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Mehr Sport: Phelps feiert Silberne WM-Hochzeit

25. WM-Titel, sechzehnjährige Geschosse aus Kalifornien, ausgebuhte Weltmeister und eine Hundertstelsekunde zu langsam - der vorletzte Tag der Schwimm-WM in Shanghai hatte einiges zu bieten.

Michael Phelps holte sich sein drittes Gold von Shanghai und seinen 25. WM-Titel insgesamt mit seinem Sieg über 100m Schmetterling. Wie erwartet hatte der Superstar keine echte Konkurrenz zu fürchten und gewann in 50,71 Sekunden vor dem Polen Konrad Czerniak (51,15) und Tyler McGill (USA, 51,26). Wie schon über seine Paradestrecke 200m Schmetterling war es Phelps' dritter WM-Titel in Folge - neben Olympiagold über beide Distanzen in Athen und Peking.

Shooting Star Melissa "Missy the Missile" Franklin gewann nach Bronze über 50m Rücken und Staffelgold über 4x200m Freistil mit der US-Staffel ihre erste Einzelgoldmedaille über 200m Rücken. Die 16-Jährige verbesserte ihre persönliche Bestzeit und den US-Rekord mit 2:05.10 und dürfte bei ihrer Leistungskurve schon bald den Weltrekord der im Halbfinale ausgeschiedenen Kirsty Coventry gefährden können.

Der Endlauf geriet zum Teenager-Festival, da keine der ersten Fünf über 20 Jahre alt war. Silbermedaillengewinnerin Belinda Hocking aus Australien gab mit 20 fast schon den Methusalem des Finals und schwamm 2:06.06, Bronze ging an die 17-jährige Niederländerin Sharon van Rouwendaal (2:07.78) vor Daryna Zevina (Ukraine, 16) und Elilzabeth Beisel (USA, 18).

DSV-Lagenstaffel disqualifiziert

Die deutsche Lagenstaffel der Damen mit Jenny Mensing, Sarah Poewe, Sina Sutter und Daniela Schreiber wurde im Finale Siebte, nachträglich aber wegen eines Wechselfehlers disqualifiziert, ebenso wie die Kanadierinnen. Weltmeister wurde die US-Staffel in einer hervorragenden Zeit von 3:52.36, wobei Schlussschwimmerin Missy Franklin kurz nach ihrem Gold über 200m Rücken eine exzellente Split-Zeit von 52,79 Sekunden beisteuerte. Silber ging an China (3:55.61) vor Australien (3:57.13).

Publikums-Buhmann César Fielo gewann über 50m Freistil seine zweite Goldmedaille der WM nach den 50m Schmetterling. Dass der Weltrekordhalter, Olympiasieger und Titelverteidiger aus Brasilien gewinnen würde, war keine Sensation. In 21,52 Sekunden blieb der nach einem positiven Dopingtest dennoch nicht gesperrte Fielo zwar deutlich unter seinem Weltrekord (20,91) und der WM-Zeit von Rom (21,08), aber schwamm trotzdem eine ohne Anzug beachtliche Weltjahresbestzeit.

Unerwarteter war da schon Platz vier für den Amerikaner Nathan Adrian, der in 21,93 Sekunden im Kampf um eine Medaille hauchdünn vom Italiener Luca Dotto (21,90) und Alain Bernard aus Frankreich (21,92) geschlagen wurde.

Nervenbündel Alshammar

Etwas überraschend verlor auch Weltrekordhalterin Therese Alshammar das Rennen über 50m Schmetterling gegen die Niederländerin Inge Dekker. Im Vorlauf und dem Halbfinale war Alshammar noch jeweils die Schnellste gewesen und hätte mit beiden dort geschwommenen Zeiten auch Gold gewonnen - genau so war es auch 2009 gelaufen. Damals war Alshammar nach Bestzeiten in den Vorläufen im Finale sogar nur Vierte geworden.

In Shanghai reichten ihre 25,76 Sekunden im Endlauf immerhin zur Silbermedaille hinter Dekker (25,71), die damit ihren ersten Einzeltitel nach dem Staffelolympiasieg mit der niederländischen Sprintstaffel feiern konnte. Dritte wurde Melanie Henique aus Frankreich in 25,86 Sekunden. Titelverteidigerin Marieke Guehrer aus Australien wurde nur Achte in 26,21.

Doppelolympiasiegerin Rebecca Adlington holte am vorletzten Tag die erste britische Goldmedaille von Shanghai über die 800m. In 8:17.51 Minuten siegte die Weltrekordhalterin vor der Titelverteidigerin Lotte Friis aus Dänemark (8:18.20) und Kate Ziegler (USA, 8:23.36).

Brandt zu langsam - um 0,01 Sekunden

Um nur eine Hundertstelsekunde verpasste die Berlinerin Dorothea Brandt das Finale über 50m Freistil. Bei ihrer ersten WM scheiterte die 27-Jährige im Halbfinale und zeigte sich im Interview in der ARD untröstlich, da sie vier der Endlaufteilnehmerinnen "in diesem Jahr schon locker geschlagen" habe.

25,06 Sekunden reichten für Brandt im ersten Halbfinale zwar für Platz vier, aber im zweiten Lauf war Arianna Vanderpool-Wallace aus den Bahamas als Fünfte knapp schneller als die Deutsche. Die 100m-Freistil-Weltmeisterin Jeanette Ottesen aus Dänemark geht als Schnellste in den Endlauf, in dem sie sich unter anderen mit Therese Alshammar, Ranomi Kromowidjojo und Fran Halsall messen muss.

Auch Helge Meeuw verpasste über 50m Rücken das Finale. Mit einer um 0,16 Sekunden langsameren Zeit als im Vorlauf schied der Magdeburger in 25,20 aus. Andersherum machte es der Engländer Liam "Fatboy" Tancock, der seine zehntbeste Vorlaufzeit um 0,64 Sekunden steigerte und als Schnellster aus den Halbfinals in den Endlauf einzog.

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

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