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NHL Icecrusher - Die letzten harten Jungs


Woche für Woche halten die Enforcer in der NHL ihren Kopf für die Superstars hin, es wird Zeit, dass sie dafür auch die ihnen gebührende Anerkennung bekommen. Im Icecrusher berichten wir heute über diese ganz besondere Art des NHL-Spielers.

Angeregt von der Recherche zum Artikel über Tie Domi, habe ich mich entschlossen, diese Woche einen Blick auf die noch verbliebenen echten Enforcer in der NHL zu werfen.

Strafminuten-Sammler Zenon Konopka

Zu einem echten Aggressive Leader für sein Team hat sich Zenon Konopka entwickelt. Nachdem der 30-Jährige in den ersten vier Jahren NHL kaum in Szene setzen konnte, schaffte er in der Saison 2008-09 bei den Tampa Bay Rays den "Durchbruch" und kassierte 265 Strafminuten in 74 Spielen.

Vergangene Saison wechselte er zu den New York Islanders und thronte mit 307 Strafminuten über allen anderen. Zweiter wurde abgeschlagen Chris Neil von den Ottawa Senators mit 210 Strafminuten.

Keine gute Nachricht für die Gegner ist, dass die beiden Enforcer diese Saison gemeinsam in Ottawa spielen. Und wie sollte es anders sein, sie führen auch die Strafminuten-Rangliste an: Konopka mit 54 vor Neil mit 52.

Marty McSorley: Gretzkys Leibwächter

Große Stars wie früher Dave Schultz, Tie Domi oder auch Bob Probert gibt es heute eigentlich kaum noch. Unvergessen auch Marty McSorley, der Leibwächter für Stars wie Wayne Gretzky, Mark Messier oder Jari Kurri. 1988 wurde er von den Edmonton Oilers zusammen mit Gretzky zu den Los Angeles Kings transferiert, so wichtig war McSorley für "The Great One". 3381 Strafminuten bedeuten den vierten Platz in der ewigen Rangliste der Bad Boys.

Unrühmlich war aber sein Karriereende in der NHL. Als die Saison 1999-2000 bereits zwei Monate lief, gaben die Boston Bruins dem damals 36-jährigen McSorley noch einmal einen Vertrag, doch am 21. Februar 2000 schlug er Donald Brashear mit dem Schläger auf den Kopf, der Stürmer Vancouver Canucks stürzte zu Boden und blieb bewusstlos auf dem Eis liegen.

Brashear zog sich eine schwere Gehirnerschütterung zu und fiel mehrere Monate aus. McSorley wurde wegen Körperverletzung von einem Gereicht sogar zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt und von der NHL für ein Jahr gesperrt.

"Bruise Brother" Bob Probert

Bob Probert war zu seinen besten Zeiten für die Detroit Red Wings sogar ein ganz ordentlicher Punktesammler, in seiner besten Saison 1987-88 kam er auf 62 Zähler, aber bekannter war er für seine harte Gangart auf dem Eis und seine Eskapaden daneben. Mit Joe Kocur bildete er bei den Red Wings die "Bruise Brothers".

Kocur war einer der härtesten Spieler auf dem Eis und ging keiner Schlägerei aus dem Weg. In den 80er und 90er Jahren galt er als gefürchtetster Gegenspieler der NHL und war vor allem für die Schlagkraft seiner rechten Hand bekannt. Nachdem Probert 1994 zu den Chicago Blackhawks transferiert wurde, stellte Detroit-Coach Scotty Bowman 1995 die sogenannte "Grind Line" mit Kocur, Kirk Maltby und Kris Draper.

Diese Reihe hatte als einzige Aufgabe, die Drecksarbeit zu erledigen und wurde meistens sogar gegen die beste Reihe des Gegners eingesetzt. 1997 im Stanley Cup-Finale gegen die Philadelphia Flyers schaltete die Reihe die "Legion of Doom"-Reihe der Flyers mit Eric Lindros, John LeClair und Mikael Renberg beinahe komplett aus. Detroit gewann locker in vier Spielen den Cup und ließ nur sechs Gegentore der Flyers zu.

Die "Grind Line" war ein Baustein des Erfolges von Bowman bei den Red Wings. 1997-98 kam Darren McCarty für Kocur in die Reihe, die in dieser Formation bis zum Lockout 2005 weiter Bestand hatte und mit der Detroit zwei weitere Stanley Cups gewinnen konnte.

Sean Avery: Die Pest

Der vielleicht bekannteste Enforcer derzeit ist Sean Avery von den New York Rangers. Nachdem Avery zu Saisonbeginn von den Rangers überraschend auf die Waivers-Liste gesetzt wurde und schließlich an das AHL-Team Conneticut Whale abgegeben. In seinem ersten Spiel für die Whale erzielte er ein Empty-Net-Goal nur um unmittelbar im Anschluss daran für einen Faustkampf eine Fünf-Minuten-Strafe zu erhalten.

Durch den schwachen Saisonstart der Rangers gab es unter den Fans aber immer mehr Stimmen, die verlangten, dass Avery ins Team zurückkehren solle. In den letzten beiden Spielen gab es sogar "Wir wollen Avery"-Sprechchöre. Und die Offiziellen erhörten die Bitten der Fans.

Der Enforcer hat also durchaus immer noch eine Rolle in der heutigen NHL, auch wenn das körperliche Spiel stark eingeschränkt - oder sagen wir besser: stark reglementiert wurde. Für mich gehört diese Rolle auch immer noch zum Eishockey dazu. Genau wie ein Superstar wie Sidney Crosby oder Alex Ovechkin, der ja auch kein Kind von Traurigkeit ist, gehört eben auch der Terrier dazu, der versucht, das Spiel des Gegners zu zerstören.

Der Enforcer im Zwielicht

Durch die Tode von Derek Boogaard, Rick Rypien und Wade Belak in dieser Saison ist die Rolle des Enforcers etwas ins Zwielicht geraten, da bekannt wurde, dass sie alle drei unter Depressionen litten und dies in Zusammenhang mit ihrer Rolle auf dem Eis gestellt wurde.

"Es ist einer der härtesten Jobs im Sport", sagte der frühere NHL-Enforcer Brantt Myhres in der New York Times. "Alles, was die Leute sehen, sind 20.000, die stehen und dir zujubeln. Aber sie sehen nicht die dunklen Zeiten. Sie sehen dich nicht zusammengerollt in einem Hotelzimmer liegen, mit Todesangst vor dem nächsten Kampf."

Nach den Todesfällen beschloss die NHL Maßnahmen, die in Zukunft den harten Jungs helfen sollen. Man kann nur hoffen, dass diese Wirkung zeigen, denn ohne die Enforcer würde die NHL ein großes Stück ihrer Identität verlieren.

Henning Schulz

sportal.de sportal

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