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NBA-Start: Nowitzki fürchtet die "Bestie"

Die beste Basketball-Liga der Welt, die NBA, knippst am Abend wieder die Scheinwerfer an. Der deutsche Superstar Dirk Nowitzki sehnt nach einem turbulenten Frühjahr und der Affäre mit der Betrügerin Cristal Taylor den Saisonstart herbei.

Von Felix Haas

Alles neu in Dallas, könnte man meinen. Als Dirk Nowitzki Ende September wieder das Training mit seinen Kollegen aufnahm, musste sich der Deutsche zunächst Sprüche über seine neue Frisur anhören. "Wer ist denn der Spieler mit der Löwenmähne?" ulkten die Mannschaftskollegen des gebürtigen Würzburgers. Nicht nur die Frisur von Nowitzki hat sich bei den Dallas Mavericks über den spielfreien Sommer verändert. Gleich acht Neuzugänge präsentierten die "Mavs" vor der neuen Saison.

Nowitzki werden die Veränderungen recht sein. Mit neuem Styling scheint er allen beweisen zu wollen, dass er mit der letzten Saison abgeschlossen hat. Sportlich wie persönlich. Im Sommer gönnte er sich zum ersten Mal in seiner Karriere Ruhe. Auf die Europameisterschaft in Polen mit der deutschen Nationalmannschaft verzichtete der Superstar. Auch um die privaten Querelen des Frühjahrs zu verdauen, begab sich Nowitzki in einen ausgedehnten Urlaub. Die Affäre um seine ehemalige Verlobte Cristal Taylor ließ dem "German Wunderkind" bis zum unrühmlichen Saisonende in der zweiten Playoff-Runde gegen die Denver Nuggets kaum Luft zum Atmen.

Kein Kontakt mehr zu Taylor

Den Kontakt zu Taylor hat Nowitzki längst abgebrochen. Im Mai war die Betrügerin in Nowitzkis Villa festgenommen worden. Nachdem Spekulationen über eine mögliche Schwangerschaft Taylors aus der Welt geschafft wurden, konnte sich der 2,13 Meter Riese wieder auf die neue Saison konzentrieren. "Dieses Thema ist komplett vorbei", sagte er unlängst der Zeitschrift "Bunte". Cristal Taylor hingegen wird die Geschichte nicht so schnell vergessen, sie sitzt für fünf Jahre wegen Betrugs und Verletzung von Bewährungsauflagen im Gefängnis.

Mit reichlich Energie und einer guten Vorbereitung im Rücken geht Nowitzki nun die neue Spielzeit an. "Ich merke definitiv einen Unterschied. Normalerweise brauche ich eine gewisse Anlaufzeit, um ins Rollen zu kommen, aber dieses Mal fühle ich, dass ich sehr viel mehr Energie habe als sonst. Ich habe im Prinzip den ganzen Sommer keinen Wettkampf gehabt, ich fühle mich großartig", sagt ein entspannter Nowitzki. Auch in der neuen Saison strebt "Dirkules" nach dem heiß ersehnten Ziel jedes NBA-Profis: dem Championship-Ring. Aber können die Mavericks auch endlich den ganz großen Coup landen?

Mavericks sehen sich gut gerüstet

Seit Jahren gehören die Mannen aus Dallas zu den besten Teams der NBA, zuletzt erreichte man neun Jahre in Folge die Playoffs. Zum ganz großen Coup hat es aber bisher noch nicht gereicht. In der neuen Saison versucht man in Dallas einen Stilwechsel vorzunehmen. Mut zur Defensive, so soll das Motto lauten. Vom Offensivfeuerwerk hat man bei den Texanern genug. In der letzten Saison war die Mannschaft von Trainer Rick Carlisle die fünftbeste Offensiv-Mannschaft der Liga, in der Abwehrstatistik belegte man aber lediglich den 17. Platz.

