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RADSPORT: Doping: Anklage gegen Jan Ullrich

Gegen Jan Ullrich und 29 weitere Radfahrer und Mediziner ist wegen Dopingverdachts Anklage erhoben worden. Bei 15 Italienern sind bereits verbotene Medikamente sichergestellt worden.

Gegen Jan Ullrich und Telekom-Teamarzt Lothar Heinrich sowie weitere 29 Rad-Profis und Mediziner hat Italiens Nationales Olympisches Komitee (CONI) Anklage erhoben. Der Vorsitzende der CONI-Anti-Doping-Kommission, Giacomo Aiello, forderte gegen 15 Italiener, bei denen im Zuge der spektakulären Giro-Razzia vom 6. Juni 2001 in San Remo verbotene Medikamente sichergestellt wurden, Sperren von bis zu viereinhalb Jahren.

Landesverbände zuständig für Bestrafung

Für die eventuelle Bestrafung der 16 angeklagten ausländischen Fahrer und Betreuer seien die zuständigen Landesverbände zuständig, erklärte Aiello am Samstag in italienischen Medien. »Wenn wir die Unterlagen auf dem Tisch haben, können wir entscheiden, wie wir weiter vorgehen. Bisher haben wir noch nichts«, erklärte Olaf Ludwig in seiner Funktion als Vize-Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Gleichzeitig ist der Ex-Profi Telekom-Teamsprecher.

»Wir werden angelogen«

»Mit eiserner Faust gegen Doping«, titelte die »Gazetta dello Sport« am Samstag das Vorgehen des CONI und zitierte Aiello mit folgenden Worten: »Im Jahr 2001 hat der Radsport noch mehr systematisches Doping betrieben als zuvor. Wir treffen bei den Vernehmungen auf eine Mauer des Schweigens und werden angelogen, es gibt keine Zusammenarbeit. In Doping-Fällen im Fußball war das anders. Rad-Profis beschweren sich nur und kritisieren.«

Heinrich wird mit der bekannten Stellungnahme im Fall Ullrich, bei dem kortekoidhaltige Medikamente sichergestellt wurden, wiedergegeben: »Alle Mittel, die gefunden wurden, waren durch Einträge in seinem Athletenpass gestattet.« Nach mehr als dreiwöchiger Verletzungspause will Olympiasieger Ullrich nach offensichtlich abgeklungener Reizung des rechten Kniegelenks heute wieder mit dem Training beginnen. In der »L?Equipe« erklärte er: »Mein Ziel ist die Tour, und ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um im Juli 100 prozentig fit zu sein.«

Mondini droht viereinhalb Jahre Sperre

Die längste vom CONI geforderte Sperre von viereinhalb Jahren droht Gianpaolo Mondini, der in dieser Saison ins Team des dreifachen Tour-de-France-Siegers Lance Armstrong (USA) gewechselt war. Der frühere Telekom-Profi Alberto Elli sowie Ermanno Brignoli und Daniele de Paoli müssen damit rechnen, für je vier Jahre vom Radsport ausgeschlossen zu werden. Der 29-jährige Mondini wurde am Samstag mit sofortiger Wirkung von seinem US-Postal-Team suspendiert.

Elli: »Ich beende meine Karriere sowieso«

Der 37-jährige Alberto Elli bestritt Doping mit Insulin: »Ich beende meine Karriere sowieso. Ob jetzt oder im Oktober, macht keinen Unterschied. Ich werde aber um meinem Ruf kämpfen. Ich bin 16 Jahre Profi und nie positiv bei einer Doping-Kontrolle getestet worden. Meine Blutwerte waren immer korrekt«. Der Italiener, 2000 für das Team Telekom bei der Tour vier Tage im Gelben Trikot, riete seinen Kindern ab, »jemals in den Radsport zu gehen«. Elli: »Man müht sich bestialisch ab, verdient ein bisschen Geld, um dann schlechter behandelt zu werden als irgendwelche Banditen.«

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