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NBA: Basket Case - Back to School

Womit vertreiben sich die NBA-Stars ihre Zeit, wenn es nach wie vor keinen Plan für die neue Saison gibt? Welche Spieler werden sich Deron Williams anschließen, und sich für den Herbst einen Club in Europa suchen? Und wo wird Steve Nash in der nächsten Saison Basketball spielen? Das und viel mehr wird uns heute im Basket Case beschäftigen.

Womit vertreiben sich die NBA-Stars ihre Zeit, wenn es nach wie vor keinen Plan für die neue Saison gibt? Welche Spieler werden sich Deron Williams anschließen, und sich für den Herbst einen Club in Europa suchen? Und wo wird Steve Nash in der nächsten Saison Basketball spielen? Das und viel mehr wird uns heute im Basket Case beschäftigen.

Aber zunächst mal zum alles überschattenden Thema, dem Lockout. Am heutigen Montag soll nun also nach 30 Tagen Pause die nächste Verhandlungsrunde stattfinden. Während die Clubbesitzer nach wie vor kaum Statements von sich geben und den Spielern und Fans damit kaum Hoffnung auf eine Abweichung von ihrem bisherigen Kurs machen, hört man aus den Reihen der Spieler mittlerweile viele Stimmen, die eher geneigt sind, einen Schritt auf die Besitzer zu zu machen, als weiterhin hart an den vor dem Lockout formulierten Zielen festzuhalten.

Spielergewerkschaft bereit zu Zugeständnissen

So erklärte Derek Fisher, Präsident der Spielergewerkschaft NBAPA, gegenüber dem Sender ESPN: "Wir wollen zunächst mal am liebsten gar nicht über Zahlen reden. Uns geht es darum, das System der Geldverteilung so zu gestalten, dass es sowohl für Stars als auch für neu in die Liga kommende Spieler fair ist. Wenn das System stimmt, finden sich die Zahlen wahrscheinlich wie von alleine." Nach wie vor sind die Hauptstreitpunkte der Besitzer und der Spieler die maximalen Vertragslängen, der Salary Cap (die Höchstgrenze der Gehälter pro Team) sowie die Aufteilung des Gesamtgewinns der Liga, bei der sich die Teambesitzer stark benachteiligt fühlen und dabei auf eigene Verluste aufmerksam machen, die es laut Spieler in dem genannten Umfang von 340 Millionen Dollar gar nicht gibt.

Abwarten und Tee trinken heißt da wohl die Devise, aber selbst nach optimistischsten Schätzungen von Liga-Insidern wird es vor Mitte Februar wohl keine Saison geben - was auf eine stark verkürzte Spielzeit (im Gespräch sind 40 bis 50 Spiele innerhalb von knapp drei Monaten) schließen lässt.

Asien - Exilspielstätte für All-Stars?

Womit vertreibt man sich also die Zeit, wenn man als Spieler genug Geld auf dem Konto hat und nicht auf ein Jahr seines Gehalts angewiesen ist? In vielen Fällen natürlich trotzdem mit der Lieblingsbeschäftigung, dem Basketballspielen. So zieht es momentan viele der Stars nach Asien. Teils nur, um ihre Ausrüster zu promoten, teilweise aber auch, um tatsächlich auf dem Court zu stehen. Wann kriegt man, abgesehen vom All-Star Game, schon mal die Chance, mit den besten des eigenen Fachs auf dem Parkett zu stehen?

Besonders die Fans auf den Philippinen bekamen letzte Woche ein Schmankerl geboten. Angeführt von Kobe Bryant hatten sich Chris Paul, Derrick Rose, Kevin Durant, Tyreke Evans Derek Fisher und einige andere Stars der NBA in Manila eingefunden, um zwei Spiele gegen ein All-Star Team der heimischen Liga sowie das philippinische Nationalteam zu absolvieren. Eingeladen vom Multimillionär Manuel V. Pangilinan waren die Spieler gern angereist, nur um jeweils von einer mit 20000 Menschen ausverkauften Halle gefeiert zu werden.

Ähnliche Begeisterung schlug Bryant und Paul auch in China entgegen, wo die beiden jeweils ein Basketballcamp abhielten - zur Freude der chinesischen Fans, die ja spätestens seit yao Mings toller Karriere einen großen Bezug zum amerikanischen Basketball haben.

