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TOUR DE FRANCE: Jens Voigt erstmals in Gelb

Zum ersten Mal in seiner Karriere erkämpfte sich der Berliner Jens Voigt bei der Tour de France das Gelbe Trikot. Sieger der siebten Etappe wurde Laurent Jalabert.

Jens Voigt ist am Ziel seiner Wünsche. Am Samstag erkämpfte sich der 29-jährige Berliner zum ersten Mal in seiner Karriere und als elfter Deutscher das Gelbe Trikot der Tour de France. Voigt profitierte im Ziel der 7. Etappe nach 162,5 km in Colmar vom Vorsprung einer Ausreißer-Gruppe, die fast viereinhalb Minuten vor dem Hauptfeld mit den Favoriten Jan Ullrich (Merdingen), Lance Armstrong (USA) und dem bisherigen Träger des Gelben Trikots, Stuart O?Grady (Australien), rettete. Damit schlüpfte seit 1998 (Ullrich) erstmals wieder ein deutscher Profi ins Maillot Jaune.

Tagessieger Jalabert elf Sekunden vor Voigt

Den Tagessieg bei der Tour durch die Vogesen sicherte sich Laurent Jalabert mit einem Vorsprung von elf Sekunden vor Voigt. Sein Erfolg wurde am französischen Nationalfeiertag euphorisch gefeiert. Und auch Voigt hatte angefeuert von zehntausenden deutschen Fans, die über die nahe Grenze angereist waren und auf den Anstiegen eine Kulisse wie in L?Alpe d?Huez bildeten, Grund zum Jubeln. »Das ist der großartigste Moment in meiner Karriere. Das Trikot ist eine traumhafte Sache für mich. Virtuell habe ich es schon oft getragen, jetzt habe ich es reell. Ich brauche wahrscheinlich noch einige Zeit, bis ich das wirklich begriffen habe«, sagte er.

»Haben ihn ziehen lassen«

»Am vorletzten Anstieg hatte ich Schwierigkeiten mit den Schnellsten mit zu kommen, aber ich habe immer nur gedacht: das Trikot, das Trikot. Ich glaube, bis zum Fuß der Alpen kann ich die Führung verteidigen. Ich habe mich mit Jalabert abgesprochen. Der hat zu mir gesagt, ich soll nicht mitsprinten und nicht so gierig sein, weil ich das Trikot schon hätte. Deshalb haben wir ihn kurz vor Schluss ziehen lassen«, sagte Voigt, der seit Monaten von vielen Teams umworben wird, weil sein Vertrag bei seinem französischen Arbeitgeber Credit Agricole ausläuft.

Jalabert, der zu Jahresbeginn nach einem Sturz von der Leiter drei Wochen im Krankenhaus gelegen hatte, feierte nach Verdun seinen zweiten Etappensieg. Der 32-Jährige, neben Voigt die bisher größte Tour-Überraschung, hatte sich von einer fünfköpfigen Spitzengruppe sieben Kilometer vor dem Ziel abgesetzt und erreichte das verregnete Colmar als viel umjubelter Solist. Jalabert schob sich mit 2:34 Minuten Rückstand hinter Voigt auf den zweiten Platz. Der für die spanische Once-Mannschaft fahrende Ansbacher Jörg Jaksche (24), im Vorjahr noch in Telekom-Diensten, verteidigte sein Weißes Trikot für den besten Nachwuchsfahrer. Erik Zabel fährt weiter in Grün.

Auf halber Strecke bildete sich Ausreißergruppe

Am dritten von fünf Anstiegen in den Vogesen hatte Voigt auf eine Attacke Jalaberts reagiert. Dadurch bildete sich bei Streckenhälfte eine fünfköpfige Ausreißergruppe. Voigt war schnell der »virtuelle« Spitzenreiter, denn im Gesamtklassement hatte er am Start nur 26 Sekunden Rückstand auf seinen Team-Kollegen und Freund O?Grady. Der Australier hatte am Samstag bei der Berg- und Talfahrt am Anfang Schwierigkeiten bekommen, war dann im Finale aber wieder zur Stelle. Chancen, sein Trikot zu verteidigen, hatte er aber nicht. Der Maximal-Vorsprung der Ausreißer betrug über fünf Minuten.

Schrecksekunde kurz vor dem Ziel

Bald war klar, dass der kollektive Fluchtversuch von Erfolg gekrönt sein würde. Schrecksekunden hatte der überglückliche Voigt, dem im Ziel auch Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler zujubelte, noch ein Mal bei der Abfahrt vom Collet du Linge zu überstehen, als der unmittelbar vor ihm fahrende Ivan Basso (Italien) in einer Kurve stürzte. Mit akrobatischem Geschick kam Voigt um einen Sturz herum.

Armstrong musste vor Beginn der Alpen-Etappen am Dienstag einen herben Schlag verkraften. Der Texaner verlor seinen Landsmann Christian Vandevelde, der das Rennen nach einem Sturz aufgab. Bereits im Mannschafts-Zeitfahren war Vandevelde gestürzt und damit Auslöser einer erheblichen Verzögerung. Armstrong muss in Zukunft mit sieben Helfern auskommen. Telekom ist dagegen nach wie vor komplett. Ullrich wird von acht Kollegen unterstützt. Allerdings machte der frühere US- Postal-Fahrer Kevin Livingston auf dem Weg durch das Elsass erneut keinen starken Eindruck.

Am Morgen hatten Ärzte des Weltverbandes UCI bei 44 Fahrern aus fünf Teams ab 7.00 Uhr Blut-Kontrollen vorgenommen. Telekom gehörte nicht zu den kontrollierten Teams. Kein Fahrer zeigte auffällige Werte.

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