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NBA: Bedroht der NBA-Lockout die WNBA?

Während die Herren der Schöpfung ihre Saison bereits hinter sich haben und nicht wissen, ob die nächste Spielzeit bereits im Oktober startet, sind die Damen der WNBA noch mitten im Kampf um die Playoff-Plätze. Und ebenso mitten in der Debatte um die Aussperrung in der NBA.

Während die Herren der Schöpfung ihre Saison bereits hinter sich haben und nicht wissen, ob die nächste Spielzeit bereits im Oktober startet, sind die Damen der WNBA noch mitten im Kampf um die Playoff-Plätze. Und ebenso mitten in der Debatte um die Aussperrung in der NBA.

Auch wenn sechs der zwölf Teams in der Liga mittlerweile unabhängige Besitzer haben, die NBA finanziert immer noch die Frauen-Liga und fügt so Jahr für Jahr der eigenen Bilanz einen Minusposten hinzu. Seit dem Ligastart 1997 gab es noch kein Jahr mit einem Plus in der WNBA, 2010 schaffte es zum ersten Mal das Team aus Connecticut, die Sun, für sich Gewinne einzufahren.

Angesichts der Tatsache, dass das Hauptargument für die Forderung an die Spieler zum Gehaltsverzicht jährliche Verluste von mindestens 300 Millionen Dollar sein sollen, wäre die Trennung von einem "Geschäftszweig", der in 14 Jahren seiner Existenz noch keinen Cent Gewinn verbuchen konnte, sicher eine zu überdenkende Lösung. Wenn allerdings mit mehr symbolischem, als wirklichem Wert.

Bruchrechnung

Doch halt, sagen die Verteidiger des Frauen-Basketballs, diese Verluste sind so gering. Bedenkt man dazu, dass die Spielerinnen aller Teams noch nicht einmal halb so viel (ca. 10 Millionen Dollar) verdienen, wie Kobe Bryant alleine (24 Millionen Dollar), klingt diese Aussage sicher plausibel.

Wenn man dann noch bedenkt, dass die Zuschüsse der NBA für die Frauen-Liga in den letzten Jahren zwischen vier bis zwölf Millionen Dollar - je nach Quelle - gelegen haben sollen, dann dürfte eine Schließung der WNBA nicht der Weisheit letzter Schluss sein - die Verluste wären durch diese Einsparung kaum weniger.

Stiefkind in dunklen Hallen?

Schaut man sich die WNBA und deren Geschichte einmal genauer an, kann man nur zu dem Schluss kommen, dass das, von vielen ungewollte, Stiefkind der großen NBA ganz klein und beschaulich daherkommt - nicht nur beim Thema Verluste. Trotzdem bleibt natürlich die Frage, wieso es die Liga auch auf kleinem Niveau nicht schafft, ins Plus zu kommen?

Denn zwar kamen die zwölf Teams im letzten Jahr laut sportsbusinessjournal.com auf knapp 8000 Zuschauer im Schnitt, der große Bruder NBA hat allerdings 9.000 mehr. Und seit einem Hoch in der zweiten Saison 1998, als laut espn.com knapp 11.000 Zuschauer im Schnitt die Damen sehen wollten, ging es bis 2005 konstant bergab, ehe sich die Zahl bei einer 8 vorne einpendelte. Dabei sind die Karten weitaus günstiger zu bekommen, als bei den Männern. Laut startribune.com nimmt die Minnesota Lynx im Schnitt 20 Dollar weniger für vergleichbare Plätze als die Timberwolves.

Zudem wird schließlich auch nicht in dunklen Highschool-Turnhallen gespielt, alleine acht Teams teilen sich die Arena mit ihren NBA-Pendants (Los Angeles Sparks, Minnesota, Phoenix Mercury, San Antonio Silver Stars, New York Liberty, Indiana Fever, Atlanta Dream und Washington Mystics). Seattles Team namens Storm teilte sich zuvor die Halle mit den SuperSonics bis zu deren Abgang aus der Stadt.

Und die Quoten? Und die Quoten!

