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Tour de France: Dumoulin gewinnt dritte Etappe

Erik Zabel stand an seinem 38. Geburtstag im Ziel der 3. Tour-Etappe in Nantes mit leeren Händen da. Der Franzose Samuel Dumoulin setzte sich bei der 95. Frankreich-Rundfahrt nach 208 Kilometern als Schnellster einer vierköpfigen Spitzengruppe durch.

Frankreich jubelte doppelt: Dumoulins 23-jähriger Landsmann Romain Feillu übernahm als Tageszweiter das Gelbe Trikot von Alejandro Valverde (Spanien). Letzter Gastgeber in Gelb war 2006 Cyrille Deselle. Milram-Kapitän Zabel kam an der Spitze des Hauptfeldes hinter Robbie McEwen (Australien) 2:03 Minuten nach dem Spitzenquartett ins Ziel.

Die Favoriten taten sich nicht weh

Vor dem ersten Zeitfahren in Cholet taten sich die Favoriten nicht weh - und nicht mehr als nötig. Der Spanier Valverde, der auch von Tour-Gast Greg LeMond (USA) wegen seiner angeblichen Verwicklung in die Doping-Affäre Fuentes angegriffen wurde, gab sein Gelbes Trikot ohne größeren Widerstand ab.

Allerdings war er im Finale auf der Hut, als sich das Hauptfeld bei heftigem Wind teilte. Im Gegensatz zu Mitfavorit Denis Mentschow (Russland) ließ er keinen Zeitverlust zur unmittelbaren Konkurrenz zu. Feillu führt jetzt mit 1:45 Minuten vor dem Viertplatzierten Valverde. Aber nach dem Kampf gegen die Uhr über 29,5 Kilometer beginnt ohnehin eine neue Zeitrechnung bei der Tour 2008.

Ausreißer gegen Sprinter

"Das war das altbekannte Spiel: Ausreißer gegen Sprinter. Es kommt vor, dass man sich hinten im Feld ein bisschen verrechnet und die Teams sich nicht einig sind. Am Anfang haben wir viel gearbeitet, aber dann sind nicht so viele in die Verfolgung eingestiegen wie gewünscht", sagte der Columbia-Sprinter Gerald Ciolek, der sich einiges ausgerechnet hatte.

Für Aufregung hatten 52 Kilometer vor dem Ziel etwa 100 protestierende Hafenarbeiter gesorgt. Dem Verhandlungsgeschick von Tour-Chef Christian Prudhomme war es zu danken, dass die Straßen- Blockade aufgehoben wurde, rechtzeitig bevor die Fahrer kamen.

Ständchen für Zabel

Früh hatte sich eine Ausreißergruppe zusammengefunden. Die vier Nobodies hielten bei heftigem Gegenwind fast 200 Kilometer allein an der Spitze durch und retteten ihren Vorsprung ins Ziel. Der Spanier Angel Gomez stürzte 32 Kilometer vor dem Ziel schwer, als er gegen eine Verkehrsinsel donnerte.

Vor dem Start im bretonischen Saint-Malo warfen sich Zabels Fahrerkollegen vom Milram-Team ins Zeug, sangen ihm ein Ständchen und überreichten eine Frühlingsquark-Torte - mit Karotten statt Kerzen. "Ich habe in den letzten rund 20 Jahren meinen Geburtstag immer bei Radrennen gefeiert. Das ist immer etwas ganz Besonderes", sagte Zabel, der sich seinen größten Wunsch, den 13. Etappensieg bei seiner 14. und wahrscheinlich letzten Tour nicht erfüllen konnte.

Misstrauen gegenüber Valverde

Der dreifache Tour-Sieger Greg LeMond (1986/89/90) misstraut Valverde. "Ich kenne seinen Ruf und frage mich, warum er hier ist und Jan Ullrich nicht", sagte der Amerikaner über den Spanier, der vorübergehend das Gelbe Trikot verlor. Über den zweiten Topfavoriten, Cadel Evans aus Australien, sagte LeMond der französischen Zeitung "L'Équipe": "Er bringt immer sehr konstante Leistungen, im Zeitfahren und bei Anstiegen. Er scheint in Ordnung zu sein, ich hoffe, er ist sauber."

LeMond, im Doping-Prozess gegen seinen Landsmann Floyd Landis als Zeuge der Anklage aufgeboten, attestiert dem Radsport im allgemeinen aber eine Besserung: "2001 hat mich ein Sponsor gefragt, ob ich eine Mannschaft aufbieten kann, die einen Tour-Sieger ohne Doping produzieren kann. Ich habe damals mit 'Nein' geantwortet. Heute hat sich etwas verändert. Ich bin zu 99 Prozent sicher, dass der Radsport so populär wie früher werden kann."

Nantes war zuletzt vor fünf Jahren Etappenziel der Tour. 2003 musste Jan Ullrich dort im Zeitfahren auf regennasser Straße nach einem Sturz seine letzten vagen Hoffnungen auf den Toursieg vor Lance Armstrong begraben.

DPA / DPA

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