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Olympiasieger 2000 Was macht eigentlich ... Nils Schumann?

Was macht eigentlich ... Nils Schumann, der Olympiasieger von 2000?
Nils Schumann, 39, in Erfurt, wo er mit seiner Familie lebt und als Personal Trainer arbeitet
© Erik Niedling
Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gewann der Thüringer Gold über 800 Meter.

Früher weißblonde Mähne, heute Kahlkopf mit schwarzem Vollbart. Soll das ein erkennbarer Wandel des Lebens sein?

Nicht bewusst. Vielleicht hätte ich heute noch blonde Haare, wenn sie wachsen würden. Ich habe große Geheimratsecken bekommen. Deshalb mussten die Haare ab.

Sie waren Profisportler. Mit einem Abitur-Schnitt von 1,7 hätten Sie auch einen anderen Weg einschlagen können.

Ich hatte großes Interesse an Biologie und Politik. Meine Eltern haben mir geraten, eine Lehre oder ein Studium abzuschließen. Da ich bereits als 17-Jähriger mit dem Laufen Geld verdiente, war ich sehr stur. Für den olympischen Traum habe ich alles untergeordnet und bewusst auf eine berufliche Ausbildung verzichtet.

Mit dem Olympiasieg 2000 sind Sie schnell zu Ruhm und Geld gekommen, aber durch Fehlinvestitionen auch zur Privatinsolvenz. Wäre mit einer Silbermedaille alles anders gelaufen?

Das größte Ziel, olympisches Gold, habe ich mit 22 erreicht, der Traum und die Motivation waren plötzlich weg. Dafür die Popularität und der Hype umso größer. Ich musste den Erwartungen gerecht werden. Im Umgang mit Beratern, die sich mit meiner Kohle die Taschen vollsteckten, war ich zu naiv und gutgläubig. Da ich fast fünf Jahre mit Verletzungen und OPs verbrachte, sind meine Einnahmen drastisch gesunken, und das Ersparte war aufgebraucht.

Wie kamen Sie aus den Schulden raus?

Nach der Insolvenzanmeldung 2009 habe ich als Personal Trainer gearbeitet und mit wenigen Mitteln meine eigene Firma aufgebaut. Der Bankrott hat mir die Chance gegeben, von vorne anzufangen.

Bieten Sie als Personal Trainer mehr als ein Fitnessstudio?

Ich verstehe mich als Lebenshelfer, der sich auch um Ernährung, Psychologie und Motivation kümmert. Das kann ein Studio nicht leisten. Meine erste Kundin war mit 180 Kilo gleich eine schwere Herausforderung. Ihr und anderen Menschen vermittle ich, wie sie Sport im Alltag integrieren können. Mittlerweile arbeiten acht Trainer bei mir, ich kümmere mich mehr um die Organisation und veranstalte Sportevents.

Sie haben als aktiver Läufer für die Kampagne "Keine Macht den Drogen" geworben. Heute fordern Sie die Freigabe von Doping im Spitzensport.

Der Anti-Doping-Kampf hat versagt und seine Aufgabe nie erfüllt. Ich halte nichts davon, ein System aufrechtzuerhalten, das extrem teuer ist und nichts bringt. Die Freigabe wäre die einzige Chance für einen fairen Wettkampf.

Sie haben zwei Söhne: Wenn die in Ihre Fußstapfen treten wollen, sollen sie sich zur Leistungssteigerung dopen?

Die Freigabe für Doping gilt nur für Erwachsene. Doping Minderjähriger ist eine Straftat und sollte mit aller Härte als solche behandelt werden. Die Forderung nach Dopingfreigabe heißt nicht, dass ich Doping befürworte. Ich bin nach wie vor ein resoluter Gegner und finde es schrecklich, sich und seine Gegner zu betrügen. Mir geht es darum, ob man dieses Feld weiterhin kriminellen Geschäftemachern überlässt oder unter staatliche Kontrolle stellt. Falls meine Söhne sich dem Leistungssport zuwenden, werde ich ihnen davon nicht abraten, aber ihnen die Folgen von Doping klarmachen.

Haben die beiden Lauf-Talent?

Mein Ältester ja, der gewinnt Läufe spielerisch. Vielleicht komme ich als Trainer meines Sohns ja irgendwann wieder zurück zum Leistungssport.

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