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NFL: Any Given Wednesday - Die Top Ten der Wide Receiver

Mit Kerry Collins haben die Indianapolis Colts ihre Absicherung für den Fall des Falles, bei den Panthers gibt es den Lebensretter Jeremy Shockey. Außerdem: Die zehn besten Wide Receiver der kommenden Saison und eine einmalige Leistung von Michael Vick.

Kinder wie die Zeit vergeht! Eben musste man sich als NFL-Fan noch mit juristischen Feinheiten und Beträgen auseinandersetzen, die man nie in seinem eigenen Leben verdienen wird und jetzt sind es gerade einmal acht Tage, bis die neue Saison ihren Auftakt erlebt.

Zwei Wochen ist es sogar erst her, dass ich mir Sorgen um Peyton Manning machte. Die Colts scheinen die Bedenken ob der Fitness ihres Quarterbacks und vor allem der Ligatauglichkeit von Ersatz Curtis Painter zu teilen und holten – wie damals spekuliert – einen Veteranen. Nur ließ man in Indianapolis Brett Favre auf seinem Rasenmäher in Louisiana sitzen und holte Kerry Collins. Der unterschrieb anstatt seiner Pensionspapiere den Zweijahres-Vertrag, der ihm insgesamt 14 Millionen Dollar, mindestens aber vier Millionen bringen wird. Genug Geld für einen Altersruhesitz hat Collins sicher jetzt schon.

Der Ex-Panther, Saint, Giant und Titan mit insgesamt 16 Spielzeiten auf dem Buckel ist dabei wirklich die logische Wahl als Lebensversicherung der Colts, sollte Manning wegen seiner Nacken-OP doch ausfallen. Unter den derzeit aktiven Quarterbacks – zu denen Collins übrigens bis zu seiner Colts-Verpflichtung nicht mehr gehörte – belegt er in den Kategorien Passversuche, erfolgreiche Pässe und Yardgewinn den zweiten Platz. Erster ist jeweils übrigens ein gewisser Peyton Manning.

Collins ist besser als sein Ruf

Nun könnten Kritiker dem entgegensetzen, wenn man so lange wie Collins als Quarterback spielt kommt man zwangsläufig auf solche Statistiken. Das stimmt ja auch – zum Teil. Man darf allerdings nicht vergessen, dass Collins genauso viele Super Bowl-Ringe wie Manning sein Eigen nennt. Gut, dass gilt ebenso für Brad Johnson und Trent Dilfer und die würde man ebenso wenig in einem Atemzug mit Manning nennen wie eigentlich Collins.

Aber der ist nun erst einmal die Lebensversicherung der Colts, die Painter tatsächlich – und wie ich finde völlig zurecht – nicht über den Weg trauen. Das bedeutet zudem, dass man in Indianapolis auf eine baldige Rückkehr Mannings setzt. Denn Collins dürfte man eher zutrauen, den Quarterbackposten für ein bis zwei Spiele mit Siegen erfolgreich warmzuhalten.

Manning hat mittlerweile übrigens mit leichtem Training begonnen und wurde von der Verletztenliste genommen. Wäre dies bis zum 3. September nicht geschehen, hätte er die ersten sechs Spieltage nicht spielen dürfen. Ein Wort zu einem möglichen Comeback? Fehlanzeige! Das verstehe ich, andererseits denke ich in diesen Fällen – wie zum Beispiel der Fall Sidney Crosby eindeutig unterstreicht: Irgendwas verheimlichen die einem doch?!

Besser als Baywatch: Jeremy Shockey

Auf den ersten Blick sieht der über und über mit Tattoos übersäte Tight End Jeremy Shockey nun wirklich nicht wie der Lebensretter von nebenan aus. Doch wie sagte schon Oma: Auf die inneren Werte kommt es an. Und manchmal auch auf beherztes Eingreifen. Wie nämlich der Berater des Tight End-Kollegen Ben Hartsock verriet, rettete der vermeintliche Bad Boy seinem Klienten das Leben, nachdem er einen Brocken Steak in den falschen Hals bekommen hatte.

"Shockey ist zu ihm hin und hat ihm sehr hart auf den Rücken geklopft, da flog das Fleisch raus", erklärte Mike McCartney gegenüber espn.com. Da hat sich für die Carolina Panthers die Verpflichtung des Ex-Saints wohl bereits gelohnt. Apropos Heilige: 

Halleluja!

Tim Tebows Talent oder eben fehlendes Talent spaltet die Nation. Wenn man dem Ex-Lineman und jetzigen CBS-Angestellten Randy Cross glaubt, ist Tebows Engagement für das Christentum Hauptgrund für die Kritiker, die mangelnden Qualitäten des Quarterbacks der Broncos anzusprechen.

Vielleicht sollte Cross selbst einmal sein Weltbild überdenken. Mir zum Beispiel ist es zwar nicht herzlich egal, dass Tebow Anti-Abtreibungsspots macht, aber es beeinflusst meine Sicht auf ihn als Sportler nicht. Mit Sicherheit widersprechen viele Meinungen der Sportler, die ich als solche respektiere, meiner eigenen enorm. Trotzdem würde ich - und das unterstelle ich jetzt auch einmal anderen Tebow-Kritikern - diese Meinungsverschiedenheit niemals dazu nutzen, um die Fähigkeiten des Sportlers infrage zu stellen.