Und so ist es auch kaum verwunderlich, das Chris Paul sowie der sich ebenfalls auf Promotion-Tour befindliche Carmelo Anthony nur positive Worte für den asiatischen Markt übrig hatten, und sich sogar ein Engagement in China vorstellen könnten, sollte der Lockout sich tatsächlich bis ins nächste Jahr hinziehen.

Nach ihren Plänen für die nächsten Monate gefragt, erklärten beide unisono, dass für den Fall eines temporären Auslandswechsels nur China in Frage käme. "Es gibt so viel Geschichte hier, die Fans sind super - warum sollte man es nicht probieren?", so Anthony zum chinesischen Fernsehen.

Besiktas will den nächsten Superstar - Auch Durant überlegt

Nach wie vor nicht vom Tisch ist ebenfalls Kobe Bryants Plan, möglicherweise in der Türkei aufzulaufen. Nötig hätte er es sicher nicht, aber da Turkish Airlines einer seiner privaten Sponsoren ist und sich mit dem Namen Bryant natürlich fast überall auf der Welt Geld verdienen lässt, steht ein Angebot über zehn Millionen Dollar für neun Monate offenbar schon seit Wochen im Raum. Zwar nicht ganz die Summe, die Bryant im nächsten Jahr bei den Los Angeles Lakers verdient hätte - dabei geht es um 26 Millionen Dollar - aber doch ein nettes Zubrot zu seinen zahlreichen Werbeverträgen. Außerdem wäre er ja nicht allein, schließlich hat der an ihm interessierte Club Besiktas Istanbul ja bereits Deron Williams verpflichtet.

Bryant selber hüllt sich nach wie vor in Schweigen. Einzig die Tatsache, dass er generell im Falle eines Lockouts gerne "irgendwo in Europa" spielen würde, betonte der Guard der Lakers auch am Wochenende einmal mehr. "Ich warte nur darauf, dass mein Telefon klingelt. Seht selber, ich habe es immer dabei", so Bryant auf einer Pressekonferenz anlässlich der World Football Challenge zwischen Manchester United und dem FC Barcelona am Samstag in Washington, während er sein Telefon neben sich auf dem Tisch platzierte.

Und auch der beste Korbjäger der Liga, Kevin Durant, scheint sich immer mehr mit dem Gedanken anzufreunden, ein halbes Jahr oder länger im Ausland zu spielen, sollte die NBA-Saison tatsächlich gar nicht oder nur verkürzt stattfinden. Befragt während eines Spiels der WNBA sagte Durant: "Ich würde sagen die Chancen stehen 50 zu 50. Natürlich würde ich am liebsten mit meinen Jungs von den Oklahoma City Thunder in eine komplette Saison starten, nachdem wir im letzten Jahr bereits im Halbfinale waren. Aber ich bin ein Basketballverrückter. Und ich will spielen, egal wo. Und wenn es hier keine Saison gibt, dann eben woanders."

Kein Basketball? - Back to school!

Am eindrucksvollsten beweist das dieser Tage Baron Davis, seines Zeichens Point Guard der Cleveland Cavaliers. Während viele seiner Kollegen touren oder einfach faul auf dem heimischen Sofa liegen, hat sich Davis dazu entschlossen, weiter an seinem vor zwölf Jahren abgebrochenen College-Abschluss zu arbeiten. Nachdem er 1999 im Draft an dritter Stelle von den Charlotte Hornets (heute New Orleans Hornets) ausgewählt wurde, musste er sein Studium natürlich unterbrechen.

Während kaum ein Spieler im weiteren Verlauf seines Lebens noch einmal darüber nachdenkt, sich wieder Büchern, Vorlesungen und Prüfungen zu widmen, war das tatsächlich Davis' erster Gedanke, als der Lockout akut wurde. Und so schrieb er sich ohne zu zögern an seiner ehemaligen Universität, der University of California, Los Angeles, kurz UCLA, ein. Mittlerweile ist er, wie er selber sagt, wieder ein Vollzeit-Student, der Kurse in Geschichte der Amerikanischen Sklaverei, Filmgeschichte und Amerikanischer Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts belegt.

