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RADSPORT: Ermittlungen: Jan Ullrich als Dopingsünder?

Nach dem Giro d¿Italia steht auch das Team Telekom auf der Doping-Liste. Vor allem Jan Ullrich muss mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Florenz rechnen.

Was in den letzten Tagen immer wieder befürchtet wurde, ist tatsächlich eingetreten. Im Zuge der Doping-Ermittlungen nach dem Giro d¿Italia steht auch das Team Telekom auf der Doping-Liste. Genauer gesagt muss Jan Ullrich mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Florenz rechnen. Das berichtete am Donnerstag die Zeitung »La Repubblica«.

Gesundheitlich begründet?

Sonderlich erschüttern wird den ehemaligen Tour de France-Sieger diese Nachricht jedoch kaum. Erstens war nach dem Fund von Kortekoiden bei der Doping-Razzia am vergangenen Donnerstag in San Remo mit Folgen zu rechnen, zweitens ist der Einsatz des Medikaments gegen Asthma medizinisch begründet und damit gestattet, obwohl Kortekoide auf der Doping-Liste stehen.

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Nach dem Giro d¿Italia:

stern.de: Doping: Ermittlungen gegen Team Telekom?

stern.de: Giro-Doping: Nur zwei von zwanzig Teams »sauber«

stern.de: Doping: Jetzt beginnt der Gerichts-Giro

stern.de: »Hemassist würde Jan nie nehmen - er lebt zu gerne«

stern.de: Doping-Fund bei Dario Frigo

stern.de: Giro-Chaos: Polizei-Razzia stoppt Etappe

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»Weder Ullrich noch der Arzt oder die Teamleitung haben bisher etwas in der Hand aus Florenz. Spätestens seit 1998 ist bekannt, das Jan Kortekoide zum Inhalieren gegen sein allergisches Asthma benutzt. Das steht in seinem Gesundheitsbuch«, sagte am Donnerstag Telekom- Teamsprecher Olaf Ludwig.

Rennverbot ohne Folgen?

Als völlig sinnlose Aktion entpuppt sich inzwischen der vom italienischen Radsportverband verhängte Rennverbot. Ab 18. Juni wird bis zur Verabschiedung eines Ethik-Codex' zur Doping-Bekämpfung von der Jugendklasse bis hin zur Profi- Rundfahrt in Italien kein Rennen mehr ausgetragen werden. Kein sehr schmerzhafter Eingriff für die Profis, da in diesem Zeitraum ohnehin der Terminkalender leer war.

Der Internationale Verband UCI hatte bereits darauf hingewiesen, dass die nationale Dachorganisation gar nicht das Recht habe, internationale Radrennen in Italien abzusagen. Das »Sechstage-Rennen« ohne Rennfahrer vom 18. bis 23. Juni hat nur symbolischen Wert und ist ein Zeichen von Hilflosigkeit. »Der Radsport tut so, als halte er inne«, kommentierte am Donnerstag der »Corriere della Sera«. Viel wichtiger war da schon der Verbandsbeschluss, in Zukunft drei Mal im Jahr unangemeldete Trainings-Kontrollen durchzuführen.

Telekom erwartet Ermittlungen

Laut zuständiger Staatsanwaltschaft in Florenz werde gegen 86 Personen, darunter bis zu 60 Fahrer, ermittelt. Das sei das Ergebnis der Auswertungen der Razzia-Funde von San Remo. Nur zwei von 20 am Giro beteiligten Teams seien demnach »sauber«. Die entsprechenden Fahrer, Betreuer und Ärzte, gegen die ermittelt wird, werden in den kommenden Tagen von der Staatsanwaltschaft den »Aviso di Garanzia« zugestellt bekommen. »Uns ist klar, dass wir nicht unter den zwei Teams sind, bei denen nichts gefunden wurde«, sagte Ludwig.

Auch wenn Tour-de-France-Direktor Jean-Marie Leblanc Konsequenzen im Fall der Frigo-Mannschaft Fassa Bortolo schon ausschloss, muss er die 22 eingeladenen Teams, die ab 7. Juli zum bedeutendsten Radsport- Ereignis des Jahres starten wollen, noch ein Mal unter die Lupe nehmen. Trotzdem gehen viele Experten davon aus, dass 50 Prozent der Fahrer, gegen die jetzt ermittelt wird, den Einsatz der beanstandeten Medikamente medizinisch begründen kann und damit keine Sanktionen fürchten muss.

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