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NFL: NFL-Kolumne - Ein Ende der Saison-Serien

Die Green Bay Packers verloren ihre Weiße Weste und die Indianapolis Colts wendeten das Schicksal einer sieglosen Saison ab. Trotzdem dürften beide Teams ihr Saisonfazit bereits geschrieben haben. Zwei Spieltage vor den Playoffs können auch vier Rookies eine Bilanz ziehen - und zwar eine erfolgreiche. 

Die Spieler des Miami Dolphins-Teams von 1972 konnten die Sektkorken knallen lassen: Sie bleiben nach der Packers-Niederlage weiterhin das einzig ungeschlagene Team der NFL-Geschichte, das in der regulären Saison, den Playoffs und im Super Bowl keine Niederlage kassierte.

Seit 1991 – damals verloren die Redskins ihr zwölftes Saisonspiel nach elf Siegen in Serie – treffen sich laut foxsportsflorida.com Larry Little, Mercury Morris, Dick Anderson, Nick Buoniconti, Paul Warfield, Marv Fleming, Bob Kuechenberg und Co. zum Stelldichein bei Niederlagen bislang ungeschlagener Teams. Und dürften nun beim gemeinsamen Sektschlürfen den Kansas City Chiefs eine Dankeskarte für deren 19:14-Erfolg gegen Green Bay schicken. Prost, meine Herren!

Die New England Patriots dürften ebenfalls angestoßen haben an diesem Sonntag. Nicht nur, weil sie mit ihrer blütenweißen Westen aus den 16 Partien der regulären Saison 2007 ebenfalls eine einsame Marke für sich beanspruchen können – 1972 wurden nur 14 Saisonspiele absolviert. Ihr 41:23 sicherte zudem den Titel in der AFC East und könnte ein großer Schritt in Richtung Nummer eins der Conference und damit dem gesicherten Heimvorteil in den Playoffs sein. Prost, meine Herren!

Unter dem Motto, man muss die Feste feiern, wie sie fallen, könnten sich auch die Indianapolis Colts einen kräftigen Schluck gegönnt haben. Schließlich verhinderte das 27:13 über die Tennessee Titans eine 0:16-Saison und ersparte damit vor allem den Spielern Dan Orlovsky, Ernie Sims und Jerome Felton die doppelte Schmach einem solch glücklosen Team angehört zu haben. Das Trio war bereits 2008 mit einem solchen Fluch belegt, als sie als Mitglieder der Detroit Lions eben dieses Schicksal ereilte. Also: Prost, meine Herren! Es sind manchmal die kleinen Freuden des Lebens...

Und nun? Bleibt alles anders?

Ja, eine 13:1-Bilanz liest sich nicht ganz so eindrucksvoll wie 14:0, aber immer noch sehr, sehr, beeindruckend. Die Gründe für die Niederlage lassen sich – neben natürlich den gut spielenden Chiefs – vor allem in den Verletzungen der Offensive Line suchen. Bryan Bulaga und Derek Sherrod verletzten sich in Kansas City, mit dem bereits seit dem 5. Spieltag verletzten Chad Clifton fehlen nun drei der vier Offensive Tackles der Packers. Dass dieser Flickenteppich einer Offensive Line Quarterback Aaron Rodgers nicht wie gewohnt beschützen konnte, dürfte kaum verwundern. In den letzten 9:22 Minuten der Chiefs-Partie fand sich Rodgers drei Mal auf dem Boden wieder.

Trotzdem bleibt Rodgers Saison eine traumhafte - mit wirklich beeindruckenden Statistiken. Er ist und bleibt die Nummer eins der Spielmacher, Sacks hin oder her. Vielleicht agiert der Flickenteppich im nächsten Spiel gegen die Bears bereits eher wie ein Perser. Danach kann es für die Packers-Offense weiter aufwärts gehen, schließlich ist Wide Receiver Greg Jennings spätestens zu den Playoffs wieder fit. Denn auch wenn Rodgers die Bälle gerne zwischen seinen Mitspielern streut, Jennings ist derjenige, der mehr Aufmerksamkeit der Gegners auf sich zieht, als die anderen. Und er ist zudem derjenige, der Rodgers verlässlichste Anspielstation für weite Pässe ist.