"Solange der Lockout andauert, werde ich weiter zur Schule gehen. Ich komme meinem Abschluss näher und es hält mich vom Geldausgeben und anderen Dummheiten ab. Das ist für mich wie ein Vollzeitjob", so Davis in einem Interview mit nba.com. Bereits vor 7 Jahren hatte Davis sich während der Sommerpause der NBA an einer Rückkehr ans College versucht, war damals allerdings laut eigener Aussage noch nicht reif genug, das Studium mit der notwendigen Ernsthaftigkeit anzugehen.

Was tun, Steve Nash?

In Anbetracht des Lockouts, der sich durchaus ja auch auf die komplette nächste Saison ausweiten könnte, wird immer bunter über die Free Agents des Jahres 2012 diskutiert. Abgesehen von den großen Namen wie Chris Paul und Dwight Howard rückt dabei ein zweimaliger MVP immer mehr ins Blickfeld. Steve Nashs Vertrag bei den Phoenix Suns läuft nämlich im nächsten Sommer ebenfalls aus.

Nun stellt sich für die Suns die Frage: Sollte man noch einen Trade anstreben, um wenigstens noch die Möglichkeit zu haben, für Nash halbwegs gleichwertigen Ersatz an Land zu ziehen und somit den Neuaufbau der Mannschaft, bei der nur 5 Spieler Verträge über 2012 hinaus haben, zu beginnen? Oder sollte man tatsächlich nochmals mit dem 37-jährigen Point Guard verlängern und versuchen, mit dem verbleibenden Geld bis zum Salary Cap einen zweiten Superstar zu verpflichten, um dann ab 2014 das Team komplett neu aufzubauen?

Für den Trade spricht meiner Meinung nach um einiges mehr. Zunächst mal wäre es fair, Nash, der unbestritten einer der drei besten Spieler ist, die jemals in Phoenix gespielt haben, durch einen Trade eine letzte Chance auf eine Meisterschaft zu ermöglichen. Und ob sich im nächsten Sommer tatsächlich einer der Top-Free Agents für ein Engagement bei den Suns entscheiden würde, ist überaus fraglich, denn das Gerüst um Nash herum ist alles andere als solide. Da Nash niemals selber um einen Trade bitten würde, müsste der Verein nun einfach den ersten Schritt machen - was aber sicherlich die sinnvollste Entscheidung für alle Beteiligten wäre.

Frank heuert bei den Pistons an

Eine Nachricht haben wir sogar noch, die tatsächlich etwas mit dem aktuellen Geschehen in der Liga zu tun hat. Die Detroit Pistons haben nämlich einen neuen Coach. Lawrence Frank, jahrelanger Coach der New Jersey Nets und zuletzt als Assistenz-Coach bei den Boston Celtics angestellt, wird die schwierige Aufgabe übernehmen, beim Champion des Jahres 2004 wieder Ordnung zu schaffen. In den letzten beiden Jahren wurden unter dem vorherigen Coach John Kuester die Playoffs jeweils klar verpasst, und vor allem das Verhalten der Spieler und der Teamgeist waren, für alle Beobachter klar zu erkennen, miserabel.

So weigerten sich sieben Spieler, vor einem Spiel zum Aufwärmen anzutreten, weil ihnen die Behandlung durch den Coach nicht gefiel, und vor allem die verbliebenen Stars Tayshaun Prince und Richard "Rip" Hamilton legten sich immer wieder öffentlich mit Coach und Clubmanagement an.

Nun soll es also Frank richten, der in seinen fast 5 Jahren bei den Nets sowohl Höhen als auch Tiefen erlebte, dennoch aber als solider und kreativer Coach gilt. Nachdem man mit Brandon Knight, Kyle Singler und Vernon Macklin drei durchaus vielversprechende Draft-Pics landen konnte, gilt es nun, den Teamgeist wiederzufinden und der Mannschaft ein neues System einzuimpfen - allein schon aus Mangel an routinierten Big Men. Wobei nicht auszuschließen ist, dass der neue Besitzer der Pistons, Tom Gores, noch einmal die Geldschatulle öffnet und das Management sich auf dem Free Agent-Markt bedienen darf.

Wie alle Fans warte natürlich auch ich darauf, dass man sich endlich wieder mit Free Agents, Trades und Spielplänen befassen kann. In diesem Sinne: Daumen drücken für einen schnellen und erfolgreichen Abschluss der CBA-Verhandlungen!

Oliver Stein

sportal.de / sportal

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