging es doch anderen viel schlechter als mir.

Essen wurde zum zentralen Thema in meinem Leben.

Ich verbrachte unglaublich viel Zeit damit, darüber nachzudenken, ob ich heute noch etwas essen könnte oder besser nichts mehr essen sollte, ob ich vielleicht etwas essen müsste und welche Folgen das hätte. An Hunger kann man sich gewöhnen, aber wenn man hungrig ist, kann man sich vor allem spüren. Ich hatte Magenschmerzen, also war ich.

Nach einem Jahr ließ ich mich endlich darauf ein, eine Spezialistin für Ernährungsstörungen aufzusuchen. Inzwischen hatte ich mein Training wieder aufgenommen, und genau das wollte mir die Psychologin verbieten. Ich besuchte sie zweimal und dann nie wieder. Abermals verging ein halbes Jahr, in dem mein Körper mehr und mehr unter den Folgen meiner Mangelernährung litt. Die Zeit des Nicht-Essens hatte ihre Spuren hinterlassen, mein Körper war ausgelaugt und kraftlos. Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich wusste, so kann es nicht mehr weitergehen.

1998 fand ich die Richtige. Vom ersten Moment an hatte ich einen Draht zu Friederike Janofske. Ich begann eine Therapie, die ich mehrmals abbrechen wollte und die ich - nach manchmal monatelangen Pausen - doch fortsetzte. Ich stand kurz vor meinem 19. Geburtstag, war erwachsen und doch so hin- und hergerissen. Wer bin ich? Was will ich? Was kann ich? Das waren die Fragen, die mir Friederike Janofske stellte. Sie fragte nicht, warum ich hungerte, und hielt mir keine Vorträge darüber, wie gefährlich das ist. Das wusste ich sowieso alles selbst. Stattdessen fragte sie nach den Zeiten, in denen ich mich richtig gut gefühlt hatte, wann ich etwas genießen konnte. Sie wollte wissen, was andere Menschen an mir schätzten, und ich kam nicht umhin, diese Fragen zu beantworten. Ich sagte ihr, dass Freunde mich für mein Mitgefühl schätzten, dass ich zuhören könne, dass ich witzig und albern sein könne und immer für einen Spaß zu haben sei.

Nachdem ich die schönen Seiten in meinem Leben wieder sehen konnte und die Erinnerungen daran ganz deutlich zurückkamen, machten wir uns auf die Suche nach meinem verlorenen Körpergefühl.

Es ging mir besser, und doch merkte ich, wie ich vor meiner inneren Ruhe davonlaufen wollte. Der Gedanke an Ruhe machte mich völlig nervös. Ich lernte, dass Stress mein Immunsystem an seiner Arbeit hindert und dass wohlige Gefühle nur entstehen, wenn man sich Zeit lässt. Dass zu jeder Anstrengung auch Ruhephasen gehören. Das wäre mir vorher nicht in den Sinn gekommen.

Mehr und mehr gewann ich das Vertrauen, mich meinen Gefühlen zu stellen, denen ich so lange den Zugang zu mir verwehrt hatte. Ich begann, mir meine Vergangenheit und meine Gegenwart anzusehen, und entwickelte Verständnis für die, die ich war. Meine Eltern waren beide berufstätig und immer sehr engagiert in ihrem Job gewesen. Schon als Kind erweckte ich den Eindruck, alles allein zu schaffen, und war sehr früh selbstständig. Nun sah ich, dass in der kleinen Franziska von damals ein tiefes Bedürfnis nach Eltern schlummerte, die nicht berufstätig sind, die endlos viel Zeit für ihre Kinder haben. Erst jetzt verstand ich, warum ich als kleines Mädchen in den Umkleideräumen herumgestöbert und heimlich in die Brote meiner Mitschüler gebissen hatte, die ihnen ihre Mütter geschmiert hatten. Jahrelang wusste niemand, wer der "Marder" war.

Langsam fing ich wieder an, regelmäßig zu essen. Und es passierte das, was mir nie passieren sollte. Mein auf Hunger programmierter Körper versuchte alles zu verwerten, was er bekommen konnte. Ich nahm zu und wurde für die drei Kilo, die sich mein Körper hart erkämpft hatte, öffentlich gebrandmarkt. Die Schlagzeilen waren wie Stiche in mein Herz (während Olympia 2000 in Sydney; Red.). Meine Therapeutin zeigte mir Techniken, mit deren Hilfe sich die Zeitungsenten nicht mehr in mein Hirn brannten. Ich lernte, mein Gehirn zu trainieren, die Worte und Sätze aus meinem Kopf zu verbannen, Kränkungen zwar zu empfinden, aber mein Selbstwertgefühl davon unberührt zu lassen. So entstanden verschiedene Bilder in mir. Ein Bild von mir als Sportlerin, die auftaucht und kraftvoll durchs Wasser gleitet. Ein anderes Bild zeigt eine, die sich in der Öffentlichkeit bewegt und zu sich stehen kann. Die Vorstellung von einer Person, die die Sympathie ihrer Freunde in deren Augen lesen kann, ist besonders schön.