Hohe Erwartungen stellt man bei den "Mavs" daher an Neuzugang Shawn Marion. Marion ist ein ausgewiesener Defensiv-Spezialist. Zwar sehen viele Experten den aus Toronto gewechselten Forward nicht mehr in der Verfassung seiner besten Jahre bei den Phoenix Suns, doch Klubbesitzer Mark Cuban glaubt fest an einen Formanstieg des viermaligen Allstars. "Er will es allen beweisen, darauf freue ich mich", entgegnete Cuban allen Skeptikern in einem Chat. Neben Marion verpflichtete Cuban sieben weitere Neuzugänge. Unter ihnen sind aber auch Ergänzungsspieler. Die zweite Garde wurde komplett durchgetauscht. Neben Nowitzki tragen weiterhin vor allem Aufbauspieler Jason Kidd und der flexible Josh Howard die Verantwortung bei den Mavericks.

Nowitzki ist überzeugt, dass in Dallas mit Spielern wie Drew Gooden, Tim Thomas oder dem Rookie Roddy Bourbeouis aus Frankreich "wichtige Teile zum Puzzle" hinzugefügt worden sind. "Ich glaube immer noch, dass wir ein sehr gefährliches Team sein können. Wenn wir alle gesund bleiben, können wir eine Menge bewegen", sagte der Würzburger dem US-Sportsender ESPN.

Ob Nowitzki und Co. wieder an die Glanzzeiten von 2006 anknüpfen können, als man erst im Finale an Miami Heat scheiterte, hängt allerdings nicht nur von den eigenen Leistungen ab. Denn so planvoll die Mavericks sich auch verstärkt haben mögen. Die Konkurrenz schläft nicht.

Lakers streben Titelverteidigung an

Die Los Angeles Lakers werden ihren Titel aus dem Vorjahr nicht kampflos hergeben wollen. In LA verstärkte man sich mit Small Forward Ron Artest. Experten sehen ihn als optimale Ergänzung zum ohnehin schon fabelhaft besetzten Lakers-Kader. Auch die Erzfeinde aus San Antonio wollen in dieser Saison wieder angreifen. In der letzten Spielzeit schnitten die Spurs zwar schwach ab, doch über weite Strecken der Saison fehlten ihnen wichtige Leistungsträger. Das Team von Gregg Popovich wird sich an den Mavericks rächen wollen. Die Spurs mussten im Frühjahr in der ersten Playoff-Runde trotz Heimrechts gegen die "Mavs" die Segel streichen.

"Wir sind die Underdogs und wollen eine Menge Lärm machen", kündigte Nowitzki an. Im Kampf um die Krone der Western Conference wird es so eng zu gehen wie nie zuvor, denn auch Teams wie die Denver Nuggets und die Portland Trail Blazers wollen ihre Leistungen aus der letzten Saison bestätigen oder sogar ausbauen. Nowitzki weiß um die Situation: "Ich weiß, dass der Westen eine Bestie ist. Nach all den Wechseln bei den Top-Teams bin ich gespannt, wo wir landen werden."

Neues Superduo im Osten

Im Osten will vor allem Superstar LeBron James endlich seinen ersten Titel gewinnen. Um "the chosen one" in Cleveland zu halten, verpflichteten die Cavaliers einen weiteren Hochkaräter. Von den Phoenix Suns kam die NBA-Legende Shaquille O’Neal. In Cleveland strebt man mit Nachdruck nach der ersten Meisterschaft. Hauptkonkurrenten der "Cavs" in der Eastern Conference sind die alten Bekannten aus Orlando und Boston. Die Orlando Magic wollen ihre Finalteilnahme aus der letzten Saison bestätigen und stellen mit Dwight Howard den wohl besten Defensivspieler der NBA. Auch die Boston Celtics haben wieder Chancen auf den Titel. Die Mannschaft um Ausnahmetalent Kevin Garnett, die zuletzt 2008 den NBA-Titel gewann, verstärkte sich vor allem bei den Ergänzungsspielern. Der Ex-Meister und mehrmalige Allstar Rasheed Wallace soll für konstante Leistungen von der Bank sorgen.

Die Mavericks sind also gewarnt. Die Konkurrenz im Kampf um die NBA-Krone ist so groß wie nie. Dirk Nowitzki jedenfalls kann es kaum erwarten, dass der Sport wieder im Mittelpunkt steht: "Ich bin heiß. Ich will endlich, dass es wieder los geht", gab er ESPN mit auf den Weg.

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