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Red-Bull-Pilot Matthias Dolderer: "Man kann nicht vorsichtig fliegen"

Rio de Janeiro, New York, Perth. Matthias Dolderer ist Red-Bull-Air-Race-Pilot und kommt viel rum. Der Extremsportler befindet sich in seiner zweiten Saison als Air-Race-Pilot und hat hohe Ziele. Mit stern.de sprach der 39-jährige über Geschwindigkeiten, Weltmeistertitel und mentale Stärken.

Wie ist das Engagement beim Red Bull Air Race entstanden?
Mich hat es schon von klein auf gereizt, zu fliegen. Dabei hat mich auch der Kunstflug sehr früh begleitet. Richtig angefangen mit dem Kunstfliegen habe ich 1997, zunächst nur im Showflug und nicht im Wettbewerb. Um in den Kunstflugwettbewerb einzusteigen habe ich mich Ende 2007 sehr intensiv auf dieses Ziel fokussiert. Nach meiner deutschen Meisterschaft im Kunstfliegen und erfolgreichen Welt- und Europameisterschaften habe ich dann schließlich eine Einladung für das Red Bull Air Race bekommen und bin 2009 in diesen Wettbewerb eingestiegen.

Es gibt acht Standorte beim Red Bull Air Race. Welcher ist Ihr persönliches Highlight?
Jeder Ort hat seinen eigenen Reiz. Jedoch nehme ich während des Fliegens die Umgebung weniger wahr und konzentriere mich voll auf meine Aufgabe im Cockpit. Man hat nicht den Bruchteil einer Sekunde Zeit, um mal rauszuschauen und sich das Drumherum anzugucken. Später im Fernsehen gucke ich mir dann schon das Ambiente an und bin von den Szenarien beeindruckt. Für mich persönlich hat das Rennen am Lausitzring im August natürlich besondere Bedeutung. In Deutschland möchte ich besonders gut abschneiden. Beeindruckend fand ich bisher auch Budapest, mit dem Flug unter einer Brücke durch. Beim Air Race ist Budapest das, was Monaco für die Formel 1 ist.

Wie sieht ein Renntag bei Ihnen aus? Wie verhalten Sie sich vor dem Start?
Am Renntag versuche ich mich zu konzentrieren, um vor dem Start Ruhe zu bekommen. Ich versuche mich abzuschotten. Im Prinzip ist die ganze Rennwoche bis ins Detail geplant und das Team weiß natürlich auch mit der Zeit, wie ich ticke. Alles was mich ablenken könnte, ist am Renntag Tabu. Ich bin immer relativ locker, ziehe mich eine Stunde vor dem ersten Flug zurück und konzentriere mich auf das bevorstehende Rennen. Kurz vor Rennstart habe ich dann den Tunnelblick, und es zählt nur noch das Jetzt.

Sie sind im zweiten Jahr beim Red Bull Air Race dabei. Wie fällt Ihr bisheriges Fazit aus?
Ich bin zufrieden mit meinem Abschneiden. Man kann hier und da noch an sich arbeiten, die Zwei-Sekundenstrafe beim Rennen in Rio de Janeiro wegen Tiefflugs hat mich schon geärgert. Man darf keine Fehler machen, wenn man ins Finale kommen will.

Wie ist Ihre Beziehung zu den anderen Air-Race-Piloten?
Außerhalb des Rennens komme ich mit allen gut aus. Es gibt Piloten mit denen man sich besser versteht als mit anderen. Einige haben die gleichen Interessen und natürlich gibt es auch Leute, mit denen man privat eher weniger zu tun hat. Man hat so seine Präferenzen.

Wie gefährlich ist das Kunstfliegen?
Die Sportart ist sicher, vor allem weil ein detailliertes Sicherheitskonzept die Piloten schützt. Erfahrung ist wichtig beim Air Race. Jeder Pilot hat mehrere tausend Flugstunden hinter sich und es finden genaueste Berechnungen im Team statt, so dass viel für die Sicherheit getan wird. Es gibt immer ein Restrisiko, denn der Pilot ist erst sicher gelandet, wenn das Flugzeug wieder Boden berührt. Wir können nicht, wie in der Formel 1, bei Problemen mal eben rechts ran fahren. Außerdem kann man nicht langsam, oder vorsichtig durch den Kurs fliegen, das geht nicht. Wir Piloten haben jedoch die Erfahrung und das Fingerspitzengefühl, wie wir fliegen müssen.

Das Kunstfliegen erfordert hohe Belastbarkeit. Wie halten Sie sich mental und körperlich fit?
Zunächst sollte man sehr ausgeglichen leben und im täglichen Leben nicht zu viel Stress an sich heran lassen. Mental muss man sich dem Kunstflug einfach komplett widmen. Darüber hinaus mache ich Koordinationsübungen. Körperlich fit halte ich mich durch Laufen, Tennis und Übungen zur Stärkung der Bauchmuskulatur und des Rückens. Das beste Training ist natürlich das Fliegen selber.

Wie kamen Sie auf die Idee, für Freunde und Fans einen Flieger zum Air Race nach Budapest zu chartern?
Viele Freunde und Fans wollten unbedingt mit zum Rennen nach Ungarn und da hatte ich mir gedacht, dass es mit dem Flugzeug eigentlich schneller geht, als mit dem Bus. Somit habe ich am Flughafen Memmingen eine Maschine organisiert. Das Ganze war eine Supersache, denn eine Charter-Maschine zu einem Red Bull Air Race hatte es vorher noch nicht gegeben. Selbst in der Formel 1 ist das ja nicht selbstverständlich. Auch wenn wir Piloten während der Rennwoche nicht feiern können, haben die Fans eine Riesenparty veranstaltet. Ich finde es toll, dass unser Sport immer bekannter wird und so eine Begeisterung erfährt. Wir stehen zwar noch etwas im Schatten der Formel 1, aber ich freue mich, dass ich das Kunstfliegen in Deutschland etwas nach vorne treiben kann.

Was sind Ihre beruflichen Ziele?
Es gibt bestimmte Flugzeugtypen, die ich mal fliegen möchte, aber klar ist, dass ich unbedingt Weltmeister werden will. Das ist mein großes Ziel. Und sonst möchte ich auch mal ganz gern ins All fliegen. Das wäre ein Traum.

Weitere Infos zu Matthias Dolderer und die Red Bull Air Race Championships gibt es unter Facebook/MDolderer und Red Bull Air Race

Am 7. und 8. August macht Matthias Dolderer und das Red Bull Air Race Halt am Lausitzring (zwischen Berlin und Dresden). Karten gibts unter Red Bull Air Race Tickets

Daniel Barthold

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