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Tour de France: "Mit Beulen ins Hotel"

Das T-Mobile-Team um Jan Ullrich hat Tourfavorit Lance Armstrong bei der 8. Etappe erstmals zum Schwitzen gebracht. Den Sieg sicherte sich der Niederländer Pieter Weening knapp vor Andreas Klöden.

Im Elsass wackelte der Thron von Lance Armstrong. Auf der 8. Etappe der Tour de France, auf der mit dem Col de la Schlucht der erste Berg der zweiten Kategorie dieser Tour zu bewältigen war, kam es zum ersten direkten Schlagabtausch der Top-Favoriten auf den Gesamtsieg. Eindeutiger Punktsieger war dabei das T- Mobile-Team, das mit Andreas Klöden den Tageszweiten hinter dem Niederländer Peter Weening stellte. Fabian Wegmann verlor dagegen nach nur 24 Stunden sein Bergtrikot.

Im Schlussspurt schlug Weening den Wahlschweizer Klöden um wenige Zentimeter im Foto-Finish. "Ich bin froh, dass meine Beine gut sind. Da kann ich es verschmerzen, dass ich heute um einen oder zwei Millimeter zurücklag", so Klöden. "Andreas ist super gefahren. Unsere Taktik war es, zu attackieren. Ich sollte dabei auf Armstrong aufpassen", sagte Jan Ullrich, der im Ziel in Gérardmer auf den sechsten Platz fuhr. Seine Kampfansage an den Rekordsieger aus Texas: "Das war die erste Bergetappe - die Tour fängt an, Spaß zu machen".

Die erste Attacke konnte Lance Armstrong noch abwehren. Kann Jan Ullrich ihm nochmal gefährlich werden?

Mit Beulen ins Hotel

Armstrong ließ leichte Schwächen erkennen, als Klöden zwei Kilometer vor dem 1139 Meter hohen Gipfel des Schlussanstiegs attackierte. Der Texaner konnte sein Gelbes Trikot auf der mit 231,5 Kilometer zweitlängsten Etappe, die in Pforzheim gestartet wurde, aber verteidigen, auch wenn er auf die beiden Schnellsten 27 Sekunden verlor. "Wir haben zwar noch das Gelbe Trikot, aber ein paar Beulen nehmen wir schon mit ins Hotel", gab der Top- Favorit hinterher zu. Auf den zweiten Rang hinter Armstrong rückte mit einer Minute Rückstand Jens Voigt (Berlin), der sich beim ersten Zwischensprint vier Bonussekunden gesichert hatte.

Als T-Mobile dem Kapitän des Discovery Channel-Teams auf den Zahn fühlte, schien Armstrong ins Straucheln zu geraten. Er konnte Klöden nicht folgen und konzentrierte sich im letzten Anstieg des Tages nur auf das Hinterrad von Jan Ullrich, der Klöden zum Angriff 17 Kilometer vor dem Ziel animiert hatte. Der Sensationszweite des Vorjahrers, der ein unbefriedigendes Frühjahr hinter sich hat, holte schnell den allein an der Spitze fahrenden Weening ein. Zusammen rasten die beiden Richtung Ziel. In ihrem Rücken hatte sich eine große Verfolgergruppe mit allen Favoriten gebildet.

Das T-Mobile-Team hat nach dem 24-stündigen Deutschland-Auftritt die Ärmel endlich hochgekrempelt. Vorher hatten einige deutsche Tour-Teilnehmer das Heimspiel in Baden genutzt, um sich unter dem Jubel der Menschenmassen am Straßenrand in Szene zu setzen. Das Bonner Team beteiligte sich nicht am Schaulaufen und konzentrierte sich auf das Finale.

Wegmann, der sich am Vortag als insgesamt vierter Deutscher in der Tour-Geschichte das Bergtrikot geholt hatte, musste Tribut für seine Anstrengungen zahlen und gab die Führung in der Bergwertung gleich wieder an den Dänen Mikael Rasmussen ab. Der Däne gewann alle vier Bergwertungen auf den ersten 45 Kilometern.

Der Berliner CSC-Fahrer Voigt nutzte die Bühne in seinem Heimatland und setzte seine lang angekündigte Attacke in die Tat um. Zwar sprang kein Etappensieg heraus, aber die vier Sekunden Zeit-Gutschrift am ersten Zwischensprint in Sasbach bedeuteten im Ziel in Gérardmer den zweiten Platz.

Andreas Zellmer und Jens Marx/DPA / DPA

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