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Team T-Mobile: Ludewig bestreitet Doping

Ein Fax beweist, dass sich T-Mobile-Profi Jörg Ludewig vor acht Jahren um Dopingmittel bemühte. Ludewig spricht von einer Jugendsünde

Die Doping-Geschichten um das Team T-Mobile nehmen kein Ende. Als nächster Profi nach Jan Ullrich und Oscar Sevilla rückte der Fahrer Jörg Ludewig in den Blickpunkt. Der 30-Jährige, der nicht im Tour-Team steht, hat sich angeblich vor acht Jahren aktiv um Dopingmittel bemüht.

Das geht aus einem Fax hervor, das den Bonnern vorliegt, über dessen Herkunft aber bisher nichts verlautete. Die ARD zitierte am Mittwoch aus dem Hand geschriebenen Schriftstück und zeigte es. "Ich bin zu allen Schandtaten bereit", schrieb Ludewig, der ein Jahr nach seiner Kaufanfrage, 1999, für eine Saison ins Team Gerolsteiner wechselte. Danach fuhr der Westfale lange in Italien an der Seite Gilberto Simonis und kam im Vorjahr von Domina Vacanze zu T-Mobile.

Fehlverhalten in jungen Jahren

Ludewig reagierte am Nachmittag auf die Vorwürfe und räumte ein, dass das Schreiben "zum Teil von mir" stammt, und er sich über "medizinische Präparate zur Leistungssteigerung" erkundigt hatte. Der 30-Jährige schrieb weiter: "Die Randnotiz zum Thema EPO ist nicht von mir." Nachdem ihm sein damaliges Team Gerolsteiner und ein Apotheker die gesundheitlichen Gefahren und andere Konsequenzen des Dopings aufgezeigt hätten, habe er seine "ethische und moralische Einstellung zu Doping nachhaltig geändert". Für sein Fehlverhalten "in jungen Jahren" bat er um Verzeihung.

"Jetzt müssen wir uns auch um Vorfälle kümmern, die aktuell mit unserem Team nichts zu tun haben", klagte am Abend davor Teamsprecher Stefan Wagner im belgischen Mannschafts-Hotel "Hove Malpertus", das der Frau des sportlichen Leiters von T-Mobile, Valerio Piva, gehört. Die Liste der Fahrer, um die sich die Teamleitung wegen aktueller Ereignisse in besonderer Weise kümmern muss, wird tatsächlich immer länger.

Gedopte Rennfahrer in Frankreich unterwegs

Nach der Suspendierung von Ullrich und Sevilla bestätigten die Bonner Kontakte der Tourstarter Patrik Sinkewitz, Michael Rogers, Eddy Mazzoleni und des hoch gelobten Supertalents Linus Gerdemann mit den übel beleumundeten italienischen Medizinern und Trainings-Analytikern Michele Ferrari und Luigi Cecchini. Darüber berichtete zuerst die "Süddeutsche Zeitung", die durch den bekannten Radsport-Kritiker und Molekular- Biologen Werner Franke informiert worden sein soll.

Franke legte am Mittwoch noch nach. In der "Sport-Bild" behauptete er: "Von den Fahrern, die jetzt in Frankreich fahren, sind mit Sicherheit mindestens die Hälfte gedopt. In Spanien gibt es weitere kriminelle Netzwerke. In San Francisco, North Carolina und Texas existieren Doping-Labore". Der spanische Profi Francisco Mancebo fuhr der Tour nach seiner Suspendierung wegen seiner Verwicklung in die spanische Doping-Affäre böse in die Seite. Er behauptete: Würden effiziente Doping-Kontrollen angewandt, wäre nur noch Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc in Frankreich dabei.

Ludwig räumt auf

Das gesamte Betreuungssystem bei T-Mobile steht jetzt auf dem Prüfstand. Meinungsunterschiede zwischen Sponsor-Interessen und sportlicher Leitung bei der angestrebten Neuordnung sieht Team- Manager Olaf Ludwig nicht. Die Entscheidung der Suspendierung sei "ein deutliches Zeichen, dass wir gut zusammen arbeiten", sagte er, betonte aber, die kommenden Neuregelungen müssten in der Praxis auch "umsetzbar" sein. Ludwig: "Wenn ich sage, alle gehen nur noch zu einem Arzt, dann werde ich den einen oder anderen Fahrer nicht bekommen."

Sicherheitshalber schloss auch Etappensieger Kessler den T-Mobile- Vorstandsitzenden mit ein, als er seinen beeindruckenden Erfolg von Valkenburg seinem Freund Ullrich und René Obermann widmete. So stellte der Nürnberger Profi geschickt eine Verbindung zwischen rauem Asphalt und Führungs-Etage her.

Ludwig wartet auf Signal von Ullrich

Wie im Fall Ullrich stehen jetzt auch bei Ludewig die Anwälte auf dem Plan. "Wir überlegen uns Konsequenzen", sagte Wagner. Gut möglich, dass Ludewig demnächst die Kündigung ins Haus flattert. So weit ist es bei Ullrich noch nicht. Als vorläufig Freigestelltem stehen ihm weiter seine Bezüge - geschätzte 2,5 Millionen Euro pro Saison - zu. "Ich habe noch ein bisschen Zeit bis zur nächsten fälligen Zahlung", sagte Ludwig.

Mit Ullrichs persönlichem Manager Wolfgang Strohband scheint es jedenfalls auch wegen der weiteren, finanziellen Vorgehensweise im Fall Ullrich Unstimmigkeiten zu geben. "Strohband hat mich seit der Suspendierung noch nicht ein Mal angerufen. Wenn man was will - er hat meine Handynummer", sagte Ludwig.

Andreas Zellmer und Benjamin Siebert/DPA / DPA

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