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Australian Open Vorteil Zverev: So könnte der Deutsche durch die Abwesenheit von Djokovic zur Nummer eins werden

Alexander Zverev bei den Australian Open - stößt er Novak Djokovic von der Weltranglistenspitze?
Alexander Zverev in seinem Australian-Open-Auftaktspiel – stößt er Novak Djokovic von der Weltranglistenspitze?
© Brandon Malone / DPA
Die Causa Novak Djokovic wirft weiter ihre Schatten auf die Australian Open. Dabei gerät fast in Vergessenheit, dass der Turniersieger den Serben nicht nur von der Weltranglistenspitze schubsen, sondern auch ein Deutscher sein könnte. 
Von Klaus Bellstedt

Man mag es kaum glauben, aber es wurde am Montag auf der Anlage im Melbourne Park wirklich Tennis gespielt. Die Australian Open sind gestartet. Und damit ist auch die fast 14 Tage andauernde Farce um den ungeimpften Novak Djokovic, der am Sonntag nach dem finalen Urteil des Bundesgerichts das Land endgültig verlassen musste, vorbei. Ja, so hätte es sein können. Aber der Eröffnungstag hat gezeigt, dass es schon noch etwas dauern wird, bis sich alles wieder eingeruckelt hat und es bei den Australian Open wirklich nur noch um Tennis geht. Belege dafür gab es am ersten Turniertag genug.

Natürlich ging es wieder – um Novak Djokovic

Es war kurz nach Mitternacht Melbourne Ortszeit als Alexander Zverev, Deutschlands bester Tennisspieler, nach seinem Auftakterfolg über Daniel Altmaier (7:6,6:2,7:6) endlich auf der obligatorischen Post-Match-Pressekonferenz erschien. Das durchaus intensive Spiel hätte ein paar Nachfragen verdient gehabt, aber es ging – natürlich – sofort erstmal nur wieder um die Causa Djokovic.

Wie er denn nun, wo der Weltranglistenerste nicht mehr hier sei, alles bewerte, wollte ein Journalist wissen. Von Zverev, der aktuellen Nummer drei im Ranking, weiß man, dass er mit dem Serben gut kann. Vom 24-jährigen Deutschen kam schon vor dem Start des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres nichts Kritisches. Und er blieb auch jetzt seiner Linie treu: "Das alles war für niemanden leicht, aber für ihn war es besonders schwer", sagte Zverev. Das klang schon sehr nach Blabla, aber dann wurde es doch noch substanziell: "Vielleicht muss das wirklich nochmal von Grund auf aufgearbeitet werden. Mir tut besonders leid, wie die ganze Welt jetzt über ihn spricht", ergänzte der Hamburger, der mit solchen Sätzen offensichtlich auch seine Loyalität gegenüber Djokovic zum Ausdruck bringen möchte.

Anders als Zverev ist Rafael Nadal nicht dafür bekannt, große Sympathien für seinen endgültig aus Australien ausgewiesenen Widersacher im Kampf um die meisten Grand-Slam-Erfolge (beide stehen bei 20 Major-Titeln) zu haben. Auch der Spanier war am Montag erstmals im Einsatz und auch er wurde im Anschluss an seinen lockeren Sieg über den Amerikaner Marcos Giron mit dem Nervthema konfrontiert. Er sei nicht der Einzige, der wahrscheinlich in diesem Fall Dinge falsch gemacht habe, sagte Nadal über Djokovic. Natürlich gebe es mehrere Verantwortliche in der schrecklichen Situation der vergangenen zwei Wochen. "Aber natürlich ist er auch einer der Verantwortlichen." Damit war für Nadal das Thema erledigt. Er wolle jetzt nicht mehr darüber reden. Ob das gelingen wird?

Die Reizfigur wird den Sport weiterhin bestimmen

Die Reizfigur Djokovic und all das, was in den vergangenen Tagen rund um den 34-jährigen Tennis-Superstart passiert ist, wird die großen Linien des Sports vermutlich auch weiterhin bestimmen und vielleicht auch nachhaltig verändern. Das hat der Montag bewiesen. Auf der anderen Seite – und das ist auch ein Stück weit beruhigend – wird der Tennissport neue Geschichten schreiben und zuvor Dominantes wieder an den Rand drücken. Naturgemäß am besten funktioniert das im Verlauf von oder kurz nach Grand-Slam-Turnieren.

Die Story der Australian Open könnte so lauten: Zum ersten Mal seit Februar 2020 wird ein anderer Profi als Novak Djokovic die Nummer eins im Herrentennis bekleiden. Ohne den Serben, der die Australien Open neun Mal gewinnen konnte, öffnet sich nämlich plötzlich sowohl für Daniil Medwedew, als auch für Zverev eine Tür. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass einer von beiden das Turnier gewinnt. Sollte das der Fall sein, könnte sowohl der Russe als auch Zverev Djokovic an der Spitze der Weltrangliste ablösen.

Der Hamburger könnte als erst zweiter Deutscher nach Boris Becker (zuletzt am 8. September 1991) die Führung im Männer-Ranking übernehmen. Die große Chance in Abwesenheit des Superstars, sein erstes Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, sieht Zverev durchaus: "Wenn man über die möglichen Sieger redet, muss man über Medwedew, Tsitsipas sprechen. Auch über Nadal. Ich selbst habe in den vergangenen sechs Monaten auch gut gespielt", sagte er kurz vor dem Start des Turniers am Media-Day.

Mit großem Sport aus dem in Melbourne in jeder Hinsicht übergroßen Schatten von Djokovic treten und diesen an der Spitze dann auch noch ablösen. So könnte es für Zverev bei den Australien Open wirklich laufen.


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