Obduktion Pantani erlag Hirn- und Lungenödem


Der italienische Radrennstar Marco Pantani ist an Schwellungen des Gehirns und des Herzens gestorben. Nach der Autopsie sagte der beteiligte Art Giuseppe Fortuni, der Auslöser für diese Schwellungen sei noch unklar.

Der italienische Radrennstar Marco Pantani ist an Schwellungen des Gehirns und des Herzens gestorben. Nach der Autopsie sagte der beteiligte Art Giuseppe Fortuni am Montag, der Auslöser für diese Schwellungen sei noch unklar. Die Ergebnisse weiterer Tests sollten in den kommenden zwei Wochen zur Klärung beitragen. Der Tour-de-France-Sieger von 1998 war am Samstag in einem Hotel in Rimini tot aufgefunden worden.

Pantanis Herz habe nach einem "zerebralen und pulmonalen Ödem" aufgehört zu schlagen, sagte Fortuni nach der dreistündigen Autopsie. Die Schwellung des Gehirns sei dabei die endgültige Todesursache gewesen. Im Zimmer des 34-Jährigen waren nach Polizeiangaben mindestens zehn Fläschchen mit Beruhigungsmitteln gefunden worden, einige von ihnen leer, andere erst vor kurzem geöffnet. In den italienischen Medien wurde über einen möglichen Selbstmord spekuliert, Staatsanwalt Paolo Gengarelli schloss das am Sonntag aus.

Von der Außenwelt abgschottet

Pantani hatte sich in den vorangegangenen Tagen von der Außenwelt abgeschottet und sein Zimmer nur zum Frühstück verlassen. Der Empfangschef im Hotel Le Rose, Paolo Buccellato, erklärte, Mitarbeiter hätten am Samstagabend das Zimmer des Sportlers betreten, nachdem dieser den ganzen Tag nicht gesehen worden sei. Der Sportler war vier Tage zuvor in das Hotel gekommen.

"Das war ein großer Schock für mich - ich weiß nicht, was ich sagen soll. Beim Giro 2001 bin ich zuletzt in einem großen Rennen gegen ihn gefahren", erklärte Jan Ullrich, der sich zurzeit im Trainingslager in der Toskana aufhält. "Er hat alles teuer bezahlt", sagte Pantanis Vorgänger als italienischer Toursieger, Felice Gimondi, der den exzentrischen Star lange Zeit auch im Team Mercatone Uno betreut hatte.

Tragödie für den Radsport

"Für den Radsport ist es eine große Tragödie", meinte Ex-Weltmeister Mario Cipollini, der die Popularitäts-Höhen des Bergspezialisten mit dem Piratentuch kaum erreichte. Der fünfmalige Tour-de-France-Sieger und Titelverteidiger Lance Armstrong sagte: "Der Radsport hat einen großen Weltmeister und eine besondere Persönlichkeit verloren." Ungeachtet aller Konkurrenz habe er immer tiefen Respekt für Marco empfunden, sagte der Amerikaner.

Pantani war 1998 der letzte Radsportler, der die Tour de France und den Giro d’Italia in einer Saison gewann. Seither sah er sich immer wieder mit Doping-Vorwürfen konfrontiert. Im Sommer vergangenen Jahres verbrachte er mehrere Wochen in einer Klinik, die auf die Behandlung von Depressionen und Drogenabhängigkeit spezialisiert ist. 1999 wurde Pantani wegen Dopingverdachts von der Italien-Rundfahrt ausgeschlossen. Zwei Jahre später wurde bei einer Polizeirazzia während des Giro d’Italia in Pantanis Hotelzimmer eine Spritze mit Spuren von Insulin gefunden. Pantani wurde für sechs Monate suspendiert. Im vergangenen Jahr belegte er beim Giro den 14. Platz.

"Elefantino" und der "Pirat"

Die Rennsportkarriere Pantanis begann 1992. Zuerst wurde er in Italien unter dem Spitznamen "Elefantino" bekannt, den er wegen seiner großen Ohren erhalten hatte. Auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn wurde er aber nur noch der "Pirat" genannt, weil er ein Kopftuch und einen Ohrring trug. Pantani gewann acht Etappen der Tour de France und weitere acht der Italien-Rundfahrt. Insgesamt konnte er 36 Profi-Rennen gewinnen.

Vor Pantanis Tod hatte eine andere Schreckensnachricht die Runde gemacht. Der 21 Jahre alte belgische Nachwuchs-Fahrer Johan Sermon starb am Samstag im Schlaf an einem Herzstillstand. Seine Mutter fand ihn am Morgen tot im Bett. In Sermon starb der dritte junge Sportler innerhalb kurzer Zeit an Herzversagen. Im Vorjahr war der 32-jährige spanische Radprofi José-Maria Jimenez, der auch an Depressionen litt, unter nicht restlos geklärten Ursachen gestorben.

AP, DPA AP DPA

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