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Martin Schmitt: Ende einer langen Durststrecke

Jahrelang nur Pleiten, Pech und Pannen - doch nun ist Martin Schmitt wieder da. Der Weltmeister hat sich wieder in die Skisprung-Elite zurückgekämpft. Dank mühsamer Detailarbeit und eines neuen Trainers gilt er als Mitfavorit bei der anstehenden Vierschanzentournee.

Martin Schmitt schwebt derzeit auf Wolke Sieben durch die Lüfte und schickt sich an, dem deutschen Skisprung zu einer Renaissance zu verhelfen. Locker, lässig und stets mit einem Lächeln im Gesicht erlebt der 30 Jahre alte Routinier seinen zweiten Frühling auf den Schanzen, die er einst als Youngster beherrscht hatte. "Mit meinen guten Sprüngen bin ich konkurrenzfähig. Die persönliche Erleichterung darüber ist sehr groß", sagt Schmitt vor dem Auftakt der Vierschanzentournee.

Innerhalb weniger Wochen ist der viermalige Weltmeister, dessen letzter von 28 Siegen im Weltcup mittlerweile fast sieben Jahre zurückliegt, vom Wackelkandidaten zum Hoffnungsträger im deutschen Team aufgestiegen. "Es ist eine tolle Geschichte und eine Freude, mit ihm zusammenzuarbeiten. Es ist möglich, dass er bei der Tournee noch einen Sprung nach vorne macht", sagt Bundestrainer Werner Schuster über seinen Vorzeigespringer.

Erfolg eng mit dem neuen Coach verbunden

Schmitts sportliche Auferstehung, die er zuletzt mit vier Top-Ten- Ergebnissen unter Beweis stellte, ist eng mit dem neuen Coach verbunden. "Ich habe den Trainerwechsel als Chance gesehen. Emotional kann man von einem Neubeginn sprechen. Ich habe einen Schlussstrich unter das Vergangene gezogen", so der Mannschafts-Olympiasieger von 2002. Schuster habe nach der Amtsübernahme im April neue Ideen eingebracht. "Er hat mir Dinge gezeigt, die ich nicht kannte oder vernachlässigt hatte. Ich habe vom ersten Tag an einen positiven Schub verspürt."

Vor dem Erfolg standen Fleiß und Schweiß. "Bei Martin habe ich gespürt, der will wirklich seine Karriere auf einem hohen Niveau fortsetzen. Für ihn ist es wichtig, dass der rote Faden sichtbar ist. In dieser vertrauensvollen Konstellation hat er sich mehr geöffnet", beschreibt Schuster das Verhältnis. "Ich glaube, Werner Schuster hat einen guten Draht zu den Sportlern. Und das ist ganz wichtig, denn die müssen verstehen und umsetzen, was der Trainer will", sagt Deutschlands erfolgreichster Skispringer, Jens Weißflog.

Vor allem am Absprung hat Schmitt intensiv gearbeitet. "Wir haben technische Veränderungen in der Anfahrtsposition vorgenommen. Die Absprungbewegung ist der Schlüssel. Das ist eine mühsame Detailarbeit, die sich durch die ganze Vorbereitung zieht und wo man auch mal ein paar Wochen nicht vorwärtskommt", sagt der Schwarzwälder. Die Resultate in dieser Saison stellen ihm ein gutes Zeugnis aus, aber: "Ich sehe mich noch nicht am Ziel. Ich habe noch Reserven in der Anfahrtsgeschwindigkeit."

Unumstrittene Nummer eins im Team

Mit seiner Erfahrung und seinem wiedererlangten Können ist Schmitt die unumstrittene Nummer eins im DSV-Team. "Wie das bei Martin klappt, ist toll. Das tut uns allen gut", sagt Schmitts langjähriger Weggefährte Michael Uhrmann. Michael Neumayer zählt den Mann mit dem lila Helm bei der Vierschanzentournee sogar zum erweiterten Favoritenkreis. "Er ist unser Vorzeigeathlet und auf einem guten Weg, ganz vorne mitzumischen. Auf ihn ist Verlass."

Sogar die internationale Konkurrenz freut sich über Schmitts Rückkehr in die Weltspitze. "Ich gönne ihm das von Herzen, weil er einer der erfolgreichsten Skispringer ist und für mich zu den größten Respektspersonen im Weltcup gehört", sagt Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern aus Österreich.

Eric Dobias/DPA / DPA

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