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Mehr Sport: Britta Steffen äußert sich zu ihrer WM-Aufgabe

Die durchaus guten Leistungen der deutschen Schwimmer bei der WM in Shanghai werden immer noch leicht überschattet von der fluchtartigen Abreise Britta Steffens. Die Goldhoffnung des DSV äußerte sich nun erstmals öffentlich zu ihrer Entscheidung und zwang die sportliche Leitung zum Einsatz eines Smartphones.

Als Weltmeisterin war Britta Steffen nach Shanghai gereist, doch es wurde eine WM der bitteren Momente. Nach der Enttäuschung mit der Staffel und dem verpatzten Vorlauf über die 100 Meter verließ die DSV-Hoffnung die Wettkämpfe und äußerte sich nun erstmals zu ihrer fluchtartigen Abreise.

Doch während Steffen ihre Entscheidung begründete, hatte der Deutsche Schwimm-Verband noch Redebedarf mit seiner Top-Athletin und deren Management. "Es ist so, dass das keine Optimalvariante war. Bestimmte Sachen hätte ich anders gemacht als das Management", sagte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow in Shanghai. Er hätte "eine andere Vorgehensweise schöner gefunden". Das Gespräch werde im Rahmen der allgemeinen Auswertung und Analyse der WM geführt.

Der Rat kam aus dem Umfeld

In einem Interview der Bild am Sonntag, über dessen Inhalt sich die sportliche Leitung in Shanghai erst mittels eines Journalisten-Smartphones schlaumachen musste, hatte Steffen zuvor ihren verfrühten WM-Abbruch begründet. "Mein Umfeld hielt es für die beste Lösung. Sich die 100 und 50 Meter Freistil von der Tribüne aus anzusehen, wäre unerträglich gewesen", sagte die Doppel- Olympiasiegerin.

Nach dem enttäuschenden Vorlauf sei ihr Trainer Norbert Warnatzsch auf sie zugekommen, und habe vorgeschlagen, die WM abzubrechen. "Die beste Lösung ist, dich in den Flieger zu setzen und nach Hause zu fahren", gab Steffen Warnatzschs Aussage wieder.

Der Vorschlag ihres Vertrauten sei mit Bundestrainer Dirk Lange und Leistungssportdirektor Lutz Buschkow abgestimmt worden. "Das war eine den Umständen entsprechend gute Atmosphäre, und ich bin dem Verband dankbar, dass er meine Abreise akzeptiert hat", sagte Steffen. Das kommentierte Buschkow nicht. Er verwies auf die Athletenvereinbarung, der Verband werde nach einer gewissen Zeit "das eine oder andere einordnen".

Karriereende undenkbar

Ein Karriereende ist für die Sportlerin des Jahres 2008 kein Thema: "Ich brenne noch für diesen Sport und die damit verbundenen Ziele." Sie habe in Shanghai "niemandem zur Last fallen und runterziehen" wollen, entgegnete Steffen auf die Frage, ob sie das Gefühl habe, das Team im Stich gelassen zu haben. Freund Paul Biedermann habe sich in bei der WM "sehr ritterlich verhalten. Das werde ich ihm nie vergessen." Er hatte sie auch gegen Kritik verteidigt.

Aktivensprecherin Dorothea Brandt zeigte Verständnis für die WM-Abreise Steffens. "Sie hat auf jeden Fall das Recht, sich selbst zu schützen", sagte die Sprintspezialistin. Die Geschehnisse um die Doppel-Olympiasiegerin seien für das Team allerdings "sehr überraschend" gekommen und auch "problematisch" gewesen.

Kein Konter gegen Van Almsick

"Es geht ihr momentan, glaube ich, nicht gut, das kann man zwischen den Zeilen auf jeden Fall lesen. Und das tut mir natürlich leid", sagte Brandt. Im August soll es ein Gespräch zwischen Mannschaft und Steffen in einem Trainingslager geben.

Franziska van Almsicks Kritik ("Manchmal muss man eben auch die Arschbacken zusammenkneifen") an dem Verzicht auf die abschließende Lagen-Staffel kommentierte Steffen nicht. "Das ist ihre Meinung. Wenn sie das so sieht, ist das in Ordnung", sagte die entthronte Weltmeisterin.

sportal.de / sportal
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