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Tennis Davis Cup-Finale - Vorschau auf Spanien gegen Argentinien


Spanien gegen Argentinien im Endspiel des Davis Cups – das klingt vor allem nach Sandplatztennis. Und richtig, die Iberer emfpangen in der Wiederholung des Finales von 2008 die Gäste aus Südamerika im Olympiastadion von Sevilla auf dem typischem Belag. Kann Spanien seiner Favoritenrolle gerecht werden?

22.000 Zuschauer werden im Olympiastadion von Sevilla zum Finale im Davis Cup erwartet. 2000 von ihnen werden dabei den weiten Weg über den atlantischen Ozean von Argentinien aus gemacht haben.

"Es ist ein sehr schönes Finale - auch, weil wir gegen Freunde antreten", freut sich Rafael Nadal auf die Begegnungen in Andalusien. "Einer meiner besten Freunde ist Juan Mónaco, ich bin mit ihm genauso gut oder sogar enger befreundet als mit vielen spanischen Spielern." Das Duell unter Freunden wird er nach der Auslosung gleich in der ersten Partie bestreiten dürfen.

Danach geht Spaniens Nummer zwei, David Ferrer, gegen die argentinische Nummer eins, Juan Martin del Potro, zu Werke. Im Doppel vertreten Felicano Lopez und Fernando Verdasco die Farben der Gastgeber, gegen sie tritt David Nalbandian nicht, wie ursprünglich geplant, mit Juan Ignacio Chela an. Doppelspezialist Eduardo Schwank wird dem Bruder seines Trainers Javier Nalbandian zur Seite stehen. Vielleicht der entscheidende Schachzug von Argentiniens Kapitän Tito Vazquez.

Wer hat die Nase vorne? Die Statistiken und Historie

Denn die Spanier sind nicht nur aufgrund ihrer Gastgeberrolle in den Einzelspielen die Favoriten: Nadal und Ferrer sind in der Weltrangliste in den Top acht, beim Gegner belegen del Potro und Monaco Platz elf bzw. 26. Dazu kommt, dass Nadal vier von vier bisherigen Begegnungen gegen die beiden Argentinier auf Sand gewinnen konnte. Außerdem darf die allgemeine Davis Cup-Bilanz der einstigen Nummer eins nicht außer acht gelassen werden. 18:1 lautet seine Bilanz im Kampf um die Salatschüssel, blütenweiße 14:0 sogar auf Sand.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Nadal unbesiegbar ist. Del Potro konnte ihm drei Mal in neun Matches den Schneid abkaufen. Alle Erfolge kamen jedoch auf Hartplatz, der größte von ihnen im Finale der US Open 2009, als er dem Spanier in drei Sätzen einen Grand-Slam-Titel entriss. Monaco hat über eine volle Matchdistanz noch nicht gegen Nadal gewonnen, ist aber auch erst drei Mal gegen ihn angetreten. Bei der letzten Gelegenheit 2007 profitierte der Argentinier von einer Verletzung des Spaniers.

Ferrer scheint nicht nur aufgrund seines Weltranglistenplatzes die leichtere Aufgabe für die Gäste aus Übersee. Del Potro weist eine 2:2-Bilanz gegen ihn auf, Monaco hat im Duell sogar die Nase vorne, 4:3 lautet es für ihn. Der noch größere Bonus: Alle vier Siege wurden auf Sand errungen. Im letzten Aufeinandertreffen der Beiden – in diesem Jahr auf Sand – gewann jedoch Ferrer.

Wer hat die Nase vorne? Die Form

Die bessere Form in diesem Jahr könnte den Spaniern zum Verhängnis werden? Einen Beweis für diese These konnte man bereits bei den ATP World Tour Finals feststellen, als Nadal gegen Roger Federer und Jo-Wilfried Tsonga verlor und das Halbfinale verpasste. Und auch bei der Turnierteilnahme zuvor zollte er der langen Saison Tribut, als er im Achtelfinale von Shanghai gegen Florian Mayer verlor. Ausdruck dieser Formschwäche zum Ende des Jahres ist auch das Abrutschen im sportal.de-Power Ranking von Platz zwei auf fünf im Monat November.

Solch eine Formschwäche merkte man Landsmann Ferrer nicht an. Zum Ende des Jahres legte er einen klassischen Schlussspurt hin, der ihm in vier Turnieren zwar keinen Titel aber eine Final- und zwei Halbfinalteilnahmen, unter anderem eine beim Saisonfinale in London, einbrachte.

Del Potro und Monaco waren – das ergibt natürlich die Weltranglistenposition - an den World Tour Finals nur als TV-Zuschauer beteiligt. So sollten sie frischer als die beiden Kontrahenten sein, oder eben eingerostet. Del Potro beendete seine letzten Turnier Ende Oktober mit einem Endspiel und einem Halbfinale, hat demnach seit einem knappen Monat keinen Wettbewerb mehr  bestritten.

Mitspieler Monaco war dagegen noch beim Masters in Paris aktiv und beendete dieses Turnier im Viertelfinale gegen den späteren Sieger Federer. Zuvor unterlag er in Valencia im Finale Del-Potro-Bezwinger Marcel Granollers, hatte dort im Seminfinale allerdings Ferrer besiegt.

Wer macht das Rennen - der Tipp!

Für Nadal spricht also die Historie, gegen ihn seine letzten Auftritte und eine lange und ermüdende Saison. Die anderen Drei präsentierten sich in der nahen Vergangenheit in besserer Form. Trotzdem dürfte für die Argentinier in den Einzeln Ferrer als Gegner die bessere Siegeschance darstellen. Unwahrscheinlich ist eine 2:2-Bilanz nach den Einzeln nicht.

Das Doppel dürfte bei diesem Finale das Zünglein an der Waage sein, somit Vazquez Wechsel von Chela auf Schwank großen Einfluss auf den Ausgang haben. Schwank und Nalbandian absolvierten 2008 ein gemeinsames Turnier in Basel, dürften durch Trainer und Bruder jedoch einige Gemeinsamkeiten haben. Lopez und Verdasco sind dagegen das eingespieltere Team. 64 gemeinsame Matches haben sie in ihrer Statistik, 52 davon gingen erfolgreich aus.

Diese Erfahrung im Doppel dürfte letztlich den Ausschlag geben – Spanien wird die Salatschüssel zum fünften Mal gewinnen, Argentinien dürfte dagegen auch im dritten Anlauf und zweiten Versuch in Spanien leer ausgehen.

Sven Kittelmann

sportal.de sportal

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