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Ehemaliger Olympiasieger: Was macht eigentlich … Michael Groß?

Drei Olympiasiege, fünf Weltmeistertitel: Der "Albatros" Michael Groß ist einer der erfolgreichsten Schwimmer aller Zeiten.

Michael Groß: Was macht der ehemalige Olympiasieger  heute?

Michael Groß, 54, auf dem Campus der Goethe-Universität in Frankfurt, wo er lehrt

Ziehen Sie heute im Schwimmbad aus Spaß noch mal eine Bahn so richtig durch?

Selten. In meiner Karriere bin ich knapp 40.000 Kilometer geschwommen. Ins Schwimmbad gehe ich heute vor allem im Urlaub. Viel lieber schwimme ich mittlerweile im Meer oder im See. Andere Sportarten wie Mountainbiken oder Wakeboarden machen mir aber auch viel Spaß.

Sie gewannen drei olympische Goldmedaillen, fünf WM-Titel, 13 EM-Titel und stellten zwölf Weltrekorde auf. Der überraschendste Sieg?

Die Goldmedaille über 100 Meter Schmetterling bei den Spielen in Los Angeles 1984. Das war schon spektakulär: Der Weltrekordhalter Pablo Morales unterbot bei dem Rennen seinen eigenen Weltrekord, wurde aber trotzdem nur Zweiter, weil ich einen neuen Weltrekord aufstellte. Darüber war ich selbst so perplex, dass ich sofort nach dem Anschlag zu ihm hinüberschwamm und ihn tröstete. Der war total fertig.

Unglaublich.

Ja, es wurde noch verrückter: Nur 100 Minuten später war die 4 x 200-Meter-Freistil-Staffel, und es kam zur umgekehrten Situation: Wir Deutschen waren Vorlaufschnellste und Weltrekordhalter, unterboten im Rennen unseren eigenen Weltrekord und wurden trotzdem von den USA geschlagen, die jetzt wiederum einen neuen Weltrekord aufstellten.

Damals war es Tradition geworden, dass sich die deutsche Staffel zum jeweils letzten Rennen etwas Verrücktes einfallen ließ und das Stadion zum Beispiel in Tierkostümen betrat. Was war Ihr bester Gag?

Die Toga-Party bei der WM in Madrid 1986. Wie die alten Römer marschierten wir mit Toga und Römerlatschen in die Arena. Für die Party nach dem Rennen hatten wir in einem Einkaufswagen 120 Bierdosen verborgen, vier pro Schwimmer. Ist natürlich viel zu viel. Wie das reinzieht! Nach so einer körperlichen Beanspruchung ist man schon nach zwei Dosen breit. War ein Riesenspaß. Nur die Amerikaner machten nicht mit. Die dürfen ja unter 21 keinen Alkohol trinken.

Wegen Ihres Schwimmstils und Ihrer Armspannweite von 2,13 Meter bei 2,01 Meter Körpergröße bekamen Sie den Spitznamen Albatros. Mögen Sie ihn?

Eigentlich finde ich ihn positiv. Und jetzt gibt es sogar eine Briefmarke mit dem berühmten Ausspruch "Flieg, Albatros, flieg". TV-Kommentator Jörg Wontorra feuerte mich damals in Los Angeles so an. Der Ausspruch wurde legendär.

Mittlerweile sind Sie Unternehmensberater, Dozent, Coach, Redner und Autor. Was ist Ihr Hauptjob?

Unternehmensberater. Mit meiner Firma mache ich Unternehmen fit für den digitalen Wandel und schaffe neue Perspektiven für die Zukunft. Zugleich bin ich Lehrbeauftragter für Digital Leadership an der Goethe-Universität in Frankfurt. Kernthema ist, wie sich Unternehmen in der Führung und Organisation verändern sollten, um im digitalen Zeitalter weiterhin erfolgreich zu sein. Beide Aufgaben ergänzen sich perfekt: So kann ich aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in meine Beratungstätigkeit einfließen lassen.

Früher haben Sie Ihrem Körper ständig neue Bestleistungen abverlangt. Faulenzen Sie heute auch mal auf dem Sofa?

Nein. Dazu bin ich nicht der Typ. Ich bekomme den Kopf am besten frei durch neue sinnliche Erfahrungen. Letzten Herbst war ich beispielsweise zum Wandern in den Alpen. Diese wunderschöne Landschaft und die klare Bergluft: herrlich! 

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