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Big-Wave-Jagd in Nazaré: Surf-Star Maya Gabeira und ihr Kampf gegen die Monster der Vergangenheit

Die Riesenwellen von Nazaré kosteten sie 2013 um ein Haar das Leben: Nun ist die Profisurferin Maya Gabeira nach Portugal zurückkehrt. Sie will sich mit den Besten messen - und sich selbst beweisen, dass sie die größten Wellen der Welt erneut bezwingen kann.

Maya Gabeira kehrt zurück zum Ort ihres größten Unglücks: dem Big-Wave-Spot Nazaré in Portugal

Maya Gabeira kehrt zurück zum Ort ihres größten Unglücks: dem Big-Wave-Spot Nazaré in Portugal

Man muss schon etwas verrückt sein, um sich mit den Monsterwellen von Nazaré anzulegen: Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine Brandung, die regelmäßig im Winterhalbjahr Brecher von 20 bis 30 Metern Höhe produziert. Für Nicht-Surfer ist der Anblick einer Person, die eine 20 Meter hohe Wasserwand herabrast, einfach unvorstellbar - und nur schwer einzuordnen. Für jemanden der den Sport als Hobby betreibt, rufen die alljährlichen Videoaufnahmen von der portugiesischen Küste fast so ein Gefühl wie Panik hervor - auch weil man weiß, welche unglaubliche Wucht schon eine Zwei-Meter-Welle haben kann.

Auch dieses Jahr messen sich wieder die besten Big-Wave-Surfer der Welt mit den Giganten der portugiesischen Küste - immer auf der Jagd nach der perfekten Welle. Und auch sie ist nach zweijähriger Zwangspause wieder mitten drin: Maya Gabeira, 28 Jahre alt, 1,68 Meter. Viel Mut braucht man beim Big-Wave-Surfen, einer Disziplin des Wellenreitens bei denen man möglichst große Brecher abfährt, zweifelsohne. Doch wenn man die Geschichte von Maya Gabeira kennt, fragt man sich schon, wie jemand der dem Tod schon so nahe war, nach nur zwei Jahren wieder in Nazaré an den Start gehen kann.

Dunkelheit umschließt sie

Der Unfall, der Gabeira fast das Leben kostet, ereignet sich im Oktober 2013: Eine 24 Meter hohe Welle rast auf die Küste vor Nazaré zu. Gaberia zögert nicht lange, stürzt sich in die Fluten und lässt sich mit dem Jet-Ski auf die Welle ziehen, bevor diese anfängt du brechen. Die Wassermassen türmen sich auf - schnell beschleunigt die damals 26-jährige Brasilianerin auf eine Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde, während sie ins Wellental hinabrast.

Bei solchen Geschwindigkeiten wird Wasser steinhart - die Belastung auf die Gelenke ist immens. Bereits beim dritten Buckel auf der Welle bricht ihr der Knöchel. Kurz danach verliert sie die Kontrolle, stürzt in die Fluten, der Sog der Welle zieht sie in die Tiefe - Dunkelheit umschließt sie. Irgendwie schafft sie es dennoch, sich zurück an die Oberfläche zu kämpfen. Da ist sie bereits fast am Ende ihrer Kräfte. 


Ihr Surfpartner Carlos Burle versucht sie noch mit einer Leine ans Ufer zu ziehen, doch sie ist zu schwach sich festzuhalten. Sie verschwindet wieder unter Wasser. Nach einer gefühlten Ewigkeit gelingt es Burle die Profisurferin aus dem Wasser zu ziehen. Minutenlang reanimiert er sie am Strand - mit Erfolg. Gabeira überlebt. 

"Es wird friedlich, wenn man das Bewusstsein verliert"

Kurz nach ihrem Unfall spricht Gabeira damals mit dem Surfmagazin "Stab": "Sobald ich die Augen geöffnet hatte, kann ich mich an alles erinnern." "Die Leute von Red Bull, die an der Klippe standen, riefen die Feuerwehr - die Feuerwehrmänner schnappten mich". Später im Krankenhaus sei Gabeira einfach nur glücklich gewesen, am Leben zu sein. " Ich hatte Glück, dass ich so viel trainiere und das ich den besten Surfpartner der Welt habe (…) Am Ende des Tages konnten wir mein Leben retten. Und ich finde, das ist was zählt." Auf die Frage wie es sich anfühle zu ertrinken sagt die Brasilianerin: "Es ist echt heftig. Es wird friedlich, wenn man das Bewusstsein verliert. Wenn man weg ist, ist man weg."

Zwei Jahre später scheint sich Gaberia von ihrem traumatischen Erlebnis vollkommen erholt zu haben. Physisch und psychisch. Der Weg zur Genesung war jedoch kein leichter: 2014 ging sie noch auf Krücken - und stand auch schon wieder auf dem Surfbrett. Anfang dieses Jahres dann versuchte sie sich wieder an den Big-Waves. Nun also die Rückkehr nach Nazaré.

Dem Magazin "Business Punk" berichtete Gabeira im Vorfeld der Big-Day-Tage darüber, was sie antreibt: "Der wichtigste Grund für die Rückkehr ist persönlich: Ich habe dort einen Job zu beenden", so die Brasilianerin. "Natürlich will ich dort den Weltrekord brechen". Sie gestand, dass "sie natürlich Angst habe, an den Ort zurückzukehren, an dem sie beinahe ihr Leben verlor. (…) Aber ich trainiere nun doppelt so hart wie zuvor, um diese Herausforderung zu bestehen. Ich werde viel besser vorbereitet sein als das erste Mal."

Ans Aufhören hat sie noch nie gedacht

Ihre Ziele sind hoch gesteckt. Vielleicht zu hoch? Bereits kurz nach ihrem traumatischen Erlebnis 2013 gab es Kritik am Gabeiras Wagemut: Mehrere weltbekannte Surfer zweifelten öffentlich daran, ob die junge Brasilianerin in der Lage sei, in der größten Brandung der Welt zu bestehen - ohne sich einem unkontrollierbaren Risiko auszusetzen.

Força, foco e fé ! Foto: @rodcebrian

Ein von Maya Gabeira (@maya) gepostetes Foto am


Trotz der Skepsis ihrer Kollegen ist Gabeira in der vergangenen Woche nach Nazaré zurückgekehrt, hat sich den Monstern der Vergangenheit gestellt, ist Wellen heruntergerast und hat ihren Platz im Lineup wieder für sich beansprucht.

Umfangreich geäußert hat sie sich noch nicht nach ihrer Rückkehr. Wie die Wellen in Nazaré für sie so liegen hat sie lieber über die sozialen Netzwerke mitgeteilt.

#nazare2015 foto: @plmiranda

Ein von Maya Gabeira (@maya) gepostetes Foto am


Auf Instagram, lässt die vielleicht beste Big-Wave-Surferin der Welt eher die Bilder für sich sprechen - und schreibt, sie könne nicht abwarten, was ihr die Saison so bringen werde. Hauptsache sie lässt sich nicht von ihren Zielen abbringen.

amt
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