Die AGW-Top Ten der Wide Receiver

Die sportlichen Fähigkeiten der folgenden zehn Spieler würde ich nie anzweifeln, auch wenn einige Diven unter den zehn besten Wide Receivern sind. Wie immer entspringen die Plätze eher meinem Bauchgefühl und können nicht immer mit Statistiken untermauert werden. 

Spätstarter, Jungspund und ein Leichtgewicht
10. Brandon Lloyd / 9. Mike Wallace / 8. Greg Jennings: Neun Jahre ist Brandon Lloyd schon in der Liga, doch erst im letzten, seinem achten, kam er richtig auf Touren in Denver. Für ihn sprechen sein Spielverständnis und die Fähigkeit, nach dem Fang eines Passes für weiteren Raumgewinn zu sorgen. Der fünf Jahre jüngere Wallace überzeugt vor allem durch seine Geschwindigkeit, kann aber auch schon Mal mit dem Kopf durch die Wand. Jennings hat im Super Bowl-Jahr der Packers vollends überzeugt und sich mit seiner dritten Saison mit über 1000 Yards Raumgewinn in Folge im Kreis der Elite-Receiver etabliert.

Klein, aber oho
7. Santonio Holmes / 6. Reggie Wayne / 5. DeSean Jackson: Über einen dieser Drei würde sich wohl jeder Wide Receiver-Coach freuen, beweisen sie doch seit geraumer Zeit, dass sie jederzeit für die wichtigen Pässe empfänglich sind. Was besonders Holmes und Jackson von den oberen vier unterscheidet, ist die Größe. Lediglich Wayne kommt an die sechs Fuß – ungefähr 1,85 Meter ran – heran. Angesichts von Quarterback Peyton Mannings großem Schatten werden seine Qualitäten jedoch teilweise ebenso übersehen, wie die beiden Kollegen.

Was gegen Holmes spricht, sind seine Launen. Legt er diese ab und bleibt gesund, dürften die Jets in dieser Saison eine Menge Freude an ihm haben. Ähnliches gilt für die Eagles und Jackson. Der machte im letzten Jahr einen Riesensatz nach vorne – 22,5 Yards pro Fang standen am Ende auf seinem Statistikzettel. Sein einziges Manko: Aufgrund seiner Größe ist er nicht der verlässlichste Blocker.

Die großen Vier
4. Roddy White / 3. Calvin Johnson / 2. Larry Fitzgerald / 1. Andre Johnson: Von diesem Quartett hat White ab dieser Saison vielleicht den leichtesten Job. Aber auch nur, weil ihm mit Rookie Julio Jones ein fast ebenbürtiger Wide Receiver an die Seite gestellt wird. Konzentrieren sich die Gegner auf Jones, hat White leichtes Spiel. Doch selbst wenn White in Doppeldeckung genommen werden sollte - dank seiner Physis kann er sich sowohl durch die Mitte kämpfen, als auch die langen Pässe fangen. Dieselbe Aussage gilt auch für Calvin Johnson, der zudem noch zehn Zentimeter mehr an Körpergröße ausspielen kann.

Larry Fitzgerald, der gerade einen frischen Vertrag über 120 Millionen Dollar in den nächsten acht Jahren unterschrieben hat, ist bekannt für seine spektakulären Fänge und dürfte mit dem neuen Cardinals-Quarterback Kevin Kolb dazu endlich wieder einen Spielmacher haben, der ihn nur besser machen kann. Andre Johnson sorgt gerne einmal für verknotete Beine bei den gegnerischen Cornerbacks – auf dem Bierdeckel zu tanzen, dürfte für den meiner Meinung nach derzeit besten Receiver eine zu leichte Übung sein.

Das Beste zum Schluss...

Naja, eigentlich ist dies mehr eine gute Nachricht für Fans der Eagles, aber vor allem für Michael Vick. Der bekam jüngst einen neuen Vertrag in Philadelphia - mit der Garantiesumme von knapp 40 Millionen Dollar, insgesamt soll er 100 Millionen Dollar in den nächsten sechs Jahren verdienen. Der oben erwähnte Fitzgerald hat übrigens zehn Millionen Dollar mehr an garantiertem Geld rausgeschlagen, und doch gehört Vick damit zu den Großverdienern.

Damit kann sich Commissioner Roger Goodell auf die Schulter klopfen: Sein Muster-Resozialisierungsprojekt ist wieder da, wo er vor seinem Gefängnisaufenthalt war. Und das wortwörtlich – er ist jetzt der einzige NFL-Spieler überhaupt, der gleich zwei Verträge über 100 Millionen Dollar in seiner Karriere unterschrieb. Vom ersten Vertrag dürfte nach sämtlichen Rückzahlungsforderungen seines Ex-Teams Atlanta jedoch nicht mehr allzuviel übrig sein.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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