0:16, 1:15, 2:14 – Bodensatz bleibt Bodensatz

Und die Colts? Ich mache es mir mal einfach und zitiere Lions Kicker Jason Hanson, einer der Spieler aus Detroit, die 2008 eine 0:16-Saison hinlegten: „0 und 16 hört sich wirklich nicht gut an. Doch wenn man ein oder zwei Spiele gewinnt, hört sich das kaum besser an - man spielt furchtbar. Man ist der Bodensatz der Bedeutungslosigkeit“, so Hanson gegenüber der Detroit News. Der Mann hat Recht, die Colts haben einen Sieg in 14 Spielen und sind damit weiter ein furchtbares Football-Team.

Die Titans dürften sich dagegen ärgern, nicht nur einen wichtigen Sieg für die Playoffs verschenkt zu haben, sondern haben die Chance auf den ersten Saisonsweep der Divisionsrivalen seit 2002 ebenso verpasst wie den ersten Sieg im 2008 eingeweihten Lucas Oil Stadium.

Rookies des Jahres

Prost, meine Herren, dürfte es auch für einige Rookies in dieser Saison heißen, die nicht nur mich beeindruckt haben. Vier von ihnen haben mich aus unterschiedlichen Gründen beeindruckt und sind damit meine Rookies des Jahres: Cam Newton, Von Miller, Andy Dalton und Patrick Peterson.

Die beiden Quarterbacks Newton und Dalton würde ich aus unterschiedlichen Gründen nominieren. Bei allen Spielmachern des diesjährigen Drafts hieß das Urteil – auch von mir – vorher, sie müssten sich erst einmal an die NFL gewöhnen. Beide straften diese Meinung früh lügen. Newton zeigt dies bei den Carolina Panthers vor allem mit seiner Spielweise, die eben nicht wie vermutet, auf der Devise: Erst laufen, dann passen aufgebaut ist. Anders als andere Vertreter seiner Zunft  beweist er Übersicht und läuft wirklich nur, wenn es nötig oder geplant ist. Dann aber ebenso beeindruckend. Dalton beeindruckt bei den Cincinnati Bengals vor allem durch Siege – und könnte tatsächlich bis in die Playoffs vorstoßen. Spielerisch ist ihm Newton überlegen, deswegen verleihe ich Dalton den Vize-Rookie-Titel für Offensivspieler.

Auf der anderen Seite des Balls hat der an zweiter Stelle hinter Newton von den Denver Broncos gezogene Von Miller den Titel verdient. 11,5 Sacks und zwei Forced Fumbles sind für einen Linebacker in der NFL auch im vierten oder fünften Jahr aller Ehren wert. Er ist – gemeinsamen mit seinem kongenialen Defense-Partner Elvis Dumervil – bereits jetzt Schrecken der gegnerischen Quarterbacks und einer der Gründe, warum Denver in die Playoffs kommen könnte.

Ein Quarterback-Schreck ist Patrick Peterson als Safety noch nicht, obwohl er immerhin schon zwei Interceptions hat. Doch bei Den Arizona Cardinals hat mein Rookie-Vize vor allem den Ruf eines sehr gefährlichen Punt-Returners. Mit vier so verwandelten Touchdowns hält er nun schon den ewigen Rekord.

Top Fünf:

  • New Orleans Saints – das Team aus Louisiana ist pünktlich zu den Playoffs in Hochform.
  • San Francisco 49ers – im Spitzenspiel gegen Pittsburgh gezeigt, dass sie anders als andere Überraschungsteams sehr ernst zu nehmen sind.
  • New England Patriots – Tebow widerstanden und gleichzeitig eindrucksvoll die AFC East gewonnen.
  • Atlanta Falcons – dank der Hartnäckigkeit der Falcons sind die Saints noch einmal Divisionssieger.
  • San Diego Chargers – eine Frage bleibt: Warum können die Kalifornier immer nur im Dezember?

Flop Fünf:

  • Tennessee Titans - "schafften" bis dato als einziges Team eine Niederlage gegen die Colts.
  • Minnesota Vikings - "hielten" durch die Heimniederlage die Hoffnungen auf den ersten Draftpick aufrecht.
  • St. Louis Rams – der dritte gern gesehene Gast in dieser Rubrik neben Colts und Vikings bleibt im Gegensatz zu Indianapolis seiner Negativserie treu.
  • Buffalo Bills – siebtes Spiel in Folge verloren, den Sweep gegen den Divisionsrivalen aus Miami kassiert.
  • Tampa Bay Buccaneers – setzen noch einen drauf: Sie verloren bereits das achte Spiel in Serie.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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