Doch ein annehmbarer Zuschauerschnitt hin und die Kostenteilung mit NBA- und anderen professionellen Sportteams für die Halle her, dort wo es wirklich zählt, führt die Liga mangels Interesse noch ein wahrlich stiefkindliches Dasein. "Sie können einfach niemanden dazu bekommen, ihre Spiele im Fernsehen zu gucken", befand schon 2006 Marc S. Gaines von einer Sportvermarktungsfirma aus Chicago gegenüber washingtonpost.com.

Die Quoten auf ESPN2 haben sich seitdem wenig verändert. Zwischen 250.000 bis 280.000 Zuschauer hatten die Spiele damals laut der Washington Post und heute laut dem Sportsbusiness Journal im Schnitt. Bei den Herren der Schöpfung schalten - bei Begegnungen der regulären Saison wohlgemerkt - fast 1,4 Millionen mehr ein. WNBA-Spiele finden außerhalb der Hallen eigentlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Unnötiger Luxus der NBA?

Ein Punkt, der den Kritikern weiter in die Karten spielt, ist die Geduld, die David Stern fast seit der Startsaison der WNBA von ihnen einfordert. Fast alljährlich hieß es von dem NBA-Commissioner: "Im nächsten Jahr wird die Liga Profit machen" - so oder ähnlich zitierte ihn die Washington Post 2006 oder zum Beispiel TV One New Zealand 2009. Und doch konnten die Verantwortlichen Sterns hehre Versprechen bis dato nicht erfüllen.

Noch im April musste Stern zumindest Verluste der Teams eingestehen, als er auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Ligapräsidentin Laurel Richie eingestehen musste, dass die Teams zwar besser dastehen würden, als jemals zuvor, aber "viele von ihnen" noch immer "ein bisschen im Minus" sein würden, wie wnba.com zitierte. Und wieder einmal zeigte er sich zuversichtlich, dass "in dieser Saison eine schwarze null oder ein kleines Plus bei allen Teams" stehen würde.

Erreicht werden soll dies weiterhin nicht nur durch TV-Gelder. Die WNBA ist neben der MLS die einzige US-Profiliga, die Trikotwerbung macht. Eine Möglichkeit, die derzeit von einigen Journalisten auch für die NBA diskutiert wird. Allerdings haben derzeit nur fünf Teams einen Sponsor auf der Brust.

Ein Kommen und Gehen von Teams

Bestes Beispiel für die finanziellen Schwierigkeiten in der Liga sind die gerade einmal drei verbliebenden Original-Teams aus Los Angeles, New York und Phoenix. Die sahen seit 1997 sechs gegnerische Teams gehen, acht kommen und begrüßten drei weitere plötzlich in einer neuen Heimat. So fand sich Orlando Miracle 2002 in Connecticut wieder, im selben Jahr wanderten die Utah Starzz nach San Antonio. Zuletzt zog die Detroit Shock nach Tulsa um. Dies waren alles Maßnahmen aus finanziellen Gründen.

Die sechs nicht mehr existierenden Teams aus Charlotte, Cleveland, Houston, Miami, Portland und Sacramento teilten sich teilweise nicht nur die Halle mit ihren NBA-Pendants, sondern auch die Besitzer. So verwundert es nicht, dass gerade die sogenannten Small-Market-Teams wie Sacramento, die selbst um ihre Existenz kämpfen, sich von diesem Luxus trennen wollten.

Stern ist treuester Fan

Während indes einige NBA-Besitzer ihr persönliches Engagement in der WNBA aufgegeben haben, Commissioner David Stern hat dies noch nicht und macht auch nicht den Eindruck, als würde er dies so schnell machen. Anders als die NFL, die im Falle der NFL Europa, die sich ebenfalls nie selber tragen konnte, sich diesen Luxus nicht mehr leisten wollte.

Im Zuge des Lockouts wäre die Schließung der Liga, wie erwähnt, sowieso nur ein ganz kleiner Tropfen auf dem heißen Stein. Ein kleiner Tropfen, der allerdings ein Signal senden könnte - genau wie die ebenfalls diskutierte Auflösung einiger NBA-Teams, die zu viele Verluste einfahren. Schmerzhaft für die Fans wären beide Maßnahmen, ob sie notwendig sind, liegt letztlich in David Sterns Händen.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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