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Nordische Ski-WM: Zwei Silbermedaillen für Deutschland

Der Medaillenregen hört nicht auf: Die deutschen Kombinierer haben bei der WM die Silbermedaille im Teamwettbewerb gewonnen. Das deutsche Quartett musste sich im Zielsprint nur Japan geschlagen geben. Zuvor hatte die deutsche Frauen-Staffel im Langlauf-Sprint ebenfalls Silber gewonnen.

Erst spurtete Claudia Nystad zu Sensations-Silber, dann fehlten Tino Edelmann nur wenige Zentimeter zum ersten Team-Gold seit 22 Jahren. Mit ihren zweiten Plätzen sorgten die Langlauf- Staffel der Damen sowie die Nordischen Kombinierer am Donnerstag für einen "Silberstreif" am Horizont und bauten die Bilanz der deutschen Ski-Asse bei den nordischen Weltmeisterschaften in Liberec auf fünf Medaillen aus. Den Titel über 4 x 5 Kilometer sicherte sich Finnland, im Mannschafts-Wettbewerb der Kombinierer musste das DSV-Quartett nach einem Sprung und der 4 x 5-Kilometer-Staffel lediglich den zeitgleichen Japanern den Vortritt lassen.

Nystad sicherte der Damen-Staffel mit einem fantastischen Endspurt Platz zwei, gefeierte Heldin war aber Nachwuchs-Biathletin Miriam Gössner. Mit einem überragenden Lauf führte die 18-Jährige das zur Halbzeit scheinbar hoffnungslos ins Hintertreffen geratene DSV- Quartett auf der dritten Schleife wieder heran. "Was Miriam gebracht hat war sensationell. So viel gegen die Weltspitze gutzumachen, das ist der Wahnsinn. Claudia hat es aber auch perfekt gemacht", jubelte DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller über die erste Medaille der deutschen Langläuferinnen.

Sprint seines Lebens

Als den "Sprint meines Lebens" bezeichnete Nystad den Endkampf, in dem sie ihre Teamkolleginnen in einen Fahrstuhl zwischen Himmel und Hölle schickte. Erst sichere Dritte, dann plötzlich Vierte und am Ende Zweite - spannender konnte es nicht zugehen. "Das ist der Hammer. Die schönsten Medaillen sind die, an die man nie glaubt", sagte Bundestrainer Jochen Behle.

Nach den beiden Klassik-Runden, auf denen Katrin Zeller und Evi Sachenbacher-Stehle nicht mithalten konnten, lag das deutsche Quartett mit einem Rückstand von 1:11,2 Minuten nur auf Rang sechs. Doch dann zündete Gössner den Turbo und stürmte als Schnellste in ihrer Runde auf Rang vier vor, nur 16,1 Sekunden hinter den führenden Norwegerinnen. "Ich habe keine Zeiten gehört, bin einfach gelaufen. Ich hatte auch keine Taktik. Es ist ein so schönes Gefühl, der absolute Höhepunkt", berichtete die vor der WM aus dem Biathlon-Lager ausgeliehene Garmischerin.

Zeller ist "brutal ggelaufen"

"Das sieht jetzt ein bisschen schlecht für uns aus. Sie ist brutal gelaufen", stammelte Sachenbacher-Stehle mit ungläubigem und bereits da von Freudentränen gezeichnetem Blick und fügte hinzu: "Die Miriam lassen wir nicht mehr weg." Ihr Wunsch wird allerdings nicht in Erfüllung gehen, denn trotz der Gala-Vorstellung wird die Biathlon Junioren-Weltmeisterin nicht ins Langlauf-Lager wechseln. "Sie bleibt, wo sie ist. Einmal im Jahr kann man sie vielleicht ausleihen. Wenn wir nächstes Jahr zu Olympia fahren, kann man darüber reden", stellte Sportdirektor Pfüller klar. Auch Gössner will zurück zu ihren sportlichen Wurzeln. "Ich freue mich jetzt heimzukommen und wieder mein Gewehr zu nehmen."

"Wieder mal Silber", kommentierte Bundestrainer Hermann Weinbuch den Ausgang des Team-Wettbewerbs der Nordischen Kombinierer, in dem seine Schützlinge zum vierten Mal nacheinander nur knapp an Gold vorbeischrammten. "Natürlich sind wir mit Silber zufrieden, aber es ist auch ärgerlich, weil es so knapp war. Ich bin selbst als Letzter gelaufen und weiß, dass Gold drin war", sagte Schlussläufer Edelmann.

Nach dem Springen waren die Titelchancen völlig in Takt. 17 Sekunden Rückstand hatte das DSV-Quartett auf Frankreich. Im 4-x-5- Kilometer-Wettbewerb musste Startläufer Ronny Ackermann abreißen lassen, aber Eric Frenzel schloss auf den von Miriam Gössner geborgten Ski die Lücke. Danach startete Björn Kircheisen in seiner zweiten Runde eine Attacke. "Ich habe versucht, einen Akzent zu setzen und das ist mir auch gelungen", sagte er. Edelmann hielt dann auf der Zielgeraden zwar den favorisierten Norweger Magnus Moan in Schach, doch Norihito Kobayashi schnappte dem deutschen Team den Titel vor der Nase weg. "Wir wussten, dass Japan stark ist, hatten aber eher mit Norwegen gerechnet. Ich bin stolz auf meine Mannschaft, sie hat alles gegeben", betonte Weinbuch.

Christian Hollmann/DPA / DPA

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