Bundestagswahl Große Koalition verdrängt Jamaika


Patt in Berlin: Bei der Bundestagswahl erringen weder SPD noch Union die Mehrheit. Kurzzeitig wird über ein Bündnis aus CDU/CSU, FDP und Grünen spekuliert, doch letztlich ringen sich die beiden Volksparteien zu einer großen Koalition zusammen.

Es ist schon ein mittleres Erdbeben, dass Deutschland am 18. September 2005 um 18 Uhr erschüttert. Das Epizentrum liegt in Berlin, und während die Unions-Politiker im Konrad-Adenauer-Haus geschockt auf die Prognose der Wahlergebnisse starren, knallen wenige Kilometer weiter im Willy-Brandt-Haus die Sektkorken.

In allerletzter Sekunde haben es Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Sozialdemokraten noch geschafft, die sichere Niederlage bei der vorgezogenen Bundestagswahl zu verhindern und in eine Pattsituation zu verwandeln: CDU/CSU kommen auf 35,2 Prozent der Stimmen, die SPD auf 34,2 Prozent. Überraschend stark die FDP: 9,8 Prozent erreichen die Liberalen. Die Grünen bleiben mit 8,1 Prozent nahezu bei dem Ergebnis von 2002. Die neugegründete Linkspartei zieht mit 8,7 Prozent als viertstärkste Kraft in den Bundestag ein.

Allein: Für eine traditionelle bürgerliche oder linke Koalition reicht es nicht. Weder haben SPD und Grüne die Mehrheit, noch Union und FDP. Die Schuld an dem schlechten Abschneiden von CDU und CSU wird mehr oder weniger offen Angela Merkel zugeschrieben. Vor allem ihre Entscheidung mit Paul Kirchhoff und seinem umstrittenen Steuerkonzept in den Wahlkampf zu ziehen, liefert SPD, Grünen und der Linkspartei unerwartet scharfe Munition. Die Gegenwehr der Union bleibt aus.

Jamaika-Koalition ist in aller Munde

Das Thema große Koalition ist zunächst keins. Die SPD weigert sich standhaft mit den Schwarzen ein Bündnis einzugehen und versucht der Union den Titel "stärkste Partei/Fraktion" wegzurechnen. Unbeeindruckt davon ergreift Angela Merkel das Zepter, führt Sondierungsgespräche mit der FDP und den Grünen. Das Wort Jamaika-Koalition macht die Runde. Doch schnell wird klar: die Grünen wollen nicht, vor allem nicht mit der FDP.

Was bleibt ist die ungeliebte Elefantenhochzeit. Nach teils zähen, teils harmonischen Koalitionsverhandlungen vermählen sich SPD und Union dann doch sechs Wochen nach der Wahl. Das Zweckbündnis bringt immerhin die erste Kanzlerin Deutschlands hervor: Angela Merkel wird am 22. November im Bundestag vereidigt.

nk

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