Es war erleichternd, meine Schwächen, aber auch alle schönen Facetten meines Lebens gleichzeitig zu sehen. Es war wunderbar, mir dabei immer die Frage zu stellen, was gibt es noch in meinem Leben außer Schwimmen und was noch und was noch?

Inzwischen konnte ich das Training wieder wie gewohnt nutzen. Ich aß wieder, was mir schmeckte und worauf ich Appetit hatte, und ich merkte, wann ich satt war. Meine Welt wurde wieder bunt, ich sah mich selbst in satten Farben, las Bücher, die mich bewegten und berührten.

Bei der EM 2002 in Berlin gelingt Franziska van Almsick ein glanzvolles Comeback. Sie gewinnt fünf Goldmedaillen, schwimmt zwei Weltrekorde (Red.).

Der Abgang

Ich beendete meine Olympischen Spiele mit zwei Bronzemedaillen und einem Europarekord. Es ist nicht das, wovon ich geträumt habe, und doch fühlt es sich gut an, bei vier Olympischen Spielen insgesamt zehn Medaillen errungen zu haben. Vor der Reise nach Athen hatte ich immer gedacht, es würde mir schwerer fallen, Abschied zu nehmen. Ich hatte geglaubt, dieser letzte Schritt würde verdammt wehtun und ich müsste mir ein Hintertürchen offenhalten.

Doch ich trauere nicht und empfinde auch keine Wehmut. Ich spüre deutlich, dass für mich die Zeit gekommen ist, zu gehen und Platz zu machen für die nächste Generation. Mir war immer bewusst, dass ich ein Risiko eingehen würde, wenn ich nach den Europameisterschaften noch einmal zwei Jahre dranhänge. Jetzt merke ich, dass dieses innere Feuer, das seit fast 20 Jahren für meinen Sport brennt, am Erlöschen ist. Und ich lasse es geschehen, weil ich meine Zukunft sehen und Schwimmen mich nicht mehr ausfüllen kann.

In meiner sportlichen Karriere allerdings wird immer eine Lücke klaffen. Es gibt nichts Vergleichbares zu olympischem Gold. Ich werde nie die "Vollendete" sein, doch ist das wirklich erstrebenswert?

Natürlich hätte ich vieles gegeben, um meinen Traum zu verwirklichen, doch scheint es mir, als würde nur die "Unvollendete" wirklich zu mir passen. Ich glaube an das Schicksal, daran, dass alles einen höheren Sinn hat, auch das Unvollendete. Wie oft habe ich gesagt, dass mich ein Ausgang wie dieser nicht umhauen würde, wie oft habe ich gesagt, er würde mich nicht zu einem schlechteren Menschen machen.

Nun ist die Theorie bittere Wahrheit. Doch so bitter ist sie gar nicht. Denn da seid ihr da draußen, da sind mein Freund, meine Familie und meine Freunde, die mir zeigen, dass es eine schöne, eine angenehme Wahrheit ist. Ich bin 26 Jahre alt, war dreimal fast betrunken nach einer Party und hatte noch niemals einen "Filmriss". Ich habe noch nie Drogen ausprobiert, wenn man Alkohol und Zigaretten mal rausnimmt. Ich kenne in meiner Heimatstadt Berlin vielleicht drei Clubs oder Diskotheken, mehr nicht. Und auch sonst habe ich noch nie in meinem Leben richtig über die Stränge geschlagen. Ich habe im Jahr nur etwa vier Wochen Urlaub vom Schwimmen gemacht. Es ist nicht so, dass mir etwas gefehlt hätte. Es ist nicht so, dass ich jetzt unendlich viel nachholen müsste. Ich möchte damit nur sagen, dass ich wirklich für meinen Sport gelebt habe. Doch nun wird es Zeit für mich, ein anderes Leben zu beginnen. Ich bin jetzt aufgetaucht, die Zeit ist gekommen, um an Land weiterzuleben.

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